Anker für die Seele

Kennt ihr das, wenn man über etwas schreiben und berichten möchte, aber einem die Worte fehlen? So ähnlich geht es mir mit diesem Blog. Ich weiß, dass ich gerne über die vergangenen Erlebnisse berichten möchte, mir schon zig Gedanken gemacht habe und ja definitiv der Mensch bin, der aus dem Bauch und dem Herzen heraus schreibt. Das werde ich auch hier tun. Was also hemmt mich dann so, die richtigen Worte zu finden? Vielleicht sind es die vielen Gedanken und Umstände, die mit diesem Erlebnis einhergehen, denn diese sind etwas komplexer in meinem Kopf. Ich werde es dann dennoch wie immer tun und werde mir im folgenden einfach meine Gedanken aus der Seele schreiben.

Es geht um unseren Urlaub. Fast jeder macht irgendwann seine Reise, seine Erholung, verbringt seinen Urlaub irgendwo fern von der Heimat. Und jeder, der sich seinen Urlaub gönnt, kennt auch die Gefühle, die damit verbunden sind. Entspannen, abschalten, neue Kraft tanken, den Alltag hinter sich lassen, Zeit haben, sich auf sein innerstes und seine Bedürfnisse konzentrieren. Für viele gehört das schon als Selbstverständlichkeit dazu, denn schließlich geht man auch dafür arbeiten.

Ich kann für mich tatsächlich nicht von Selbstverständlichkeit reden. Die Sehnsucht nach einem Urlaub wuchs in den Jahren immer mehr in mir. Es war nicht so, dass ich nie weg war. Für mich war der Urlaub eher ein Besuch bei meinen Geschwistern, die sowohl im Norden als auch im Süden ihre Heimat haben. Es waren immer schöne Zeiten auch eingebunden mit den Gefühlen, die ein Urlaubsfeeling mit sich bringt. Und dennoch wuchs in mir die Sehnsucht nach einem Urlaub mit Unabhängigkeit. Hieß aber auch, dass für mich kein Wohnwagen oder zelten in Frage kam. Mag sein, dass es für den ein oder anderen Leser überheblich klingt, aber ich hatte Sorge, dass ich im Urlaub unter den Umständen, das selbe tu wie zu Hause auch:kochen, einkaufen, aufräumen. Daran wird deutlich, wie sehr ich mich vom Alltag wegsehnte. Warum dann nicht einfach machen und buchen, Koffer packen und weg? Selbst ein Teil meiner Kinder hatte schon diese Auszeiten und das Urlaubsfeeling kennengelernt- es konnte doch dann gar nicht so schwer sein, selber in dieses Feeling einzutauchen. Beruflich ließ sich das nicht immer so vereinen. Da ich im Schulwesen tätig bin, war ich auf die Ferien angewiesen und mein Mann zwischenzeitlich in der Landwirtschaft tätig war, wo genau in dieser Zeit Hochsaison ist, war ein gemeinsamer Urlaub schon gar nicht möglich. Aber das war nicht die einzigste Problematik. Es gab da etwas, was mit Kosten verbunden war. Immer waren andere Dinge wichtiger. Und jetzt sind wir schon beim Knackpunkt des Textes angelangt: über sowas spricht und schreibt man nicht so gerne. Es ist nicht nur sehr persönlich, sondern der Gedanke daran, wie und was andere sagen könnten, steht so fest im Vordergrund, dass man damit sehr sensibel umgehen muss, auch zum Schutz vor sich selber. Allein aus dem Grund, möchte ich dabei auch nicht ins Detail gehen. So viel steht fest, es war für die Thematik Urlaub immer ein Stein im Weg. Was aber ist, wenn der Kopf, die Beine und die Seele nicht mehr können? Wenn man das Gefühl hat, das man aushungert und vertrocknet? Wenn der gewöhnliche Tagesablauf abgespult wird, sich aber die Frage gestellt wird, wofür mache ich das Ganze? Was muss in einem selber erst geschehen, damit man sagt: JETZT, jetzt machen wir es, wir fahren jetzt weg, egal was ist, ? Ich kann das nicht in Worten beschreiben, was in dem Moment des JETZT eintritt. Du reagierst:

Ich habe die halbe Nacht im Internet verbracht. Fünf bis sechs Personen mit Hund sollten sich auf die Reise machen. Am liebsten sollte es an die See gehen. Im Hinterkopf stand immer die Frage, ob es tatsächlich gelingen sollte, dass wir nach 29 Jahren endlich einen Urlaub buchen? Man durfte ja auch nicht vergessen, dass wahrscheinlich ganz viele Menschen gerade an die See wollten, wo Corona doch vorweg einiges abverlangte und immer noch tut. Doch tatsächlich fand sich relativ schnell eine günstige Ferienwohnung, die schön eingerichtet war und für unsere Bedürfnisse mehr als ausreichend war. Ja, auch bei einer Ferienwohnung muss man sich selbst versorgen, aber das habe ich in Kauf genommen, um endlich Urlaub zu haben. Ich hatte gebucht- unglaublich- das erste mal in meinem Leben habe ich einen Urlaub gebucht. Und wieder die Gedanken im Hinterkopf, ob das alles wohl richtig ist? Es gab kein „Nein“ oder „Ja“ als Antwort, kein „Falsch“ oder „Richtig“, sondern nur das eine Gefühl, dass ein langer Traum und eine heimliche Sehnsucht endlich gestillt werden sollte.

Die Anreise und der Einzug in unsere Ferienwohnung verliefen reibungslos. Die Stimmung war gut und gelöst zugleich. Der Ort, indem wir verweilten war ein verträumtes und ruhiges Nest. Alles war sauber und man sah selten jemanden auf den schmalen und verwinkelten Wegen. Aber wenn man jemanden traf, wurde einem immer ein freundliches „Moin“ entgegen gebracht. Das Wetter ließ uns manchmal im Stich und nur an wenigen Tagen kam die Sonne zum Vorschein. Das hinderte uns aber nicht daran, am Deich entlang zu gehen, uns andere Orte anzusehen und unternehmungslustig die Gegend zu erkunden. Mit eingebunden war die ein oder andere Besichtigung oder Shoppingtour. Bedingt durch Corona musste man sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen, die nicht immer schön waren, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Wir hatten ja Zeit. Niemand musste zu festgesetzten Uhrzeiten irgendwo hin. Auch ein Essen musste zu keiner bestimmten Uhrzeit fertig sein. Wir hatten Zeit für Gesellschaftsspiele, ohne das die Zeit im Nacken stand oder man vor Erschöpfung keine Lust dazu hatte. Es fühlte sich so herrlich frei an.

Bei allen Touren und Besichtigungen, gab es für mich jedoch ein ganz besonderes Highlight: das MEER. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass das Meer eine so heilende Wirkung in mir auslöst. Die unendliche Weite des Meeres ließ mich frei sein von allen Gedanken, die mir im Kopf rumschwirrten. Jede Welle, jeder Windstoß schien mir ein Stück Leichtigkeit nahe zu bringen, als wenn es mir sagen wollte, dass ich loslassen soll. Loslassen von all dem was mich belastet und gerade mit mir arbeitet. Es machte so viel mit mir, dass die Tränen liefen. Es waren Tränen des Glücks. Ich war einfach nur glücklich!! Glücklich darüber, dass ich das alles erleben durfte, dass es Menschen gab, die uns das von Herzen gönnten und dass ich es nicht alleine erleben musste. Ein Gefühl der Freiheit entwickelte sich in mir und noch viel mehr machte sich Leichtigkeit in mir breit. Ich wollte gar nicht mehr weg. Auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung spürte ich schon die Sehnsucht nach dem Meer. Ich hätte Stunden dort verweilen können, ohne auch nur etwas zu tun, außer auf das Meer zu schauen und den Wellen bei ihrem Spiel zuzusehen. Wir waren natürlich noch ein zweites mal direkt am Meer und die Magie setze sofort wieder ein. Für manche mag es etwas selbstverständliches sein- nicht so für mich. Ich werde diese Magie des Meeres lange in mir behalten und bin mir sicher, dass es nicht das letzte mal war, dass ich das erleben darf. und werden ganz sicher keine 29 Jahre mehr vergehen. Vielleicht bleiben die Überlegungen und Fragen dieselben wie vor dem Urlaub, aber die Antwort wird sicherlich schnell gefunden sein.

