Wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann….

… dann erlebe ich sie tatsächlich in meiner Sis. Eigentlich ist dieser Satz durch mehrere Sätze entstanden, die mal wieder gleich einher gingen im Gespräch zwischen meiner Sis und mir. Aber von vorne:

Meine Sis und ich hatten die wunderbare Möglichkeit uns anderthalb Woche an der Backe zu haben. Wie ihr sicher schon wisst, wohnen wir nicht am selben Ort, sondern es trennen uns gute 300 km. Und wie ihr auch wisst, sind wir keine leiblichen Geschwister und auch keine Geschwister die aus Stiefelternteile entstanden sind, sondern wir sind von Schulzeiten an best friends forever, wie man so schön sagt und nicht nur das, sondern sehr sehr seelenverwandt! Auf der Durchreise von ihrem Wohnort zu einer Hochzeit, hat sie kurzentschlossen einen Zwischenstopp bei mir eingelegt und noch kurzentschlossener sich dafür entschieden noch ein paar Tage zu verlängern um mich dann in der Folgewoche mit zu sich zu nehmen. Kleine, aber nicht unbedeutende Randbemerkung: ohne unsere Männer und Familie wäre das nicht möglich- sie kennen uns und unsere Verrücktheit und unterstreichen das alles insgesamt. Zurück zu unserer Woche: Ich wäre eh zu ihr gefahren, da wir- dank ihr- Karten für ein Kellykonzert hatten. Somit wurde aus dem eigentlich wirklich geplanten Konzert eine Auszeit für uns beide von anderthalb Wochen.

In diesen Tagen ist es uns extrem oft geschehen, dass wir dasselbe sagen wollten, dasselbe gesagt haben, dasselbe gedacht haben und Handlungen im Duett gleich durchgeführt wurden.

Wir waren uns dann heute morgen einig- etwas wurde vertauscht, oder wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann sind wir zwei dann doch zusammen geboren worden oder was auch immer. Es fühlt sich so einzigartig und so sicher an. Eine solche Verbindung wie wir sie haben ist nicht nur großartig, sondern unglaublich wertvoll und es durchströmt mein Herz mit Wärme. Es ist nicht nur, dass man den Anderen aus der Scheiße ziehen würde, wenn es nötig wäre;es ist nicht nur das man sich Rückhalt gewährt- nein- es ist viel mehr als das und ich kann es nicht mal in Worte fassen. Nicht einmal die Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, lässt sich in Worte fassen.

Ich danke dennoch von ganzem Herzen, dass ich dass Glück für eine so tiefe Verbundenheit erleben darf. Verbundenheit in Familie, in Dasein füreinander und in einer ganz besonderen Wiedergeburt, wenn es sowas gibt….

Ich hab ein Kind im Ohr

Dies ist eigentlich ein Satz aus einer Werbung für Hörgeräte. Und eigentlich bekomme ich meistens bei der Werbung nicht viel mit, aber dieser Satz ist mir tatsächlich im Ohr hängen geblieben. Ohne anfangs zu wissen, dass es sich um ein Hörgerät handelt, habe ich mir diesen Satz erstmal für Sekunden durch den Kopf gehen lassen. Ich dachte zunächst es ging dabei um ein Kinderprojekt, bis der Verlauf der Werbung mir was anderes darstellte. Dennoch ging mir der Satz nicht aus dem Kopf und sagte ihn mir immer wieder:

>>Ich hab ein Kind im Ohr<<

Jeden Tag bin ich umgeben von Kindern, von meinen eigenen Kindern und von den Kindern in der Schule und im Ganztag. Manchmal sagt man ja auch, die Kinder liegen mir im Ohr. Diese Aussage hat aber eher so einen kleinen negativen und genervten Beigeschmack. Aber ein Kind im Ohr zu haben, ist für mich damit gleichzusetzen, dass ich aufmerksam bin auf das Kind, was mich umgibt. Ich sehe und höre es. Ich höre zu und reagiere darauf. Es ist mir nicht egal und ich lasse mich voll und ganz darauf ein. Natürlich gelingt das nicht immer und nicht bei jeder Gelegenheit. Gerade dann nicht, wenn man von mehreren Kindern umgeben ist. Aber es nachhaltig im Ohr zu belassen und ihm dann später meine Aufmerksamkeit zu schenken, kommt dem Kind im Ohr gleich.

