Glück & Zeit

Das Glück nimmt sich mehr Zeit für uns, wenn wir ihm mehr Zeit geben

Ist unser Glück abhängig von dem Fund eines vierblättrigen Kleeblatts? Oder ist es mehr Glück, sich die Zeit genommen zu haben, um diese Schönheit der Natur entdeckt zu haben?

Zeit, ein dehnbarer Begriff. Dehnbar nach hinten und nach Vorne hinaus. Wofür habe ich mir die Zeit genommen und wofür vertrödelt? Wofür werde ich mir Zeit nehmen und wofür werde ich keine Zeit mehr verschwenden?

Ich persönlich befinde mich gerade in einer Zeit, wo mir vieles unter den Fingern juckt und machen möchte, ich mich aber selbst ausbremse. Ich verschwende häufig Zeit, in der ich so viel anderes tun könnte, aber mir die Zeit unter den Fingern wegrennt und ich mich am Ende des Tages frage, was ich eigentlich produktives getan habe?

Hat die Zeit etwas mit Glück zu tun? Ich denke schon. Wenn ich mir die Zeit nehme für mich selbst, für meine Mitmenschen, für Projekte, die ich starten möchte, für kleine Auszeiten, für meine Gesundheit, und für all die Dinge, die mir am Herzen liegen, kann ich hinterher glücklich sein. Glücklich sein darüber, dass ich mir die Zeit genommen habe und etwas erreicht oder bewegt habe.

Zeit und Glück liegen so nah beieinander und bewirken soviel in uns, dass wir uns genau überlegen müssen, mit wem und wann wir sie teilen wollen. Dabei sollte man sich nicht außer Acht lassen. Nehmt euch Zeit für die Schönen und Wichtigen im Leben, schafft einen gesunden Ausgleich und macht euch und euer Umfeld glücklich. Verschenkt Zeit an euch und eure Mitmenschen. Die Zeit holt euch niemand mehr zurück. Was gewesen ist, ist gewesen. Finde heraus, was dir wirklich wichtig ist und wo für dich die Zeit mit dem Glück sehr nah beieinander liegen.

Die Geschichte eines Teddyärs

Schaut mich an, ich bin ein alter Teddybär mit ganz vielen abgenutzten Seiten, aber diese haben Geschichten zu erzählen.

Ich bin gerade nicht ein Teddybär, den man jetzt als „ist der aber süß“ abstempelt. Mein Fell ist abgenutzt, mein Mund ist ausgefranzt und meine rechte Pfote ist sehr lädiert. Drückst du mir auf den Bauch, dann gebe ich tatsächlich noch einen Ton von mir ab.

Man sagt von mir, dass der frisch gebackene Vater mich seiner Tochter zur Geburt schenkte. Ich weiß heute nicht, ob diese Geschichte tatsächlich wahr ist, oder ob sie ein Wunschdenken der Tochter war, weil sie ihren Vater lange hinterher trauerte, da er sich das Leben nahm. Aber eins steht fest, ich wurde geliebt und überall wo sie war, war auch ich. Wegen mir- und das muss man sich mal vorstelllen- wegen mir als Teddybär, ist sie bewahrt worden in eine Sekte zu rutschen. Man wollte sie von mir trennen, mit der Aussage, dass sie mich vor den lieben Gott stellen würde und das dürfte nicht sein. Vor mir hat sie schon deshalb ihre geliebte Puppe abgegeben, aber als es mir an den Kragen gehen sollte, war da etwas was sie erwachen ließ. Gott sei Dank, dass ich das geschafft habe, auch wenn es danach die Hölle für sie war. Aber wir sind unseren Weg alleine weitergegangen.
Einige Jahre später hatte sie ihr eigenes kleines Reich. Der Kater , der dazu gehörte, hatte mich besonders lieb, oder was glaubt ihr, warum ich so aussehe! Aber ich bin immer wieder gerettet worden.