Es war nur eine Woche, aber es war diese eine Woche! Möge jeder urteilen wie er mag und vielleicht hätten andere Dinge im Vordergrund stehen müssen, aber dann ist das jetzt so. -Diese Zeit nimmt mir niemand mehr. Es war ein Anker für die Seele, ein Anker für unserer Hände Arbeit, ein Anker für unsere Familie, ein Anker der sich fest verankert hat mit meinem tiefsten Inneren. Nichts auf dieser Welt ist selbstverständlich. Nimm den Anker, wirf ihn aus und festige dein Seelenleben.

Jahresrückblick / Jahresneubeginn

Am letzten Tag im alten Jahr nahm ich am größten Sylvesterlauf Deutschlands teil. Im Jahr zuvor ging ich als Wanderin an den Start und dieses Jahr packte mich der Ehrgeiz als Walkerin. Ich ging ganz unbefangen aber mit ein wenig Respekt an die Sache heran. Ich weiß, dass ich schnell gehen kann, auch ohne trainiert zu sein und deswegen wusste ich, dass ich die 15km schaffen werde. Es sind nicht die Ergebnisse am Ende für mich, die zählen, sondern es mitgemacht zu haben und am Ende anzukommen. Ist es nicht auch so, wenn wir unser Jahr Revue geschehen lassen? Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich das mache. Möchte ich dem alten Jahr davon laufen? Lange habe ich darüber nachgedacht.

Es war ein Jahr, wo man sagt, es geht besser , sehr viel besser! Ein Jahr geprägt von vielen Nachrichten, die kein Mensch brauchte und leider dennoch in ihrem Leben integrieren müssen. Viele sehr nahestehende Menschen, die an Krebs erkrankt sind, der teilweise auch nicht heilbar ist. Man bekam fast den Eindruck, dass es ansteckend ist, weil immer wieder eine neue Schreckensnachricht dazu kam. Aber nicht nur Krebs hielt Einzug im Jahr 2019, auch eine Rheumaerkrankung und eine MS- Erkrankung bei ganz jungen Menschen. Menschen, die Op’s vor sich hatten und andere Erkrankungen, die einen verändern. Es gab Menschen unter uns, wo das Leben aus der Bahn läuft, wo um Existenz gekämpft werden muss, und ja sogar um Liebe gekämpft wird. Da sind Menschen unter uns, die beruflich nicht glücklich sind und / oder erfolglos auf der Strecke liegen bleiben mussten, trotz vieler Bemühungen. Es gab Menschen unter uns, die einen lieben Menschen verloren haben. Und wenn ich hier von Menschen rede, dann sind das nicht irgendwelche Menschen – NEIN- sie sind aus meiner Familie und aus meinem Freundeskreis und aus dem engsten Bekanntenkreis! Menschen mit denen ich jeden Tag zu tun habe und keinen davon missen möchte! Das waren sicherlich alles Geschehnisse, die ich in dem Jahr nicht gebraucht hätte und wo einem danach zumute ist, einfach nur davon zu laufen, auch wenn sich dadurch nichts ändert und die Gefahr besteht, dass man sich damit immer wieder auseinandersetzen muss. Aber es waren derer Nachrichten einfach zu viel im Jahr 2019.

Dennoch kann ich aber auch sagen, dass es richtig gute und dankbare Momente gab. Beruflich konnten sowohl ich, als auch mein Mann sagen, dass wir endlich angekommen sind. Wir fühlen uns sauwohl indem was wir tun, weil unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Man quält sich nicht zur Arbeit und macht sie richtig gerne.

Ein weiteres persönliches Highlight war das Treffen mit meinen Geschwistern. Wir hatten ein tolles Wochenende zusammen in Hamburg. ( Siehe auch „Das Leben ist eine Reise wert“im Blog).

Auch in einem Blog verewigt, ist unser Adoptionsantrag, der noch 2019 unterzeichnet wurde und seinen Weg zum Gericht aufgenommen hat. Das wird uns auf jeden Fall im Jahr 2020 begleiten und hoffentlich auch zu einem positiven Highlight werden. Durch diese Adoption, wo meine Kinder sich von meinem Mann adoptieren lassen, spürt man die Stärke und Liebe einer Familie. Ich habe das wunderbare Glück, Familie als ein starkes Bindeglied zu erleben. Wir stehen füreinander ein und stärken uns den Rücken. Es darf auch mal gestritten werden ohne das deswegen die Liebe zu jedem einzelnen nachlässt. Wenn es darauf ankommt, stehen wir Gewehr bei Fuß. Niemand muss alleine gehen. Das sind wahrhaftig Glücksmomente.

In unserer Familie gab es neuen Erdenbürger- herzlich willkommen im Leben. Mögest du ein Leben voller Glück führen können und immer Menschen um dich haben, die dich dabei begleiten.

Ich durfte erfahren, wie wichtig und standhaft Freundschaften sein können. Das es ein Band dazwischen gibt, was durchhält und stärker ist als alles was man sich vorstellen kann. Das man zusammen lachen kann, feiern kann aber sich auch stützen kann. Nicht alle Freundschaften sehe ich jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat, aber ich weiß, dass auch sie ganz nah sind. Das bedeutet mir sehr viel und hat einen hohen Stellenwert bei mir und nehme als schönes Erlebnis aus dem Jahr 2019 mit.

Somit kann ich nun sagen, dass ich dem Jahr 2019 nicht weglaufe, sondern dem Jahr 2020 entgegenlaufen. Manches möchte ich gerne hinter mir lassen und anderes nehme ich wieder mit. Von Herzen wünschen ich allen ein gutes Jahr 2020. Bei allem was ihr vorhabt soll euch Liebe, Glück und Wertschätzung begleiten.

Gleich im neuen Jahr bin ich eine längere Wegstrecke gelaufen, bei herrlichem Sonnenschein und die Schönheit der Natur vor Augen. So darf es weitergehen. In diesem Sinne ein gutes Jahr 2020!

Adoption Notartermin

Ein wichtiger Schritt liegt heute vor uns. Ein Schritt, der den Stein so richtig ins Rollen bringen wird. Gleichzeitig begleiten uns aber auch viele Gedanken bei diesem Weg. Aber von vorne:

Aus meiner 1.Ehe habe ich vier Kinder, die heute im Alter zwischen 18 und 27 sind. Diese vier Kinder kamen vor knapp 1,5 Jahren auf meinen jetzigen Mann zu und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte sie alle zu seinen eigenen Kindern annehmen würde und sie adoptieren würde. Das saß erstmal. Gerührt mit Tränen in den Augen und sprachlos zu gleich, bestückt mit Stolz, nahmen wir bzw mein Mann die Herausforderung an. Zunächst holten wir uns erstmal Informationen herein, was überhaupt möglich ist. Man unterscheidet dabei zwischen einer „gewöhnlichen“ Adoption und einer Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht. Bei dem Alter meiner Kinder und dem Vorhaben, nicht nur einfach einen Nachnamen geändert zu bekommen, sondern richtig adoptiert zu werden, kam nur zweiteres in Frage. Dazu muss man verschiedene Anforderungen erfüllen. Eine davon ist, dass alle Kinder unter 18 gewesen sein müssen, als mein jetziger Mann in unser Leben trat bzw in das Leben meiner Kinder. Und das ist so gewesen. Als wir heirateten waren selbst da noch alle unter 18. Was bedeutet nun Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht? Zum einen eben, dass alle noch keine 18, also minderjährig waren und zum Anderen, dass die Wurzeln zum Erzeuger komplett gekappt werden. Die Kinder müssen dann später nicht mehr für ihn aufkommen, wenn es darum geht, dass er pflegebedürftig ist. Genauso wenig natürlich im umgekehrten Fall. Was für eine Hommage an alle Beteiligten. Lasst es euch bitte mal durch den Kopf gehen…. 💭 Ich möchte hier an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was alles gewesen ist, warum meine Kinder solche Entscheidungen getroffen haben. Aber wenn man sich das Alter ansieht, dürfte einiges klar sein. Warum sonst gehen Kinder , die alle ein erwachsenes Alter erreicht haben, so einen Schritt? Und wie sagte ich so schön zu meinem Mann? „ Glückwunsch, alles richtig gemacht!“ – es waren nie seine leiblichen Kinder, aber er hat nie auch nur einen Unterschied gemacht. Von heute auf morgen kam er in eine Welt mit teils noch verstörten und geprägt von inneren Verletzungen und pubertierenden Kindern. Es war bestimmt manchmal zum Weglaufen. Er hat sie nie von Babybeinen an gekannt und musste sich in sie reinversetzen. Er hat das getan, was ein Vater tun muss und sollte- mit Liebe, Verständnis und Empathie Kinder begleiten und für sie da zu sein. Und ich behaupte, dass es nicht immer einfach war, weder für ihn noch für mich. Jeder der Kinder hat, kennt das Leben und was damit einhergeht. Kinder sind ein großer Gewinn, aber es gibt Tage wo man selbst nicht weiter weiß und heimlich weint.