Kinder benötigen unsere Liebe, Fürsorge, Aufmerksamkeit und unser Verständnis. Kinder benötigen Regeln und Grenzen, auch das ist Liebe am Kind. Wenn ich ein Kind mit all seinen Ecken und Kanten nicht als ein Ding, sondern als ein Diamant betrachte und genauso behandle, dann habe ich ein Kind im Ohr. Und nicht nur im Ohr, sondern auch im Herzen.

Um die Sprache der Kinder zu verstehen, muss man genau zu und hinhören. Dazu muss man sein Kind im Ohr haben. Lausche den Sätzen, lausche dem Klang der Stimme, ist es eine Bitte oder gar ein Flehen, sind es Ängste oder Träume, klingt es fröhlich und ausgelassen oder eher ängstlich und zurückhaltend, ruft es nach Wärme und Geborgenheit oder ist da Verzweiflung in der Stimme, ist es ein Ruf nach Hilfe oder nach einem Vertrau mir, ist es die Stimme die sagt, ich bin schon groß oder die Stimme, die sagt, halt mich noch ein wenig fest. Hab dein Kind im Ohr und somit auch im Herzen.

Ob die Macher der Werbung wohl jemals darüber nachgedacht haben, was für eine Auswirkung so ein Slogan haben kann? Es wäre wünschenswert, denn dann hätte man noch mehr hörende Ohren erreicht. In diesem Sinne habt ein gutes und wachsames Ohr und öffnet euer Herz.

Aus der Werbung für Hörgeräte #unbezahlte Werbung

Jahresrückblick / Jahresneubeginn

Am letzten Tag im alten Jahr nahm ich am größten Sylvesterlauf Deutschlands teil. Im Jahr zuvor ging ich als Wanderin an den Start und dieses Jahr packte mich der Ehrgeiz als Walkerin. Ich ging ganz unbefangen aber mit ein wenig Respekt an die Sache heran. Ich weiß, dass ich schnell gehen kann, auch ohne trainiert zu sein und deswegen wusste ich, dass ich die 15km schaffen werde. Es sind nicht die Ergebnisse am Ende für mich, die zählen, sondern es mitgemacht zu haben und am Ende anzukommen. Ist es nicht auch so, wenn wir unser Jahr Revue geschehen lassen? Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich das mache. Möchte ich dem alten Jahr davon laufen? Lange habe ich darüber nachgedacht.

Es war ein Jahr, wo man sagt, es geht besser , sehr viel besser! Ein Jahr geprägt von vielen Nachrichten, die kein Mensch brauchte und leider dennoch in ihrem Leben integrieren müssen. Viele sehr nahestehende Menschen, die an Krebs erkrankt sind, der teilweise auch nicht heilbar ist. Man bekam fast den Eindruck, dass es ansteckend ist, weil immer wieder eine neue Schreckensnachricht dazu kam. Aber nicht nur Krebs hielt Einzug im Jahr 2019, auch eine Rheumaerkrankung und eine MS- Erkrankung bei ganz jungen Menschen. Menschen, die Op’s vor sich hatten und andere Erkrankungen, die einen verändern. Es gab Menschen unter uns, wo das Leben aus der Bahn läuft, wo um Existenz gekämpft werden muss, und ja sogar um Liebe gekämpft wird. Da sind Menschen unter uns, die beruflich nicht glücklich sind und / oder erfolglos auf der Strecke liegen bleiben mussten, trotz vieler Bemühungen. Es gab Menschen unter uns, die einen lieben Menschen verloren haben. Und wenn ich hier von Menschen rede, dann sind das nicht irgendwelche Menschen – NEIN- sie sind aus meiner Familie und aus meinem Freundeskreis und aus dem engsten Bekanntenkreis! Menschen mit denen ich jeden Tag zu tun habe und keinen davon missen möchte! Das waren sicherlich alles Geschehnisse, die ich in dem Jahr nicht gebraucht hätte und wo einem danach zumute ist, einfach nur davon zu laufen, auch wenn sich dadurch nichts ändert und die Gefahr besteht, dass man sich damit immer wieder auseinandersetzen muss. Aber es waren derer Nachrichten einfach zu viel im Jahr 2019.