Nun sitze ich im Schlafzimmer und wir betrachten uns fast täglich. Auch sie ist in die Jahre gekommen , sieht aber längst nicht so zerrupft aus wie ich. Wir haben unsere Geschichten zu erzählen und uns verbindet eine ganze Menge. Letztendlich ist es egal, wie wir äußerlich aussehen, denn unsere Geschichte macht uns zu dem wie und wer wir sind.

Ich bin ein alter, grauer, abgenutzter Teddybär und das ist meine Geschichte. Betrachtet den Menschen nicht nach dem Äußeren, sondern lasst euch seine Geschichte erzählen.

Neue Stufen erklimmen

Mein Urlaub neigt sich dem Ende zu und die Arbeit ruft wieder. Ein Stück Alltag, ein wenig Normalität wird wieder einkehren. Dennoch wird es anders sein als sonst, wenn ich aus dem Urlaub wieder an meinen Arbeitsplatz zurück kehre. Corona begleitet uns noch in Form von Sicherheitsvorkehrungen, die auch die Kinder zu spüren bekommen. Wir werden das Beste daraus machen.

Ich saß gerade auf meiner Couch und sinnierte über die vergangenen Wochen des Urlaubs. Alles war dabei. Eine kleine Reise ans Meer, viele Waldwanderungen, Fitness in Form von Laufen, kleine Besuche bei und von Freunden. Beim durchstöbern der Fotos, stieß ich dann auf das Foto mit den Treppen – auch im Wald gemacht. Sofort kamen mir Gedanken in den Sinn, die ich mit dem Wiederbeginn des Alltags in Verbindung brachte.

Erklimmen wir die neuen Stufen.

Gehen wir mutig vorwärts. Sind die Stufen steil, nehmen wir das Tempo etwas raus und gehen sie langsam. Eine leichte Schrittfolge ermöglicht uns mehr Perspektiven und lässt uns die nächsten Stufen mit Bedacht und leichter nehmen. Am Ende der Stufen steht nicht immer der Erfolg, sagst du? Schau hinter dir. Dort liegt eine Wegstrecke, die du gegangen bist, die dich bis zur obersten Stufe gebracht hat und das ist dann dein Erfolg.

Siehst du abgetretene Stufen? Diese Wege sind wohl schon mehrere gegangen. Nimm sie mit auf deinen Weg, teile ihre Erfahrungen und nimm dir das raus , was du für dich benötigst.
Die Stufen sind glatt und moosig? Nimm dich ein wenig in acht. Geh langsam und halte dich wenig nötig, fest. Ein bisschen Halt kann manchmal nicht schaden.
Geh die Treppe deines Lebens , mach sie zu deinem Weg. Sei mutig und erklimme auch neue Stufen.


Ich wünsche Allen, die neue Stufen vor sich haben, immer einen sicheren Aufgang.

Anker für die Seele

Kennt ihr das, wenn man über etwas schreiben und berichten möchte, aber einem die Worte fehlen? So ähnlich geht es mir mit diesem Blog. Ich weiß, dass ich gerne über die vergangenen Erlebnisse berichten möchte, mir schon zig Gedanken gemacht habe und ja definitiv der Mensch bin, der aus dem Bauch und dem Herzen heraus schreibt. Das werde ich auch hier tun. Was also hemmt mich dann so, die richtigen Worte zu finden? Vielleicht sind es die vielen Gedanken und Umstände, die mit diesem Erlebnis einhergehen, denn diese sind etwas komplexer in meinem Kopf. Ich werde es dann dennoch wie immer tun und werde mir im folgenden einfach meine Gedanken aus der Seele schreiben.

Es geht um unseren Urlaub. Fast jeder macht irgendwann seine Reise, seine Erholung, verbringt seinen Urlaub irgendwo fern von der Heimat. Und jeder, der sich seinen Urlaub gönnt, kennt auch die Gefühle, die damit verbunden sind. Entspannen, abschalten, neue Kraft tanken, den Alltag hinter sich lassen, Zeit haben, sich auf sein innerstes und seine Bedürfnisse konzentrieren. Für viele gehört das schon als Selbstverständlichkeit dazu, denn schließlich geht man auch dafür arbeiten.