Nachdem wir uns nun reichhaltig mit Informationen bestückt haben, gab es dann weitere Informationen bei einer Notarin. Sie fragte nach und erklärte uns dann noch einiges. Unter anderem auch, dass der leibliche Sohn und dessen Mama auch gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Ich bin so froh, dass wir ein so gutes Verhältnis miteinander haben, dass wir uns dahingehend keine Gedanken machen müssen. Wir sind mit dem Sohn (12Jahre) ehrlich und offen ins Gespräch gegangen, was das überhaupt bedeutet. Welche Auswirkungen das für ihn hat. Er hat geweint, weil er sich so gefreut hat. Und auch die Mama von ihm spricht uns überhaupt nicht dagegen. Was für ein Glück wir haben. Das geht aber nur, wenn man sein Gegenüber wertschätzt und auch mit allem offen ins Gespräch geht. Das war anfangs auch nicht so. Mit der Zeit haben wir einen sehr guten Weg gefunden, miteinander und nicht gegeneinander umzugehen, sowohl im Sinne von Kind als auch für uns.

So sind wir nun heute alle bei unserer Notarin und werden die Anträge für das Gericht unterschreiben. Was für ein Tag. Es ist nur eine Unterschrift, aber eine ganz gewichtige Unterschrift. Werden wir bei Gericht einen Erfolg erzielen können? Wie lange dauert es bis das die Verhandlungen beginnen? Was wird der Erzeuger oder anders mein Ex-Mann dazu sagen? Wie wird er reagieren? Soviel steht fest: er wird angehört werden, und er muss nicht zustimmen, da aber alle über 18 sind, hat die Nichtzustimmung keine große Auswirkung für ihn. Das könnte ihn wiederum unberechenbar machen. Das ist meine größte Angst. Dies hält uns aber nicht davon ab, den Schritt zu gehen und die Unterschrift hier und heute darunter zusetzen. Danach werden wir zusammen essen gehen und schauen wie es in uns aussieht. Ich berichte euch weiter davon .

Habt es gut ihr Lieben und geht wertschätzend miteinander um!

Wenn Arbeit Spaß macht- oder Arbeiten sollte Spaß machen

Wir gehen jeden Tag unsere 8-10 Std arbeiten. Mancher mehr, Andere weniger, aber im allgemeinen verbringen wir den Großteil unseres Lebens an unserem Arbeitsplatz. Mancher in seinem Traumberuf, manche arbeiten um einfach Geld zu haben und nicht abhängig zu sein von Vater Staat.

Nicht jeder von uns kann sagen, dass man arbeiten geht und dabei rundum zufrieden ist. Wir haben in unserer Familie schon alles durch. Ich selbst habe einen Beruf erlernt, den ich quasi von meiner Mutter vorgesagt bekommen habe. Damals hat man sich um die Berufsvielfalt nicht so viele Gedanken gemacht. Friseur, Verkauf, Krankenschwester, Hauswirtschaft oder Hotel- und Gaststättengewerbe waren für Frauen so die gängigsten Berufe. Heute käme für mich davon nicht mehr viel bis gar nichts in Frage, denn ich habe meinen Weg als Integrationskraft gefunden. Es macht mir Spaß und ich stehe dabei voll im Beruf drin. Immer wieder neue Ideen mit einzubringen und die Menschen auf einen guten Weg zu begleiten, macht mir mehr als nur Freude. Als ich anfing als Integrationskraft zu arbeiten, hatte ich einen relativ guten aber schweren Start. Das ging so weit, dass ich hinterher krank wurde, aber nicht weil es nicht mein Beruf war, sondern weil die Rahmenbedingungen meiner Firma mich krank machten. Ich ging damit überhaupt nicht konform. Einige Zeit habe ich versucht, meinen Standpunkt, der nicht nur meiner alleine war, klar zu machen. Leider war der Chefin ihr Ding wichtiger und es war hinterher unerträglich- ja es grenzte schon an Mobbing. Ich war bereit eine Arbeitslosensperre hinzunehmen und selbst zu kündigen. Es gab dann andere Möglichkeiten aus der Firma raus zu kommen und sehr schnell in einem neuem Unternehmen Fuß zu fassen. Wenn die Seele krank wird, das Arbeitsklima nicht stimmt, das Aufstehen schwer fällt, die Launen unerträglich werden, dann fragt man sich wofür man das alles macht. Und dann macht Arbeiten keinen Spaß mehr. Mein Mann hat einige Stellen gewechselt. Auch dort stimmten oft die Rahmenbedingungen nicht mehr. Anfangs war alles okay und nach einer gewissen Zeit spielte sich der Alltag ein. In den meisten Fällen fehlte die Wertschätzung. Mein Mann ist ein echtes Malochertier. Wenn alles passt, kann er Leistungen erbringen, ohne den Beruf jemals in einer Ausbildung erlernt zu haben. Dann fragt er nicht nach einer halben Std länger und ist wissbegierig, Neues dazu zu lernen. Man findet heute nicht mehr viele Menschen, die so arbeiten können. Bei solchem Einsatz muss dann auch mal ein Lob bzw eine Wertschätzung da sein. Genau dieses erfährt er gerade. Lange habe ich meinen Mann nicht mehr so ausgeglichen und von einer inneren gute Laune gesehen, wie es gerade der Fall ist.

Meinen Kindern habe ich selbst die Wahl gelassen, was sie lernen möchten. In den Schulen gibt es heute gute Vorbereitungen und Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich eines möglichen Berufsfeldes. Ich war nicht immer konform, mit dem was meine Kinder sich raussuchten, aber sie mussten ihre Erfahrungen machen. Bis heute ist nicht jede Erfahrung davon wünschenswert. Aber es ist so wie es ist. Ich hatte es im Gefühl, als mein Kind sich für die Ausbildung zum Gartenlandschaftsgärtner entschied, dass es nicht sein Beruf sein wird. Aber ich konnte nichts dagegen tun. Er wollte es und es schien für ihn sein Weg zu sein. Kurz vor der Zwischenprüfung, kam dann alles ins Rollen. Trotz mehrerer Gespräche mit dem Chef, war es dann passiert: Abbruch der Ausbildung. Und nicht das dies alles war. Es folgte ganz viel Pech mit neuen Azubistellen und den dazugehörigen Vorstellungsgesprächen. Oft haben wir uns anhören müssen, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn er die erste Ausbildung zu Ende gemacht hätte. Ganz ehrlich: was hätte er davon gehabt? Richtig, evt eine abgeschlossene Ausbildung. Ehrlich jetzt? Vorausgesetzt er hätte die Prüfung überhaupt geschafft, was macht er mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem Beruf wo er nie mehr arbeiten gehen wird? Grundsätzlich kann man da geteilter Meinung sein und ich möchte es auch nicht bis ins Detail ausdiskutieren. Fakt ist, das Kind war nicht glücklich. Gut, auch heute steht er beruflich nicht da, wo er gerne hin möchte- der Weg ist steil und steinig. Sehr steil und sehr steinig. Von Herzen wünschen wir unserem Kind, dass es bald angekommen ist, wo es glücklich ist. Uns bleibt nur, ihm den Rücken zu stärken.