Dennoch kann ich aber auch sagen, dass es richtig gute und dankbare Momente gab. Beruflich konnten sowohl ich, als auch mein Mann sagen, dass wir endlich angekommen sind. Wir fühlen uns sauwohl indem was wir tun, weil unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Man quält sich nicht zur Arbeit und macht sie richtig gerne.

Ein weiteres persönliches Highlight war das Treffen mit meinen Geschwistern. Wir hatten ein tolles Wochenende zusammen in Hamburg. ( Siehe auch „Das Leben ist eine Reise wert“im Blog).

Auch in einem Blog verewigt, ist unser Adoptionsantrag, der noch 2019 unterzeichnet wurde und seinen Weg zum Gericht aufgenommen hat. Das wird uns auf jeden Fall im Jahr 2020 begleiten und hoffentlich auch zu einem positiven Highlight werden. Durch diese Adoption, wo meine Kinder sich von meinem Mann adoptieren lassen, spürt man die Stärke und Liebe einer Familie. Ich habe das wunderbare Glück, Familie als ein starkes Bindeglied zu erleben. Wir stehen füreinander ein und stärken uns den Rücken. Es darf auch mal gestritten werden ohne das deswegen die Liebe zu jedem einzelnen nachlässt. Wenn es darauf ankommt, stehen wir Gewehr bei Fuß. Niemand muss alleine gehen. Das sind wahrhaftig Glücksmomente.

In unserer Familie gab es neuen Erdenbürger- herzlich willkommen im Leben. Mögest du ein Leben voller Glück führen können und immer Menschen um dich haben, die dich dabei begleiten.

Ich durfte erfahren, wie wichtig und standhaft Freundschaften sein können. Das es ein Band dazwischen gibt, was durchhält und stärker ist als alles was man sich vorstellen kann. Das man zusammen lachen kann, feiern kann aber sich auch stützen kann. Nicht alle Freundschaften sehe ich jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat, aber ich weiß, dass auch sie ganz nah sind. Das bedeutet mir sehr viel und hat einen hohen Stellenwert bei mir und nehme als schönes Erlebnis aus dem Jahr 2019 mit.

Somit kann ich nun sagen, dass ich dem Jahr 2019 nicht weglaufe, sondern dem Jahr 2020 entgegenlaufen. Manches möchte ich gerne hinter mir lassen und anderes nehme ich wieder mit. Von Herzen wünschen ich allen ein gutes Jahr 2020. Bei allem was ihr vorhabt soll euch Liebe, Glück und Wertschätzung begleiten.

Gleich im neuen Jahr bin ich eine längere Wegstrecke gelaufen, bei herrlichem Sonnenschein und die Schönheit der Natur vor Augen. So darf es weitergehen. In diesem Sinne ein gutes Jahr 2020!

Dezember

Kaum ein anderer Monat bietet so eine große Vielfalt wie der Monat Dezember. In keinem anderen Monat des Jahres macht man sich so viele Gedanken und nutzt die ganze Bandbreite des Dekorierens, des Schenkens, der Freude, der Gemütlichkeit, des Beisammenseins. Man überlegt, wem man mit was eine Freude bereiten kann. Welches Geschenk passt und wie berühre ich damit sein Herz und zeige ihm, wie gerne ich ihn habe. Was mache ich besonderes zu essen, damit es allen schmeckt. Ist die Familie an Weihnachten zusammen und genießen wir das Beisammensein. In Familien mit Kindern wird sich sehr viel mehr Zeit genommen um Geschichten vorzulesen. Es werden Weihnachtsfilme zusammen geschaut.