Ich kann für mich tatsächlich nicht von Selbstverständlichkeit reden. Die Sehnsucht nach einem Urlaub wuchs in den Jahren immer mehr in mir. Es war nicht so, dass ich nie weg war. Für mich war der Urlaub eher ein Besuch bei meinen Geschwistern, die sowohl im Norden als auch im Süden ihre Heimat haben. Es waren immer schöne Zeiten auch eingebunden mit den Gefühlen, die ein Urlaubsfeeling mit sich bringt. Und dennoch wuchs in mir die Sehnsucht nach einem Urlaub mit Unabhängigkeit. Hieß aber auch, dass für mich kein Wohnwagen oder zelten in Frage kam. Mag sein, dass es für den ein oder anderen Leser überheblich klingt, aber ich hatte Sorge, dass ich im Urlaub unter den Umständen, das selbe tu wie zu Hause auch:kochen, einkaufen, aufräumen. Daran wird deutlich, wie sehr ich mich vom Alltag wegsehnte. Warum dann nicht einfach machen und buchen, Koffer packen und weg? Selbst ein Teil meiner Kinder hatte schon diese Auszeiten und das Urlaubsfeeling kennengelernt- es konnte doch dann gar nicht so schwer sein, selber in dieses Feeling einzutauchen. Beruflich ließ sich das nicht immer so vereinen. Da ich im Schulwesen tätig bin, war ich auf die Ferien angewiesen und mein Mann zwischenzeitlich in der Landwirtschaft tätig war, wo genau in dieser Zeit Hochsaison ist, war ein gemeinsamer Urlaub schon gar nicht möglich. Aber das war nicht die einzigste Problematik. Es gab da etwas, was mit Kosten verbunden war. Immer waren andere Dinge wichtiger. Und jetzt sind wir schon beim Knackpunkt des Textes angelangt: über sowas spricht und schreibt man nicht so gerne. Es ist nicht nur sehr persönlich, sondern der Gedanke daran, wie und was andere sagen könnten, steht so fest im Vordergrund, dass man damit sehr sensibel umgehen muss, auch zum Schutz vor sich selber. Allein aus dem Grund, möchte ich dabei auch nicht ins Detail gehen. So viel steht fest, es war für die Thematik Urlaub immer ein Stein im Weg. Was aber ist, wenn der Kopf, die Beine und die Seele nicht mehr können? Wenn man das Gefühl hat, das man aushungert und vertrocknet? Wenn der gewöhnliche Tagesablauf abgespult wird, sich aber die Frage gestellt wird, wofür mache ich das Ganze? Was muss in einem selber erst geschehen, damit man sagt: JETZT, jetzt machen wir es, wir fahren jetzt weg, egal was ist, ? Ich kann das nicht in Worten beschreiben, was in dem Moment des JETZT eintritt. Du reagierst:

Ich habe die halbe Nacht im Internet verbracht. Fünf bis sechs Personen mit Hund sollten sich auf die Reise machen. Am liebsten sollte es an die See gehen. Im Hinterkopf stand immer die Frage, ob es tatsächlich gelingen sollte, dass wir nach 29 Jahren endlich einen Urlaub buchen? Man durfte ja auch nicht vergessen, dass wahrscheinlich ganz viele Menschen gerade an die See wollten, wo Corona doch vorweg einiges abverlangte und immer noch tut. Doch tatsächlich fand sich relativ schnell eine günstige Ferienwohnung, die schön eingerichtet war und für unsere Bedürfnisse mehr als ausreichend war. Ja, auch bei einer Ferienwohnung muss man sich selbst versorgen, aber das habe ich in Kauf genommen, um endlich Urlaub zu haben. Ich hatte gebucht- unglaublich- das erste mal in meinem Leben habe ich einen Urlaub gebucht. Und wieder die Gedanken im Hinterkopf, ob das alles wohl richtig ist? Es gab kein „Nein“ oder „Ja“ als Antwort, kein „Falsch“ oder „Richtig“, sondern nur das eine Gefühl, dass ein langer Traum und eine heimliche Sehnsucht endlich gestillt werden sollte.