Mit Arbeit verdienen wir uns unser tägliches Brot, ermöglichen uns das Leben in dem uns gegebenen Rahmen und evt auch den ein oder anderen Luxus. Ist es da zuviel verlangt, das man sich wohl fühlt auf der Arbeit? Ist es zuviel verlangt für gute Arbeit eine angemessene Wertschätzung zu erhalten? Ich finde nicht. Arbeit soll Spaß machen. Jeder hat diesen einen Tag, an dem man sich lieber im Bett nochmal umdrehen möchte, oder gerne einen Tag frei hätte und die Lust einfach irgendwo gerade liegen geblieben ist. Aber im Grunde sollte man gerne zur Arbeit gehen. Jeder sollte für sich abschätzen, was und wieviel er leisten kann. Mir ist auch bewusst, das die Realität heute ganz anders aussieht und nicht alles passt. Mobbing am Arbeitsplatz, unwürdiges Umgehen mit Angestellten und nicht angemessene Zahlungen für gut erbrachte Leistungen, lassen den Spaß am Arbeiten ganz sicher auf der Strecke.

Ich wünsche jedem von Euch, dass ihr den Spaß an der Arbeit nicht verliert, die Rahmenbedingungen stimmen und ihr ein wenig Erfüllung in eurem Beruf findet.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 3

An dieser Stelle möchte ich mal etwas Werbung betreiben. Werbung für einen Verein, der sich für ( ehemalige) krebskranke Menschen und deren Angehörige einsetzt., denn auch das ist ein Gesicht. Ich möchte vorab dazu sagen, dass es sicherlich nicht der einzigste Verein ist, aber dieser liegt mir und vielen anderen ganz besonders am Herzen. Dieser Verein nennt sich Flügelbruch e.V. . Er wurde vor zwei Jahren in Hanau von Diana Witt gegründet. Sie möchte mit Erlebnissen, Wunscherfüllungen, gemeinsamen Ausflügen, finanzieller Unterstützung, Gruppentreffen, … den Flügellahmen unter die Flügel greifen. Wenn die Krankheit erst da ist, ist nichts mehr so wie es vorher war. Oft fällt man in ein tiefes Loch. Flügelbruch will helfen die gewonnene Zeit bzw die Zeit die noch bleibt mit besonderen Momenten zu füllen. Events, ein Fotoshooting, ein Wellnesstrip für die Seele, ein Friseurtermin, ein Kinoabend, etc… sollen für die Patienten und deren Angehörigen zu einem Erlebnis werden.

Was könnt ihr und ich tun?

-Mitglied werden bei Flügelbruch e.V. ( den Link dazu schreibe ich unten drunter) Der Mitgliedsbeitrag beträgt 24€ im Jahr – für Patienten sogar nur 12€ – verschenkt Gutscheine für besondere Events – spendet unter der Kontonummer, die ihr auf der Internetseite findet – seid kreativ und lasst euch was einfallen, womit ihr glaubt den Verein unterstützen zu können – erwerbt die tollen Armbänder, T-shirts, Hoodies oder Turnbeutel ( auch auf der Internetseite zu finden) – macht einen Spendenaufruf auf eurer eigenen Party

Ich bin wirklich niemand, der anderen etwas aufs Auge drücken möchte. Jeder soll selbst entscheiden wie und wo und ob er sich für gemeinnützige Vereine einsetzen möchte. Es gibt sicherlich viele Vereine oder Menschen, die Nächstenliebe in der Form betreiben. Und jeder von diesen Menschen hat das Recht, das dies gewürdigt wird. Habt herzlichen Dank all ihr guten Menschen da draußen. Ich tu dies für diesen Verein und möchte euch ermuntern es auch zu tun. Klickt euch ein unter fluegelbruch.de, schaut euch auf der Seite um und lasst euch inspirieren.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 2

1Woche später:

Inzwischen ereilte uns schon wieder aus dem Freundeskreis eine Nachricht, die mit Krebs zu tun hat. Es ist auch nich nicht lange her, dass seine Frau eine heftige Op im Gesicht hatte, weil ein Melanom bösartig war und nun muss auch er nochmal unters Messer um ein Melanom entfernen zu lassen. Es war Gott sei Dank rechtzeitig und hat nicht gestreut. Und im Moment gehen die Gedanken zu meinem Schwiegerpapa, bei dem es auch schon eine Op gegeben hat, wo es dankbarer weise positiv ausging. Aber Leute jetzt mal ernsthaft: ist das noch normal? Wo soll man mit all dieser Gefühlswelt denn hin? Wieder stehe ich vor der Familie und möchte Ihnen gar nicht sagen, dass es eine neue Diagnose gibt. Es ist zu viel des Guten. Und dennoch geht das Leben weiter. Mir begegnete vor kurzem ein Satz, den eine liebe Freundin von ihrem Psychonkologen bekommen hat: Du darfst Mitleid haben aber nicht mitleiden! Den Satz finde ich super und werde ihn mir hinter die Ohren schreiben. Aber einfach ist es nicht.

Für mich ist auch wichtig, nicht nur den Krebspatienten selber Unterstützung und Rückhalt zu geben. Sondern mir sind auch die Partner, Kinder und Eltern wichtig. Jeder einzelne von ihnen lebt in dieser Krankheit mit. Man kann den Schmerz, die Behandlungen und Gedanken des Patienten nicht abnehmen und das kann zermürben. Auch sie wenden Kraft auf um seinem Partner/in Mama/Papa beizustehen. Auch sie haben ihre Gedanken und Ängste. Und auch sie brauchen den Rückhalt und empathische Menschen um sich. Zuhören ist mit das Wichtigste, was man verschenken kann und somit Unterstützung bietet. Es müssen nicht immer Worte sein, die man als Antwort parat hat. Ein offenes Ohr und eine Handreichung sind soviel mehr wert! Nehmt euch die Zeit- wer weiß wie lange sie uns allen bleibt! Gebt acht auf euch und geht sorgsam mit euch um.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich über die gemeine Krankheit Krebs überhaupt schreiben möchte. Es gibt so viele Blogger, die aufgrund ihrer Krebserkrankung davon berichten und ihre Gefühle, Sorgen und Ängste, aber auch den Krankheitsverlauf niederschreiben. Warum sollte ich also auch davon schreiben, zumal ich selbst- Gott sei Dank- diesem Krebs nicht täglich die Kämpferfront bieten muss? Dennoch setze ich mich täglich mit dieser Krankheit auseinander. Jeden vedammten Tag!!! Mal kämpferisch, mal sentimental, mal empathisch. Wie ist das möglich? Meine Sis ( meine Follower wissen wovon ich rede) ist daran erkrankt, mein Daddy und eine enge Freundin ebenfalls. Und eigentlich hört man wöchentlich von irgendjemanden, der daran erkrankt ist. Auch ich folge dem ein oder anderen Blogger, die davon berichten. Schaut mal rein bei der lieben Mairose42.de oder bei der lieben Prinzessin_uffm_bersch.de oder bei weg_ins_leben_2.0.de, die sogar ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. „ Rock den Himmel mein Held“- ein sehr lesenswertes Buch, was schonungslos erzählt, was erlebt wurde. Das sind nur einige wenige Menschen, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen müssen.

Ich aber möchte euch davon erzählen, wie ich damit umgehe und was in mir vorgeht. Als ich damals die Nachricht von meiner Sis erhielt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, hatte man schon das Gefühl, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Und das tut es eigentlich auch mit jeder neuen Diagnose, die negativ ausfällt. Dieses Hoffen und Bangen, dieses Wechselbad der Gefühle macht soviel mit einem, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Schließlich setze ich mich ja auch nicht alleine damit auseinander. Meine Familie trägt es genauso mit. Wie sage ich es diesmal meinem Mann und den Kindern? Es ist ja nicht so, als ob es das erste mal wäre, dass wir solche Nachrichten bekommen, von Menschen, die tief in unserem Herzen verwurzelt sind.