Emotionen haben soviel Platz wie in keinem anderen Monat. Von Traurigkeit, weil man einen lieben Menschen nicht um sich hat in diesem besonderen Monat bis hin zur Freude, die wir selber verspüren und weitergeben. Wieviele Überlegungen und Gedanken stecken in einem selbst, um all das umzusetzen. Da wird immer davon geredet, dass man mehr Zeit haben sollte für die Familie. Zeit haben für Advent und Weihnachten. Aber sind wir doch mal ehrlich: ist das nicht auch Zeit, die wir uns nehmen? Zeit haben für all die Gedanken, Zeit für Freude, Zeit für gemeinsame Stunden? Denken wir in einem anderen Monat soviel darüber nach? Ich glaube nicht. Unser ganzes Potenzial läuft in diesen einen Monat. Ich nehme mir die Zeit, lieb gewonnenen Menschen eine Freude zu bereiten. Ich nehme mir die Zeit Plätzchen zu backen. Ich nehme mir die Zeit der Adventssontage. Ach,und eh ich es vergesse, für Nikolaus nehme ich mir auch Zeit. Ich nehme mir Zeit um vielleicht einen Weihnachtsgruß zu versenden. Die einen basteln einen Adventskalender oder überlegen was kann ich in all die 24 Beutelchen füllen. Die anderen kaufen einen Adventskalender und haben sich Gedanken gemacht, welches der richtige ist. Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn sind oft Menschen, die zusätzlich zur Familie mit einer Kleinigkeit überrascht werden. Das sind Dinge, für die wir ganz viel Zeit verwenden und schenken. In keinem anderen Monat des Jahres, geschehen all diese wunderbaren Dinge in dem Ausmaß. Es ist gerade so, als ob man ein ganzes Jahr wett machen möchte. Ich finde den Monat Dezember wunderbar, weil ich soviel von meiner Zeit, meinen Gedanken und meiner Freude an andere weitergeben kann.

Dreiundfünfzig

Jedes Jahr ein Jahr älter, so auch ich. Happy birthday to me!Nun habe ich die 53 erreicht. Ich kann mir sagen, was es für ein Mist ist, schon wieder ein Jahr älter zu sein oder ich denke mir, dass es durchaus Menschen gibt, die 106 Jahre alt werden und ich somit dann erst die Hälfte meines Lebens erreicht hätte. Was ein wunderbarer Gedanke – ich kann noch so vieles erleben und machen. Lass mich das Leben leben.

Neben der ein oder anderen Überraschung,habe ich so viele wertschätzende Worte an meinem Ehrentag erfahren dürfen, die mich in meinem nächsten Lebensjahr begleiten werden. Es waren nicht nur einfach Glückwünsche; viele ließen mir ganz liebe Worte da. Dafür bin ich sehr dankbar. Es gab mir das Gefühl, dass mir ganz viel geschenkt wurde. Wenn man gesagt bekommt, dass es schön ist, das es mich gibt und die Menschen um mich herum dankbar sind mich zu kennen, dann macht das ganz viel mit. Es spiegelt mir auch ein wenig wieder, wie ich meine Lebenseinstellung pflege. Ich mag Menschen um mich herum und ich nehme sie so wie sie sind. Das heißt nicht, dass ich immer mit allem konform gehe, oder mich nicht auch mal über etwas ärgere oder traurig bin, wie mir Menschen gegenüber stehen. Aber ich habe gelernt manches hinzunehmen und dass es immer einen Grund gibt, warum wieso weshalb sich gerade so verhalten wird. Auch ich bin nicht immer einfach und habe meine Gründe dafür. Das Recht hat jeder und muss akzeptiert werden. Ich möchte meinen Menschen um mich herum auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen.