Die Anreise und der Einzug in unsere Ferienwohnung verliefen reibungslos. Die Stimmung war gut und gelöst zugleich. Der Ort, indem wir verweilten war ein verträumtes und ruhiges Nest. Alles war sauber und man sah selten jemanden auf den schmalen und verwinkelten Wegen. Aber wenn man jemanden traf, wurde einem immer ein freundliches „Moin“ entgegen gebracht. Das Wetter ließ uns manchmal im Stich und nur an wenigen Tagen kam die Sonne zum Vorschein. Das hinderte uns aber nicht daran, am Deich entlang zu gehen, uns andere Orte anzusehen und unternehmungslustig die Gegend zu erkunden. Mit eingebunden war die ein oder andere Besichtigung oder Shoppingtour. Bedingt durch Corona musste man sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen, die nicht immer schön waren, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Wir hatten ja Zeit. Niemand musste zu festgesetzten Uhrzeiten irgendwo hin. Auch ein Essen musste zu keiner bestimmten Uhrzeit fertig sein. Wir hatten Zeit für Gesellschaftsspiele, ohne das die Zeit im Nacken stand oder man vor Erschöpfung keine Lust dazu hatte. Es fühlte sich so herrlich frei an.

Bei allen Touren und Besichtigungen, gab es für mich jedoch ein ganz besonderes Highlight: das MEER. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass das Meer eine so heilende Wirkung in mir auslöst. Die unendliche Weite des Meeres ließ mich frei sein von allen Gedanken, die mir im Kopf rumschwirrten. Jede Welle, jeder Windstoß schien mir ein Stück Leichtigkeit nahe zu bringen, als wenn es mir sagen wollte, dass ich loslassen soll. Loslassen von all dem was mich belastet und gerade mit mir arbeitet. Es machte so viel mit mir, dass die Tränen liefen. Es waren Tränen des Glücks. Ich war einfach nur glücklich!! Glücklich darüber, dass ich das alles erleben durfte, dass es Menschen gab, die uns das von Herzen gönnten und dass ich es nicht alleine erleben musste. Ein Gefühl der Freiheit entwickelte sich in mir und noch viel mehr machte sich Leichtigkeit in mir breit. Ich wollte gar nicht mehr weg. Auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung spürte ich schon die Sehnsucht nach dem Meer. Ich hätte Stunden dort verweilen können, ohne auch nur etwas zu tun, außer auf das Meer zu schauen und den Wellen bei ihrem Spiel zuzusehen. Wir waren natürlich noch ein zweites mal direkt am Meer und die Magie setze sofort wieder ein. Für manche mag es etwas selbstverständliches sein- nicht so für mich. Ich werde diese Magie des Meeres lange in mir behalten und bin mir sicher, dass es nicht das letzte mal war, dass ich das erleben darf. und werden ganz sicher keine 29 Jahre mehr vergehen. Vielleicht bleiben die Überlegungen und Fragen dieselben wie vor dem Urlaub, aber die Antwort wird sicherlich schnell gefunden sein.

Es war nur eine Woche, aber es war diese eine Woche! Möge jeder urteilen wie er mag und vielleicht hätten andere Dinge im Vordergrund stehen müssen, aber dann ist das jetzt so. -Diese Zeit nimmt mir niemand mehr. Es war ein Anker für die Seele, ein Anker für unserer Hände Arbeit, ein Anker für unsere Familie, ein Anker der sich fest verankert hat mit meinem tiefsten Inneren. Nichts auf dieser Welt ist selbstverständlich. Nimm den Anker, wirf ihn aus und festige dein Seelenleben.