Ich bin ein überaus optimistisch denkender Mensch und glaube und hoffe immer und immer wieder, dass sich alles zum positiven wendet. Aber was bitte ist daran positiv, wenn man „nicht heilbar“ hört? Nichts, rein gar nichts! Und dennoch weiß ich, das meine Sis alles, verdammt nochmal alles daran setzt, diesen Prozess so weit wie möglich zu verschieben. Und ich versuche alles, aber wirklich alles zu tun, damit sie sich darin unterstützt fühlt. Ich höre ihr zu, wir lachen, weinen, reden, feiern und schweigen zusammen. Es ergibt sich von selbst, was gerade an Gefühlen seinen freien Lauf braucht und wie wir es gemeinsam handhaben. Dabei bedarf es keiner Worte. Wir wohnen einige 100km auseinander, aber die Termine für jede neue Untersuchung trage ich mit. Wenn sie nach Köln in die Klinik muss, versuche ich diese Termine mit wahrzunehmen. Es ist ca die halbe Strecke zwischen uns. Und all die anderen Termine trage ich gedanklich mit. Es gibt Tage , da kann ich da sehr gut mit umgehen. Manchmal ist es ein Gefühl, als ob da gar keine Emotionen sind, ich fühle so nichts, so leer, so als wenn da garnichts ist außer ein gewöhnlicher Termin. Als wenn es schon zum täglichen Ablauf dazu gehört. Dann gibt es Situationen, die mache ich mit tiefem Herzen, weil ich nicht weiß, wie oft kann ich sie noch mit ihr erleben. Wie einen Sog nehme ich es mit, wenn wir gemeinsam ein Konzert besuchen. Im Leben, wo diese Krankheit nicht mitspielen würde, gäb es mit Sicherheit das ein oder andere Mal, wo ich aus finanzieller Sicht absagen würde. Jetzt aber nicht, weil die Zeit eine gewichtige Rolle spielt und ich zu 100% weiß, dass ich ihr nichts abschlagen kann. Es ist ihr verdammtes Leben. Natürlich weiß ich auch nicht, ob ich morgen, übermorgen noch lebe, weil ein Idiot auf der Straße nicht aufpasst, aber das kann ich nicht planen. Aber uns die Zeit geben, die wir haben und erleben möchten, dass kann ich planen. Mit ihr einfach nur da sitzen und ihr zuhören, ihr die Hand zu reichen und den Rücken stärken, damit die Kraft nicht ausgeht, ist mit das Wichtigste, was ich ihr geben kann. Genauso wichtig wie das Lachen über irgendwelche alberne Dinge. Und wehe wir werden losgelassen. Jeder weiß, wie wir zwei Lachen können! Ich möchte die Hälfte Lache , die zu mir gehört nicht vermissen. Ich brauch sie, genauso wie ein anderer die Luft zum Atmen braucht. Und doch weiß ich, dass es vergänglich ist. Und dann kommt diese Wut manchmal in mir hoch. Nur manchmal, aber wenn sie kommt, dann macht sie mich machtlos!

Ehe- Familie- Partnerschaft

Das Erste das der Mensch im Leben vorfindet,

das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,

das Kostbarste, was er im Leben besitzt,

ist die FAMILIE !

Ein für mich sehr wichtiges Thema, weil ich ohne dem nicht existieren könnte. Es würde das Lebendige in meinem Leben fehlen.

Wer meine Blogs zuvor gelesen hat, weiß, dass ich selber in einer großen Familie aufgewachsen bin. Wenngleich auch die Familie in der ich aufwuchs nicht immer die Familie war, wie man es sich gewünscht hätte. Mir fehlte schon sehr früh die nötige Geborgenheit, der nötige Rückhalt und auch manches mal die nötige Liebe. Mit den Jahren gewinnt man einen gewissen Abstand zu den erlebten Dingen und reflektiert sie auch anders. Meine Mutter gehörte zu der Generation, in der man nie viel über persönliche Gedanken und Gefühle oder gar über Probleme des Alltags, großartig gesprochen hat. Vieles war dann eben einfach so und man hatte es zu akzeptieren. Ein „Ja aber…“ brauchte man gar nicht erst anbringen. Nun war meine Mutter ja auch frühzeitig allein erziehend mit 4 Kindern und ich glaube, dass auch sie nicht immer den nötigen Rückhalt hatte. Dennoch hätte ich mir bei gravierenden Problemen mehr Mutter gewünscht. Oft kam der Eindruck bei mir an, dass man mich besser nicht mehr zu Hause hat und somit meine Schwester, die die Jüngste von uns war, das Kind war, was gerne betüdelt wurde. Dadurch kam auch viel Neid und Missgunst unter uns Schwestern auf. Wir waren uns sehr lange nicht grün und es gab oft Streit. Zu meinen Brüdern hatte ich eigentlich immer ein recht gutes Verhältnis. Mein älterer Bruder übernahm lange die Vaterrolle und genau als solches wurde er auch lange unbewusst angesehen. Man blickte immer zu ihm auf, ungeahndet dessen, das auch er sich nicht immer in dieser Rolle wohl fühlte und durch sein Leben längst schon sehr selbstständig ging. Immerhin ist er neun Jahre älter als ich. Der jüngere Bruder meisterte sein Leben, indem er oft mit ganz viel Glück und Geschick aus den tiefsten Miseren, die sein Leben so parat hielt, wieder heraus kam. Für mich war er oft das kleine Schlitzohr mit Charme. Immer wieder hatte er ein wenig Blödsinn im Kopf, den ich auch in unserer Kindheit manches mal mit ihm geteilt habe und mir dann sinnbildlich vor Lachen in die Hose gemacht habe. Aber eines hatten wir alle gemeinsam: lange Zeit und teilweise auch heute noch, hat niemand über seine wirkliche Gefühle, Sorgen oder Erlebten gesprochen. Vieles, vieles wurde verschwiegen und nicht mal ansatzweise darüber geredet. Aus Angst? Weil man nicht zugeben wollte, das einen etwas belastet oder man die Dinge einfach anders sieht? Aus Sorge, es könnte wieder Streit geben? Ich weiß es nicht. Und wenn mich heute jemand nach meinen Geschwistern fragt, dann kann ich sagen, das ich zu Allen guten Kontakt habe, aber ich möchte ganz vorsichtig behaupten, das ich noch zu wenig weiß. Jeder hat inzwischen seine eigene Familie mit Kindern und wir wohnen recht verteilt in Deutschland, vom Norden bis zum Süden, wobei wir Schwestern uns in der Mitte Deutschlands aufhalten. Wir wohnen quasi im gleichen Ort, was es leichter macht, sich auszutauschen. Das war Anfangs auch nicht in der Form gegeben, wie es heute ist. Aber ich kann eins ganz sicher sagen, wenn irgendetwas wäre, womit wir Geschwister uns helfen könnten, dann würden wir es tun. Wir sind das einzigste, was aus dieser Familie übrig geblieben ist. Ich kenne keine Tanten oder Onkel, Oma und Opa waren nach dem Tod von meinem Vater nicht mehr greifbar und wieviele Tanten oder Onkel es überhaupt gab, ist mir nicht bekannt. Auch von dem damaligen Freundeskreis unserer Familie ist nicht viel übrig geblieben. Wir haben uns alle zurück gezogen, teils auch durch berufliche Gründe. Weihnachten wurde so lange wie es ging immer zusammen gefeiert und auch bei runden Geburtstagen unserer Mutter hat sich unsere Familie zusammen gefunden. Dennoch hätte ich nie das Gefühl, das wir eine innig liebende Familie sind. Ich empfand es eher als Getue vor den ach so tollen „Freunden“ unserer Mutter. Heute verbindet mich mit dem Ort, was ein Heimatort sein sollte, irgendwie nichts mehr.