53 Jahre lassen einen auch reflektieren. Was hat man erlebt und geschafft? Was hat man lieb gewonnen und was möchte man lieber vergessen? Wer davon ist immer an deiner Seite geblieben und wer hat deinen Weg verlassen? Welche Menschen sind hinzugekommen? Was hab ich gut und was hätte ich besser machen können. Wen habe ich verletzt und wem hab ich gutes getan? Man kann wahrscheinlich noch Stunden damit verbringen sich Fragen der Art zu stellen. Und wahrscheinlich kann man auch ganz lange darüber nachdenken und viele Erinnerungen leben wieder auf. Mich hat es zu dem Menschen gemacht, der ich heute mit 53 bin. Manches muss man erlebt und gemacht haben, um es heute in seinem Tun, Handeln und Denken einfließen lassen zu können. Sicher hätte auch ich auf manches verzichten können, aber das bin ich heute. Ich mit 53 Jahren ! ! Ich bin gespannt auf das, was mir das Leben noch bereit hält.

Ein Bild von dem großartigen Schriftsteller Jando spricht mir aus der Seele, weil ich unendlich dankbar bin.

Das ist er nun, der 1. Advent

Ein ganzes Jahr freut sich der Großteil der Menschen auf die Advent- und Weihnachtszeit, mich mit eingeschlossen. Zu keiner Jahreszeit wird soviel Geld für Dekorationen ausgegeben und sich trotz der Fülle, die schon in Kartons auf dem Dachboden oder Keller gelagert sind, immer wieder ein Teil dazu gekauft, wie zu Advent und Weihnachten. Die schönen Lichter erstrahlen die dunkle Jahreszeit und machen das Gemüt wieder wärmer und heimisch nach dem oft so tristen November. Man freut sich auf zu Hause, auf die Gemütlichkeit . Kinderaugen erstrahlen und sie sind gespannt auf jedes neue Türchen, was jeden Tag geöffnet wird um die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen und die Spannung noch spannender werden lässt. Endlich dürfen die längst gebackenen Plätzchen vertilgt werden und der Nikolaus holt hoffentlich nicht die Rute heraus. Nichts von all dem möchte ich missen . Es gehört zu dieser besonderen Zeit einfach dazu. Sowohl für Kinder als auch für uns Erwachsene.

Aber ist das wirklich alles, was die Advent- und Weihnachtszeit ausmacht? Es gibt eine nette Geschichte, in der die Mutter ihre Familie auffordert, das sich nach der Bescherung alle an einen Tisch setzen und sich jeder noch einen Wunsch überlegt, den er sich von der Familie wünscht. Sie wollte damit erreichen, dass nach der Bescherung nicht gleich alle wieder auseinanderlaufen. Die Tochter wünschte sich, dass es mehr vegetarisches Essen gibt. Sie kann das Tierleid nicht mehr ertragen. Die Eltern kämen immer mit Billigfleisch heim, aber sähen nicht das diese Tiere qualvoll leiden müssten. Die Einsicht war schnell da und man nahm sich vor, vielleicht nicht mehr jeden Tag Fleisch zu kochen und den Biohof aus der Nähe als Einkaufsziel zu nutzen auch wenn die Eltern es als Bioverarsche abtaten. Aber der Gedankengang der Tochter zeigte, dass sie gutes Herz hatte. Der Vater wünschte sich, dass die Familie wenigstens einmal am Wochenende zusammen frühstückte, gerne auch als Brunch mit vegetarischen Aufstrichen. Er erstellte einen Familien-Brunch- WhattsApp-Gruppe, damit es halbwegs funktionieren könnte und legte fest, dass 11:00 Uhr doch eine gute Zeit für alle wäre. Der Sohn, eingestuft als typischer Wohlstandsjunge, lässig, frech und ein passabler Schüler, wünschte sich, dass sein Freund Leon eine Zeit bei ihm hausen könnte. Der Vater von Leon war Alkoholiker, die Mutter hilflos, ständig gab es Streitereien und Gleichgültigkeit dem Kind gegenüber. Leon war schon seid Kindergartenalter mehr bei Ihnen zu Hause als bei sich. Der Sohn würde sogar sein Zimmer für ihn räumen. Leon sollte dann auch mit in die WhattsApp-Gruppe um am Brunch teilnehmen zu können. Selbst die Schwester freute sich darüber, weil sie den Freund schon immer mochte. Die Mutter war überaus glücklich, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, dass alle gemeinsam am Tisch blieben und jeder sein Anliegen ausgesprochen hatte. Für sie war es ein gelungener Weihnachtsabend. Und weil es so schön gemütlich war, spielten sie noch eine Runde Mensch-ärgere- Dich-nicht. Sie wussten nicht, ob sie alle Wünsche umsetzen konnten, aber sie hatten sich großartige Gedanken gemacht und sie hatten viel Zeit miteinander verbracht.