Bringt Farbe in die Welt

Im ganzen Netz findet man schwarze Bilder aus Solidarität zu den Geschehnissen in den vergangenen Tagen. Ich möchte kein schwarzes Bild posten, wenngleich ich genauso gegen Rassismus und Töten bin. Ich werde nichts daran ändern, dass es immer wieder Menschen auf dieser Erde gibt, die andere wegen ihrer Hautfarbe und ihres Aussehens ins Randgruppendasein drängen. Genauso wenig werde ich es ändern, dass es Menschen gibt, die ihr Gegenüber nach dem Äußeren be- und verurteilen auch bei dem Menschen, der direkt neben uns steht. Was ich aber kann ist Farbe ins Spiel bringen. Ich kann anders handeln und meinem Mitmenschen zeigen, dass jeder Mensch, egal welcher Herkunft er ist und wie er aussieht gleiches Recht zu leben hat. Ich muss nicht jeden mögen, aber akzeptieren kann ich jeden. Und genau das fängt bei uns vor und hinter der Haustür schon an. Bringt Farbe ins Spiel und geht mit guten Beispiel voran

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Vater werden ist nicht schwer, Vater sein….. ?

Nicht das ich nicht wüsste, wie dieser Satz weitergeht, aber ich möchte ihn gerne für den Leser und auch für mich offen stehen lassen. Zu Muttertag schrieb ich davon , wie gerne ich Mutter bin und auch wenn ich nicht alles richtig gemacht habe, ich dennoch aus Überzeugung und Liebe handelte. Und genau das möchte ich auch den Vätern dieser Welt unterstellen, wenngleich ich da gewaltige Unterschiede kennen gelernt habe. Ohne nur auf meine Erfahrungen und meine Lebensgeschichte zurückzublicken, erlebe ich immer wieder die einen Väter, die ihre Kinder lieben und wertschätzen und die anderen Väter, wo plötzlich ein Cut entsteht, meistens einhergehend bei einer Trennung. Gerade da habe ich immer wieder erlebt, dass es wohl nach getrennten Wohnungen keinerlei Verpflichtungen mehr gibt. Beginnen tut dies meistens mit der Unterhaltszahlung, gerade so, als wenn die Kinder nichts mehr kosten würden. Plötzlich hat man kein Geld mehr, was aber auch da sein müsste, wenn man zusammenleben würde. Warum müssen sich die Mütter dann alles aus den Rippen schneiden? Ich kann doch auch nicht sagen: es gibt heute nichts mehr zu essen und zum anziehen? Erklärt es mir, ihr lieben Väter da draußen, damit ich das verstehen kann! Und ich benötige noch eine Erklärung: Warum ist es so schwer, sich bei der Zeit mit den Kindern nur auf die Kinder zu konzentrieren? Warum muss ich um die Zeit mit den Kindern feilschen? Sollte das nicht alles genauso selbstverständlich sein, wie vor einer Trennung? Und sollte es hier Mütter geben, die genauso handeln, dann gehen selbstverständlich die Fragen auch an euch! Ich werde das nie verstehen und tolerieren können, solange bis ich eine plausible Antwort darauf bekomme.

Aber ich weiß, das es Gott sei Dank auch andere Väter gibt! Väter, die ihre Kinder bedingungslos lieben und dafür geradestehen . Es gibt Männer , die sich Kindern annehmen, obwohl es nicht deren leiblichen Kinder sind. Und es gibt jene, die sich so sehr mit den Kindern verbinden, das die Kinder ihn darum bitten, Vater zu werden, indem sie um eine Adoption bitten. Dann hat man als Mann und werdender Vater wohl alles richtig gemacht. In dieser dankbaren und wertschätzenden Position befinden wir uns.