Ein wenig anders erging es mir mit der Familie meiner allerbesten Freundin/Sis, die quasi zu meiner Pflegefamilie wurde. Es war keine Pflegefamilie, wie man es typisch kennt- ein Kind wird angenommen oder adoptiert. Ich war immer die Freundin ihrer Tochter und irgendwie doch ein zweites Kind. In der gemeinsamen Schulzeit war ich oft am Wochenende bei ihr und so entstand mit den Jahren eine enge Bindung. Da lernte man, was es heißt zusammen zu halten und für den anderen da zu sein. In dieser Familie gab es Schicksalsschläge ohne Ende, meist durch die beschissene Krankheit dem Krebs. Der Papa war Frührentner, bedingt durch einen Bandscheibenvorfall. Der Krebs hält bis heute Einzug, als wenn er dort Miete zahlen würde, quer durch die ganze Generation. Das Kind meiner Sis war als Baby schwer krank, bis man die Ursache fand und es sich als Zöliakil herausstellte. Immer und immer wieder gab es auch da neue Hürde zu bewältigen. Vielleicht ist das der Punkt, warum man da Familie einfach anders lebt und erlebt. Es wird geredet, gelacht, geweint, wie in jeder anderen Familie auch. Aber der Zusammenhalt ist ein anderer. Er unterscheidet sich massiv von vielen anderen Familien. Jeder weiß alles alles über den anderen. Man redet offen und auch wenn man nicht einer Meinung ist- was selten vorkommt- stärkt man sich den Rücken. Familie gleichzustellen mit Heimat.

Eine sehr große Familie lernte ich durch meinen ersten Mann kennen. Mein Exmann wuchs mit 8 Geschwistern auf. Die Eltern besaßen früher eine Gastronomie und auch dort gab es ein Krankheitsbild, was sich durch die männliche Generation hindurchzog, die Diabetes. Der Vater musste gepflegt werden, da seine Beine amputiert wurden. Er lebte aber auch nicht nach Anweisungen der Ärzte. In dieser Familie gab es nicht den Funken an Herzlichkeit und Liebe. Alles war so alltäglich und jeder Tag wurde eben als „wieder ein Tag gelebt“ gewertet. In dem Verhalten von meinem Exmann merkte man sehr schnell, was alles schief gelaufen war in seiner Kindheit. Von den Erzählungen seiner Geschwister weiß ich, das es ihn wohl am Schlimmsten getroffen hatte. Ich glaubte immer, das ich mit dem nötigen Verständnis und der Liebe zu ihm, ihm zeigen könnte, dass es auch anders geht. Selbst mit einer Therapie, die eigentlich unsere Ehe retten sollte, war kein Durchkommen möglich. Seine Geschwister leben alle verteilt und nur die wenigsten von ihnen haben regelmäßig Kontakt zueinander. Wir selbst haben einen guten Kontakt zu einem Bruder von ihm, da er der Patenonkel von meinem Sohn ist und meiner Meinung nach der Einzigste ist aus der Familie, der den Absprung geschafft hat. Ich persönlich finde es sehr schade, dass in einer so großen Familie kein Zusammenhalt besteht. Die Eltern leben nicht mehr, jeder geht seinen Weg und nur ganz wenige wissen, wie es dem anderen geht. Sehr traurig.

Aber mit diesem Mann entstand meine eigene Familie. Wir heirateten recht schnell- wahrscheinlich zu schnell. Wir bekamen Kinder, gingen arbeiten, und lebten quasi so wie viele andere auch. Unsere Kinder liebten wir. Jeder auf seine Weise. Erst sehr spät erkannte ich, das ich nicht liebte, sondern funktionierte. Wir hatten viel zu kämpfen, oft in finanzieller Hinsicht. Das raubte Kraft und machte unseren Alltag bald zu einem eintönigen Alltag. Wo ich nie dran gespart habe, wenn es um Taufen, Kindergeburtstage, Kommunionen oder andere Familienfeste ging. Unermüdlich habe ich alles bis ins kleinste Detail geplant und dabei immer aus dem geschöpft, was mir möglich war oder ich einfach zu Hause hatte. An diese Feiern sollten meine Kinder sich lange erinnern und unsere Gäste sollten sich wohlfühlen. Unsere Kinder hatten nie übermäßig viel, aber soviel, das es Ihnen gut ging. Alles, was mir in meiner Kindheit fehlte, wollte ich meinen Kindern geben: Verständnis, Liebe, Rückhalt, offene Gespräche. Sie hatten es nicht immer einfach in der Schulzeit. Mobbing kam immer wieder stärker durch, aber ich stand wie ein Baum hinter meinen Kindern. Leider konnte ich das von dem Vater der Kinder nicht behaupten. Er tat vieles als lapidar ab. Da war sie wieder – seine Vergangenheit. Ich schaffte es nicht, ihn davon zu überzeugen, dass das was er erlebt hatte, bitte nicht auch an die Kinder weiterzugeben. Es saß zu tief in ihm drin. Das war der gravierendste Punkt, der unsere Trennung einläutete. Ich kam an seinen sturen Kopf nicht ran. Selbst nach der räumlichen Trennung hoffte ich, dass er sich wenigstens dann liebevoll um seine Kinder kümmert. Er war verbittert bis heute noch. Also blieb die Aufgabe bei mir, den Kindern ein Stück Heimat in der Familie zu bieten. Ich habe es gerne gemacht und ich glaube auch, dass es mir gelungen ist. Zusammenhalt, Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit waren mir so wichtig meinen Kindern mitzugeben. Nicht das Materielle war wichtig, um das wir aber oft kämpfen mussten. Natürlich hat nicht alles sofort funktioniert. Jeder musste ja auch erstmal seine Erfahrungen sammeln und es gab auch mal richtig hitzige Diskussionen mit Tränen verbunden. Aber mit Gewissheit kann ich sagen, das wir zusammenhalten und uns den Rücken stärken. Niemand wird alleine gelassen.

Und plötzlich kam da noch eine ganz neue Familie auf uns zu. Nach längerem Alleinsein, sollte ich das Glück haben, erneut einen Mann an meiner/ unserer Seite zu haben. Familie gründen war in unserem Fall schon geschehen. Mein Mann hatte ein Kind und ich stand auch mit den 4 Kindern mitten im Familienleben. Aber dennoch brachte mein Mann etwas mit, was uns als Familie erst komplett machte. Und ich rede davon nicht ausschließlich in seiner Funktion als Mann, sondern eher als Vater und Partner, später als Ehemann. Mein Mann eroberte die Herzen der Kinder im Sturm. Er hat ein Händchen für Kinder. Alles machte er mit, die schwierige Zeit der Pubertät,Unterstützung in der Entwicklung der Kinder, egal ob in der Schule oder bei den Hobbies. Hierbei ging es um grundlegende Dinge, die ich als Mutter den Kindern gar nicht bieten konnte. Für einiges gehört halt eben eine männliche Person an den Start. Eine Mutter kann ganz viel, aber einen Vater kann sie eben auch nicht in allen Dingen ersetzen und wenn es dabei nur um eine Rasur der ersten Barthaare geht. In manchen Gesprächen, insbesondere in der Pubertät, kann eben auch nur ein Papa verstehen, was in den Männern vorgeht. Nicht immer ist bei uns Friede, Freude, Eierkuchen und nicht immer herrscht hier gute Laune. Aber ich muss diese Alltagssituationen auch nicht mehr alleine bewältigen. Ich habe jemanden an meiner Seite mit dem ich mich austauschen kann, wo ich mal was abgeben kann, mich anlehnen kann und wir uns den Alltag in einer Familie teilen können. Nicht auch nur einen einzigen Augenblick muss ich das in Frage stellen, von Beginn an nicht. Ich möchte nicht behaupten, das wir eine Vorzeigefamilie sind, aber ich behaupte, das wir Familie leben mit allem was dazu gehört: Liebe, Streit, schlechter und guter Laune, Vertrauen, Respekt, Verständnis, Meinungsverschiedenheiten, Gespräche, Arbeiten, Leben leben. Ich bin so dankbar, das ich Familie leben kann.