Und genau das gehört für mich zur Advent- und Weihnachtszeit genauso mit dazu, wie all die Dinge, die ich zu Beginn nannte. Zeit zu haben. Hektik mal hinten anstellen. Warum entsteht gerade in dieser doch so gemütlichen Zeit diese Hektik? Weil wir für jeden das richtige Geschenk haben möchten? Weil wir die liebe Freundin und den netten Nachbarn auch was tolles schenken wollen? Weil wir zu der Weihnachtsfeier vom Sportverein, der Schule, des Betriebs und des Dorfes gehen wollen? Alles ist schön, solange es aus dem Herzen kommt und mit Liebe gemacht wird und eben nicht in Hektik endet. Die Zeit für uns, für unsere persönlichen Wünsche- wo bleibt sie? Die Zeit für ein nettes Gespräch und ein offenes Ohr mit und für dein Kind, den Eltern, den Geschwistern, den Freunden und dem Nachbar- sind sie nicht soviel mehr wert als jedes Geschenk? Natürlich wird jetzt mancher Kritiker sagen: sollte man das nicht das ganze Jahr tun und nicht nur zu dieser besonderen Zeit? Ja , das ist richtig!! Aber ich weiß auch, wieviel man sich vornimmt und in unserer hektischen Zeit untergeht. Den Stress in der Adventszeit machen wir uns selbst. Und das ist nicht der Sinn von Advent und Weihnachten. In dem Wort Adventszeit steckt das Wörtchen *Zeit*!Von Herzen wünsche euch, dass ihr die Adventszeit nutzt, um nicht dem Konsum nachzugehen, sondern euch Zeit schenkt und auf eure Wünsche achtet, die nicht von Konsum behaftet sind. Schaut nach rechts und links und über den Tellerrand hinaus, wem man ein wenig Zeit schenken kann. Das ist soviel mehr wert und macht noch dazu glücklich.

Adoption Notartermin

Ein wichtiger Schritt liegt heute vor uns. Ein Schritt, der den Stein so richtig ins Rollen bringen wird. Gleichzeitig begleiten uns aber auch viele Gedanken bei diesem Weg. Aber von vorne:

Aus meiner 1.Ehe habe ich vier Kinder, die heute im Alter zwischen 18 und 27 sind. Diese vier Kinder kamen vor knapp 1,5 Jahren auf meinen jetzigen Mann zu und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte sie alle zu seinen eigenen Kindern annehmen würde und sie adoptieren würde. Das saß erstmal. Gerührt mit Tränen in den Augen und sprachlos zu gleich, bestückt mit Stolz, nahmen wir bzw mein Mann die Herausforderung an. Zunächst holten wir uns erstmal Informationen herein, was überhaupt möglich ist. Man unterscheidet dabei zwischen einer „gewöhnlichen“ Adoption und einer Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht. Bei dem Alter meiner Kinder und dem Vorhaben, nicht nur einfach einen Nachnamen geändert zu bekommen, sondern richtig adoptiert zu werden, kam nur zweiteres in Frage. Dazu muss man verschiedene Anforderungen erfüllen. Eine davon ist, dass alle Kinder unter 18 gewesen sein müssen, als mein jetziger Mann in unser Leben trat bzw in das Leben meiner Kinder. Und das ist so gewesen. Als wir heirateten waren selbst da noch alle unter 18. Was bedeutet nun Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht? Zum einen eben, dass alle noch keine 18, also minderjährig waren und zum Anderen, dass die Wurzeln zum Erzeuger komplett gekappt werden. Die Kinder müssen dann später nicht mehr für ihn aufkommen, wenn es darum geht, dass er pflegebedürftig ist. Genauso wenig natürlich im umgekehrten Fall. Was für eine Hommage an alle Beteiligten. Lasst es euch bitte mal durch den Kopf gehen…. 💭 Ich möchte hier an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was alles gewesen ist, warum meine Kinder solche Entscheidungen getroffen haben. Aber wenn man sich das Alter ansieht, dürfte einiges klar sein. Warum sonst gehen Kinder , die alle ein erwachsenes Alter erreicht haben, so einen Schritt? Und wie sagte ich so schön zu meinem Mann? „ Glückwunsch, alles richtig gemacht!“ – es waren nie seine leiblichen Kinder, aber er hat nie auch nur einen Unterschied gemacht. Von heute auf morgen kam er in eine Welt mit teils noch verstörten und geprägt von inneren Verletzungen und pubertierenden Kindern. Es war bestimmt manchmal zum Weglaufen. Er hat sie nie von Babybeinen an gekannt und musste sich in sie reinversetzen. Er hat das getan, was ein Vater tun muss und sollte- mit Liebe, Verständnis und Empathie Kinder begleiten und für sie da zu sein. Und ich behaupte, dass es nicht immer einfach war, weder für ihn noch für mich. Jeder der Kinder hat, kennt das Leben und was damit einhergeht. Kinder sind ein großer Gewinn, aber es gibt Tage wo man selbst nicht weiter weiß und heimlich weint.

Nachdem wir uns nun reichhaltig mit Informationen bestückt haben, gab es dann weitere Informationen bei einer Notarin. Sie fragte nach und erklärte uns dann noch einiges. Unter anderem auch, dass der leibliche Sohn und dessen Mama auch gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Ich bin so froh, dass wir ein so gutes Verhältnis miteinander haben, dass wir uns dahingehend keine Gedanken machen müssen. Wir sind mit dem Sohn (12Jahre) ehrlich und offen ins Gespräch gegangen, was das überhaupt bedeutet. Welche Auswirkungen das für ihn hat. Er hat geweint, weil er sich so gefreut hat. Und auch die Mama von ihm spricht uns überhaupt nicht dagegen. Was für ein Glück wir haben. Das geht aber nur, wenn man sein Gegenüber wertschätzt und auch mit allem offen ins Gespräch geht. Das war anfangs auch nicht so. Mit der Zeit haben wir einen sehr guten Weg gefunden, miteinander und nicht gegeneinander umzugehen, sowohl im Sinne von Kind als auch für uns.

So sind wir nun heute alle bei unserer Notarin und werden die Anträge für das Gericht unterschreiben. Was für ein Tag. Es ist nur eine Unterschrift, aber eine ganz gewichtige Unterschrift. Werden wir bei Gericht einen Erfolg erzielen können? Wie lange dauert es bis das die Verhandlungen beginnen? Was wird der Erzeuger oder anders mein Ex-Mann dazu sagen? Wie wird er reagieren? Soviel steht fest: er wird angehört werden, und er muss nicht zustimmen, da aber alle über 18 sind, hat die Nichtzustimmung keine große Auswirkung für ihn. Das könnte ihn wiederum unberechenbar machen. Das ist meine größte Angst. Dies hält uns aber nicht davon ab, den Schritt zu gehen und die Unterschrift hier und heute darunter zusetzen. Danach werden wir zusammen essen gehen und schauen wie es in uns aussieht. Ich berichte euch weiter davon .

Habt es gut ihr Lieben und geht wertschätzend miteinander um!