Ich kann nicht sagen, wie mein leiblicher Vater gehandelt hätte, da er seine Familie durch einen Freitod alleine gelassen hat. Ich wurde in dem Jahr gerade mal 9 Jahre alt. Da waren keine gemeinsamen Erlebnisse mehr möglich. Ich kann mich daran erinnern , dass er oft hinter mir gestanden hat, wenn es etwas gab, wo ich nicht richtig gehandelt habe. Das hat es mir auch so schwer gemacht, auf die Liebe von meinem Vater verzichten zu müssen. Sehr lange habe ich ihm hinterher getrauert und war wütend, wenn mir jemand sagte, dass mein Vater feige und egoistisch war, weil er so gehandelt hat. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, wenn ich meine Ansicht der Dinge mitteilen würde. Fakt ist, das ein Vater immer fehlt. Auch als ich mich von dem Mann meiner Kinder getrennt habe, wusste ich, dass ich einen Vater nicht ersetzen kann. Ein Vater, der erklärt, wie man sich rasiert und wie man Nägel in die Wand haut ist was anderes, als wenn ich das als Mutter tu. Ein Vater, der für die Gedanken und Sorgen eines pubertierenden Jungen, Verständnis zeigt ist ganz anders als die Gedanken einer Mutter und Frau. Und manchmal hilft es auch einem jungen Mädchen, wenn der Vater mal ein Machtwort spricht oder es liebevolle Umarmungen gibt. Als junges Mädchen durfte ich das durch meinen Pflegepapa, wie ich liebevoll den Papa meiner Sis nenne, erfahren. Er war genau das, was man einen liebevollen Vater mit Herz und Seele nennt. Für sein Kind war er immer da zu jeder Zeit und nahm mich meiner auch noch an. Er war für meine Kinder sowas wie ein Opa. Leider weilt er nicht mehr unter uns- seine Krebskrankheit hat ihn uns genommen.

Meine Brüder erlebe ich auch als liebevolle Väter. Bei meinem älteren Bruder sind die Kinder schon teilweise so alt, dass sie selbst Papa sein könnten. Ich hoffe und wünsche mir, dass sie nie vergessen, was der Papa für sie getan hat. Es gab sicherlich schwierige Zeiten und in manchen dieser Zeiten, hätte er sicherlich auch einen starken Papa gebraucht, stattdessen hat er eine ganz Zeit lang eine Vaterrolle für uns Geschwister übernommen. Und auch in seinem späteren Leben gab es Situationen, wo er Hilfe gebraucht hätte und vielleicht nicht so da sein konnte, aber er hat nie aufgehört seine Kinder zu lieben. Es gab Situationen, an denen viele Väter gesagt hätten: das Kind kann mich jetzt mal. Aber nicht er! Mein anderer Bruder ist sehr spät Papa geworden und er liebt sein Kind so bedingungslos. Vom ersten Augenblick an, sah man den ganzen Stolz in seinen Augen. Sein Leben bestand oft von Aktionen, aus die er mit einer gehörigen Portion Glück immer wieder grade weiter gehen konnte. Außerdem hatte er immer sowas von einer Leichtigkeit und gute Laune in sich.. den Schalk im Nacken, dass man sich vor Lachen in die Hose machen konnte. Das hat er nicht verloren, aber die Fürsorge und Liebe um das Aufwachsen seines Kindes steht sehr viel mehr im Vordergrund.

In der Familie meines Mannes sind Gott sei Dank alle Väter noch greifbar. Die Rolle als Vater erlebe ich da ebenso fürsorglich und liebevoll. Daran merke ich wie wichtig die Grundlage ist, denn mein Mann ist der einzigste Sohn in der Familie und er ist gut so wie er ist.

So könnte ich noch zig andere Väter aufzählen, die ihr Vaterdasein sehr ernst nehmen und für nichts in der Welt auf ihre Kinder verzichten möchten. Vielleicht schaffen es diese tollen Väter, die wenigen anderen Väter davon zu überzeugen, das Vater werden nicht schwer ist und Vater zu sein auch leicht sein kann, wenn die nötige Liebe in ihrem Herzen ist.

💝Muttertag💝

Was für eine Glück ist es doch Mutter sein zu dürfen. Das Glück gleicht einem vierblättrigen Kleeblatt 🍀!

Ich habe mich bewusst dazu entschieden, Mutter zu sein. Ich darf vier Kinder mein eigen nennen und für ein weiteres Kind eine zweite Mama sein. Vier Kindern das Leben zu schenken und ganz Mama zu sein, ist eine große Verantwortung. Nicht immer ist diese Verantwortung leicht gefallen. Nicht immer hatte ich eine Lösung für Probleme parat und ich war ganz sicher nicht immer eine gute Mutter. Aber eins kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich immer Mutter aus Leidenschaft und mit viel Liebe war und bin. Ganz gleich wie alt die Kinder sind, man macht sich immer Gedanken und würde nachts für jedes Problem aus dem Bett krabbeln um da zu sein. Mit dem richtigen Partner an meiner Seite ist mir das Mutter-da-sein nochmal leichter gefallen, weil ich in meinem Tun und Handeln Unterstützung habe.