Auch mein Mann hat natürlich eine Familie mitgebracht. Er selbst wuchs mit drei Schwestern auch in einem ländlichen Dorf auf. Es ist eine große Familie, weil es viel Verwandtschaft gibt. Jeder ist mit Jedem irgendwie verwandt. Die Eltern und seine Geschwister wohnen mit ihren Familien alle zusammen in einem Dorf, sind quasi auch Nachbarn. Mit Sicherheit hatten seine Eltern sich das anders vorgestellt, als ihr einziger Sohn mit einer vierköpfigen Familie um die Ecke kam. Aber sie akzeptierten es und für mich schien es wie ein Wunder zu sein. Wir mussten uns auch erst annähern, aber als der Bann gebrochen war, wir uns kennenlernten, glaubte ich manchmal nicht, das dies alles wahr ist. Sollte ich tatsächlich nochmal in eine „heile“ Familie einheiraten? Sollten die Kinder tatsächlich in den Genuss kommen, Oma und Opa haben zu können? Alles deutete darauf hin und mit der Hochzeit von mir und meinem Schatz, kamen dann auch so Sätze wie: du kannst alles zu mir sagen, Oma/ Opa oder uns beim Vornamen nennen, aber bitte bitte nicht Stiefoma/Opa! Bei Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten werden wir nie außen vor gelassen. Vielmehr gab es bei mir irgendwann einen Zeitpunkt, an dem ich wohl überfordert war. Ich kannte es nicht, dass man Aufgaben aufteilen kann, dass man nicht alles alleine organisieren muss, das man sich auch Hilfe und Ratschläge von anderen Familienmitgliedern einholen kann. Immer stand ich bis zu diesem Zeitpunkt alleine da und man kam ja gar nicht erst auf die Idee nachzufragen. Regelmäßige Treffen zu Geburtstagen oder einfach nur mal so, kannte ich in dem Ausmaß nicht. Ich finde das richtig gut, konnte dem aber irgendwie nicht standhalten. Ein Prozess, der mir bis heute schwer fällt. Wahrscheinlich kann man dies schwer nachvollziehen. Ich liebe sie Alle, aber eben anders als diese Familie es kennengelernt hat oder gewohnt ist. Auch hier würde niemand den anderen im Regen stehen lassen. Gerade in letzter Zeit gab es auch dort immer wieder Krankheiten bei den Familienmitgliedern, was betroffen macht. Manchmal wissen wir nicht, wo wir hin sollen mit all diesen Krankheitsgeschichten. Wir machen viel mit uns selber aus, aber eins steht fest: Blut ist dicker als Wasser und für mich ist Familie etwas ganz besonderes.

Familie zu haben, kann so unterschiedlich aussehen. Für jeden hat Familie auch eine andere Bedeutung, aber es nicht von der Hand zu weisen, das der Ursprung einer Familie bei jedem gleich ist. Haltet fest aneinander, und begegnet euch mit Respekt, Toleranz und haltet zueinander. Die Grundsteine werden in der Familie gelegt. Bei allen Familienarten, die ich alleine nur in Bezug auf meine Person betrachten kann, bin ich dankbar, das ich die Möglichkeit hatte, soviel Familie kennen zu lernen.


Freundschaft

Heute ist Tag der Freundschaft und als wenn es nicht schon längst in meinem Kopf gewesen wäre, möchte ich gerne ein paar Gedanken dazu hier lassen.

Was ist Freundschaft für uns, für dich, für jeden einzelnen von uns? Gibt es die wahre Freundschaft? Die bedingungslose Freundschaft? Gibt es eine Freundschaft, die wirklich alles aushält? In der man sich auch Dinge sagen darf, die man eigentlich nicht hören möchte? Gibt es eine Freundschaft in der Eifersucht, Geld, Wohlstand und Aussehen zweitrangig sind?

Ich möchte diese ganzen Fragen mit JA beantworten! Und ich kann sie aus tiefster Überzeugung mit JA beantworten, weil ich genau das erfahre und zu „ meinem Eigen“ nennen darf. Wer meinen letzten Blog verfolgt hat, weiß das ich in meiner Schulzeit die Freundin meines Lebens kennenlernen durfte. Es war ein Verstehen von Beginn an. Ich kann die Details heute nicht mehr benennen, warum es von Anfang so passte. Es gab nicht diesen einen Auslöser. Es war einfach da. Nach unserer gemeinsamen Schulzeit behielten wir weiterhin Kontakt, aber mit großen Lücken dazwischen, was sich nach zwei Jahren mit einem Wiedersehen aber ändern sollte. Bis heute sind wir eins, in Gedanken und in unserem Handeln. Sehr oft oder in den meisten Fällen sind wir zu 100% einer Meinung und wenn wir es nicht sind, dann reden wir darüber oder dürfen dem Anderen auch den Kopf waschen. Niemand ist dem Gegenüber dann böse, im Gegenteil, eher dankbar. Wieviele Briefe haben wir uns geschrieben- zig. Wieviele Telefonate haben wir geführt, Tags wie Nachts haben zusammen geredet, gelacht, geweint- unzählig. Wir wohnen gute 300 km auseinander, aber die gegenseitige Besuche lassen sich nicht mehr zählen. Die Zahl 300 ignorieren wir. Es vergeht kein Tag an dem wir nicht an den anderen denken oder mal kurz eine Nachricht versenden. Wir spüren auf die Entfernung hin, wenn es dem Anderen nicht gut geht. Nicht zu unrecht geben wir uns die liebevolle Bezeichnung „Sis“ , stellvertretend für die Seelenverwandtschaft – – Eines der vielen Briefe –

Natürlich gibt es auch andere Freundschaften, die mir genauso tief im Herzen liegen. In den letzten zwei Jahren haben sich Menschen zusammen gefunden, die sich gegenseitig stützen und Halt geben, mit denen wir gerne ein, zwei Bierchen oder mehr trinken, heißt wir feiern gerne zusammen. Wir lieben die Geselligkeit und das familiäre Verhältnis. Ja, genau du liest richtig- familiär. Aus Freundschaft kann Familie werden, wenn man es nur möchte. Auch da darf man seinen Tränen freien Lauf lassen, auch da lachen wir von Herzen gerne, auch da lässt man mal alles stehen und liegen um vor Ort zu sein und vor allen Dingen lassen wir den Anderen so wie er ist. Wir sind eine freundschaftliche, familiäre Gruppe von 10 Personen. Das klingt für den einen oder anderen vielleicht unglaublich, das man mit so vielen Menschen immer wieder die tiefe Freundschaft fühlt, aber es ist machbar, wenn es von Herzen kommt.

– ein äußeres Symbol unserer 10er Freundschaft-

In meinem Leben gab es auch Freundschaften, die sich hinterher nicht als Freundschaft herausstellten. Das tat weh, aber im Nachhinein weiß ich, das man genau diese Erfahrungen sammeln musste, um zu lernen, was mir an einer Freundschaft wichtig ist. Dafür bin ich genauso dankbar wie für die Freundschaften, die jeder wohl hat- die gute Freundin mit der man einen Kaffee trinken geht, mal shoppen geht, sich zum Geburtstag einlädt, usw. Auch diese Freundinnen sind mir sehr wichtig und sind Bestandteil meines Lebens. Im Laufe der Jahre haben sich Freundschaften heraus kristallisiert, die ich schon sehr lange hege und pflege. Man spricht nicht jeden Tag miteinander aber man weiß wo die Freundin zu finden ist. Man kann sich austauschen über Kindersorgen, berufliches und eben über Gott und die Welt. Auch von diesen Freundschaften möchte ich behaupten, dass wir uns nicht im Regen stehen lassen würde und wir auch immer ein offenes Ohr füreinander haben. Es gab schon so manche Situationen und Stationen in meinem Leben, wo ich nicht gewusst hätte, was ich ohne diese Freunde gemacht hätte. Dafür bin ich sehr dankbar und schätze es sehr. Meine Kinder besitzen alle den einen Freund oder die eine Freundin aus dem Kindergarten oder der Grundschulzeit. Das ist so wichtig und wertvoll und ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen, das diese Freundschaften bestehen bleiben.

Wie erhalte und pflege ich nun diese Freundschaften? Ganz wichtig finde ich in erster Linie, das man den anderen sein lässt wie er ist. Erst wenn ich erkannt habe, das Aussehen und Wohlstand nur äußerliche Faktoren eines Menschen sind, kann ich mich an den nächsten Schritt wagen. Begegne deiner Freundschaft mit Respekt. Der für mich zweite ganz wichtige Faktor ist, sich mit großer Empathie zu begegnen. Vorurteile oder vorschnelle Einschätzungen des Gegenüber sind da völlig fehl am Platz. Ich sage immer, dass es einen Grund dafür gibt, warum man so oder so handelt. Hör zu, was dein Gegenüber dir zu sagen hat. Und mit >>Hör zu<<, meine ich zuhören. Richtiges zuhören ist heute nicht mehr so einfach. Man lässt sich so wahnsinnig schnell ablenken. Zuhören heißt, nicht dazwischen reden, sondern nachfragen ob man es richtig verstanden hat, sich in die Situation des anderen reinversetzen! Hinter den Worten des Gegenüber nicht etwas rein interpretieren, was nicht da ist, sondern nachfragen: höre ich daraus, dass ….. ! Man muss nicht auf alles eine Antwort oder einen Rat haben.

Die Zeit ist auch ein Problem unserer heutigen Gesellschaft. Leider gehöre ich auch zu den Menschen, die davon immer sehr wenig hat. Nimm dir Zeit für deine Freundschaft um shoppen zu gehen, Kaffee zu trinken, ein gemeinsames Hobby zu erleben, oder was auch immer. Nichts und niemand wird uns die Zeit zurück geben. Was gewesen ist, war gestern, vorgestern, letzten Monat oder noch weiter zurück. Nichts und niemand holt sie uns zurück.

Bedingungslos hinter der Freundschaft zu stehen ist der größte Schatz für deine Freundin oder deinem Freund! Oft werden Freundschaften auf die Probe gestellt durch Schicksalsschläge. Da kristallisiert sich dann heraus, was eine wahre, bedingungslose, respektvolle Freundschaft ist. Wenn ihr so etwas in Eurem Leben besitzt, umfasst es nicht nur mit beiden Händen, sondern behütet es wie einen wahren Schatz. Es ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Jedem Menschen auf diesem Erdball wünsche ich mindestens eine dieser wahren Freundschaften.

Habt euch lieb, respektiert euch, hört euch zu und genießt die Zeit❣️

Über Mich

Ich bin 52 Jahre alt und lebe in einer wunderbaren Patchworkfamilie mit 5 Kindern seid 23 Jahren auf einem ländlichen Dorf.

Schon als Kind wohnte ich auf einem Dorf mit meinen drei Geschwistern, zwei Brüder und einer Schwester und ich war die zweitälteste. Mit 9 Jahren verlor ich meinen leiblichen Vater durch seinen Suizid. Ab da war für mich nichts mehr normal auch wenn ich das nicht alles auf den Verlust beziehe. Mit meiner leiblichen Mutter hatte ich kein gutes Verhältnis und je weiter ich von zu Hause weg war, umso besser ging es mir. Somit kam es mir gelegen, das ich schon mit 14 in ein weit entferntes Internat zur Schule ging. Dort lernte ich die Freundin meines Lebens kennen. Wir versprachen uns als Trauzeugen, Patentante der Kinder und wollten zusammen alt werden. Bis heute ist alles davon eingetreten, mehr noch, es ist meine seelenverwandte Schwester und ihre Eltern wurden zu meinen Pflegeeltern. Der Halt in meinem Leben damals und heute neben meinem jetzigen Mann und den Kindern.

Nach einigen Stationen begann ich eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Ein Beruf, den meine leibliche Mutter für mich ausgesucht hatte in einem Betrieb unter „streng katholischem“ Regiment- dem Opus Dei. Zunächst schien es gesittet abzulaufen, alles andere stellte sich später anders raus. Gestärkt durch die Familie meiner seelenverwandten Schwester konnte ich mich dem lösen und fand meinen neuen heutigen Heimatort. Im Jahr 91 lernte ich dann meinen ersten Mann kennen und wir heirateten im darauffolgenden Jahr und sollten auch bald unser erstes Kind in den Händen halten. Ein weiteres Kind folgte zwei Jahre später, das dritte Kind drei Jahre später und wie sollte es anders sein , das vierte Kind vier Jahre später. Zu dem Zeitpunkt kriselte es in unserer Ehe schon an vielen Ecken. Lange habe ich alles erdenklich mögliche getan um die Ehe zu retten. Schließlich hatte ich einmal Ja gesagt für gute und schlechte Zeiten und da war auch die Verantwortung für die Kinder. Aber genau das war der Grund, warum ich mich gegen die Ehe entschied. Meine Kinder wären daran kaputt gegangen. Nachdem ich 3 Jahre mit meinen Kindern das Leben alleine meisterte und mich wunderbar gefühlt habe, sollte sich bald der Mann meines Lebens vorstellen. Ich sagte immer: „ Wenn ein gut aussehender junger Mann in der Blüte seines Lebens alles haben könnte und eine Familie gründen könnte, ganz von vorne, aber mich Frau mit vier Kindern nimmt, dann muss man dieses Glück mit beiden Händen festhalten.“ Gesagt getan! Auch mein Mann hat einen Sohn, zudem es einen intensiven Kontakt gibt- auch zu der Kindsmama. Nach 3 Jahren des Zusammenseins heirateten wir und was Besseres hätte mir wirklich nicht passieren können. Auch die Kinder sehen das so, denn sie möchten sich von meinem Mann adoptieren lassen. Glückwunsch- alles richtig gemacht!

Beruflich habe ich zwischenzeitlich viele Jobs gemacht, angefangen als Reinigungskraft und Haushaltshilfe, arbeitet ich einige Jahre in einer Bäckereifiliale. Diese Filiale würde dann aufgelöst und ich begann bei einem Schulcatering, die dafür sorgten, das es in den Pausen leckere Snacks, belegte Brötchen und gutes Mittagessen gab. Schnell hatte ich in einer Schule dann die Teamleitung übernommen und bald darauf bekam ich junge Menschen in mein Team, die integrativ begleitet werden mussten. Nebenbei arbeitete ich dann noch für einige Stunden im Ganztag an der selben Schule. Sehr lange hat mich diese Art der Arbeit erfüllt bis ich merkte, das ich daraus noch mehr machen kann. Es dauerte nicht lange und ich übernahm die amtliche Betreuung von dem jungen Mädchen in meinem Betrieb. Das war aber nur der erste Schritt. Immer mehr interessierte ich mich für die Menschen dahinter. Ich wollte die Kinder nicht mit Nahrung versorgen, sondern mit Herzwärme und Seelenfutter. Somit begann ich ein Fernstudium zur psychologischen Beraterin und beendete dies vor zwei Jahren. Ein Berufswechsel stand an und was da lag da näher als mit Kindern zu arbeiten. Jetzt bin ich als Integrationsfachkraft tätig und das gibt mir soviel. Viele zusätzliche Seminare habe ich absolviert und ganz liebe Menschen kennengelernt.

Alles in allem kann ich mich nicht beklagen, auch wenn es nach wie vor immer wieder kleine und größere Hürden zu überwinden gibt. Aber Aufgeben war nie mein Motto, auch wenn ich manches mal müde wurde und auch in depressive Phase gerutscht bin. Manches Loch war schon sehr tief und dunkel, aber ich war und bin schon immer ein optimistischer und lebenslustiger Mensch gewesen. Ich liebe es mit meiner Familie zusammen zu sein, mich mit Freunden zu treffen und zu feiern. Eines meiner größten Leidenschaft ist das Schützenfest. Auch wir waren schon Königspaar und haben es genossen. Ich lese gerne, gehe gerne und viel spazieren und wandern, besonders im Wald. Ich liebe unsere Tiere, zwei Katzen und einen Hund. Und glaubt mir, ich hatte mal richtig Angst vor Hunden.

Zu vielen Dingen „Über Mich“ werde ich detailliert noch im Blog schreiben. Auch über das, was mich und meine Familie am meisten derzeit beschäftigt und uns momentan viel abverlangt: eine der beschissensten Krankheiten überhaupt- der Krebs!!! Leider ist meine Sis , so nenne ich meine seelenverwandte Schwester, davon betroffen und eigentlich die ganze Familie. Wir hätte das nicht gebraucht um zu beweisen, dass das Band der Liebe zwischen uns niemals gebrochen wird. Es ist alles nicht erklärbar und auch nicht zu verstehen, aber wir lernen damit umzugehen, so gut es uns möglich ist, denn nur so kann man damit umgehen. Wir stützen uns und wir leben einfach weiter!! Weil es so wichtig ist!!!

So viel „Über Mich“ geschrieben. In der Hilfsbanderole stand: Erzähle ein wenig über dich. Ein wenig- das ist mir ja gut gelungen- räusper ! Danke für Jeden, der es bis zu Ende gelesen hat.