Mutter sein, heißt für mich bedingungslose Liebe. Die Kinder auf ihrem Weg durch das Leben zu begleiten, egal wie holprig er ist. Den Rücken zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie etwas Besonderes sind und ein eigenes Individuum in sich besitzen, was sie zu dem macht, wie sie vor uns stehen. Mutterliebe heißt auch, Grenzen zu setzen, alternative Wege aufzuzeigen, die man gehen kann. Und Mutter sein, heißt auch Geborgenheit und somit eine Heimat zu geben. Sie sollen gerne wieder nach Hause kommen und voller Stolz sagen dürfen, hier gehöre ich hin und hier komme ich her.

Selbstverständlich läuft nicht immer alles glatt ab. Wie gut kann ich mich an Situationen erinnern, wo man genervt und verärgert ist, wo einem die Tränen laufen. Man kennt die Tage, wo man sich fragt, wofür das alles und was habe ich nur so falsch gemacht? Und nach dem Tal der Tränen weiß ich, dass es normal ist und es zig Müttern genauso geht. Auch als Mutter ist man nur ein Mensch und wir sollten uns nicht unter Scheffel stellen, wie man so schön sagt. Wir haben wie jeder andere Mensch auch nur zwei Arme und zwei Beine, einen Stundensatz von 24 Std und Nerven, die auch mal dünn sein dürfen.

Solange das Dasein einer Mutter immer mit Liebe geschieht, ist man Mutter von ganzem Herzen. Wir haben nicht auf alles Einfluss und sind nicht für jeden Weg, den unsere Kinder einschlagen verantwortlich, aber wir haben die Verantwortung unseren Kindern gegenüber mit Liebe und Respekt zu begegnen. Und noch etwas: sorge gut für dich und nimm dir Zeit für Dinge, woraus du Kraft tanken kannst, damit du in deiner Verantwortung das Glück des Mutter-Daseins umsetzen und genießen kannst.

Im Herzen bin ich dankbar für jede Mutter, der ich begegne und ich die Liebe verspüre, die sie an ihr Kind weitergibt. Im Herzen bin ich dankbar für die Liebe, die man mir gegeben hat.

Was für ein Glück, dass ich Mutter sein darf. Alles Liebe und Gute zum Muttertag!

Monatswechsel

Was für ein denkwürdiger und emotionaler Monatswechsel. Wir schreiben Ende April, Anfang Mai. Während man in den Vorjahren meist den April mit einem schwingenden Tanzbein verabschiedete und den Mai mit einem kühlen Blonden und Bollerwagen begrüßte, sollte es dieses Jahr ganz anders sein. Und das nicht nur weil Corona es nicht zuließ das Tanzbein zu schwingen und man auf Wanderungen in dem Rahmen verzichten musste. Es lag allein an ganz verschiedene Begebenheiten, die uns emotional in ein Gefühlskarussell bringen sollten, die einem Tanz in den Mai gleich kommen.

Herumgewirbelt wie in einem gut eingeübten Foxtrott mit Drehungen, die nach Ausdauer und einen langem Atem verlangen., fühlte sich die ankommende Briefsendung vom Amtsgericht an. Noch eben zum Monatsende bekamen wir die Information, dass unser Adoptionsantrag endlich beim Amtsgericht gelandet ist. Wieder ein Schritt näher- fast.. nur fast… bevor das Amtsgericht weiterarbeitet, müssen dann mal noch ein paar Unterlagen her: Meldebescheinigung, Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis aller Beteiligten sollten innerhalb von vier Wochen vorliegen. Bis das so weit ist, sind einige Drehungen auf dem Tanzparkett erforderlich. Einige Schrittfolgen sind da nötig, denn ein Teil der Kinder ist arbeiten und die Ämter haben ja gerade nicht alle den offenen Zutritt. Man muss viel telefonieren und nichts geht ohne Termin. Wir hoffen, dass sich die Atmung nicht überschlägt und alles rechtzeitig bis zum letzten Ton in guter Schrittfolge erbracht werden kann. Der Vater der Kinder wurde auch angeschrieben um eine Stellungnahme abzugeben. Meldet er sich innerhalb von zwei Wochen nicht, willigt er automatisch in die Schrittfolge ein. Das wiederum glaube ich persönlich nicht und da wird die Ausdauer und ein langer Atemzug nötig sein. Ich weiß nicht was in seinem Kopf vorgehen wird. Welche Drehung wird er bevorzugen? Wird er sich verschlingen oder stolpern? Oder wird sein Atem nicht lang genug sein. Er war nie ein guter Tänzer, aber wenn es darum ging seinem Jähzorn Platz zu machen, kam er auf die unmöglichsten Umdrehungen, die ihn genau in diese jetzige Position brachten. Wie dem auch sei, begleitet von einem mulmigen Gefühl, das einem verrauchtem Tanzlokal gleicht in dem alle Luft durch verschwitzte Tanzeinlagen verbraucht ist, werden wir unsere Schrittfolge einhalten.

Nach diesem Schwung an Emotionen, sollte noch ein Trommelwirbel folgen, der eine Aufruhr in uns auslöste und letztendlich in einem derart langsamen Walzer endete, das die Schrittfolgen und Atemzüge fast zum Stillstand brachten. Unser Kater machte uns mitten in der Nacht wach. Er konnte nicht mehr gehen und sein Hinterteil wahr wie gelähmt. Er hechelte vor sich hin, als wenn er einen Marathonlauf hinter sich hatte. Nie zuvor habe ich ihn so gesehen. Wir konnten ihm nur gut zusprechen und ihn beruhigen. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass er die Nacht überlebt. Wir wussten nicht einmal, was er hatte. Den ganzen Tag vorher waren keine Anzeichen erkennbar. Es ging ihm doch gut. Er hatte gefressen, gespielt, geschnurrt … alles was eine Katze so in ihrem Rhythmus des Katzendaseins so tut. Die Nacht hatte er also überlebt, aber auch der Morgen des neuen Monats brachte keine Besserung ans Tageslicht. Ich fühlte mich noch wie besoffen nach der Nacht, und das ohne einen Tropfen Alkohol zu mir genommen zu haben. Der Gang zum Tierarzt war unabdingbar und jeder von uns ahnte, dass dieser langsame Walzer wohl eher in einer Trauermelodie enden wird. Es war der richtige Weg: der Kater hatte einen Herzfehler, von dem niemand was ahnte und einen Schlaganfall, den niemand mitbekommen hatte. Wenn Tiere doch nur reden könnten …. vielleicht wollte er auch garnicht, dass wir was mitbekommen. Umso schwerer fiel der Abschied. Der Tag war so schwer in uns. 13 Jahre hatten wir ihn bei uns und jetzt mussten wir ihn gehen lassen. Das kühle Blonde am 1.Mai sollte dann wohl ganz auf ihn gehen. Eine Wanderung über die Regenbogenbrücke, die er nicht alleine ging. Aber am Ende des Regenbogens wird er neue Freunde finden, die mit ihm durch eine friedliche Welt ohne Leiden wandern werden. Und so müssen auch wir weiter wandern.

Eine weitere Wanderung erfolgte noch am selben Tag. Diese war rein familiär und im allerengsten Familienkreis meines Mannes. Ich möchte darüber keine Details verlauten lassen, weil es zu privat ist und hier nichts zu suchen hat. Aber soviel sei gesagt: es gibt Wanderungen im Leben eines Menschen, einer ganzen Familie, die einer Landkarte ähneln. Das Leben durchlebt mit vielen Höhen und Tiefen, Berge die erklimmt werden müssen; Pfade die gegangen werden, mit und ohne Hindernisse, großen wie kleinen Hindernissen; am Wegesrand stehen Bänke, die nach Erholung und Ruhepause schreien, damit die nächste Steigung erklommen werden kann. Mittendrin kleine Seen, die die Tiefe unserer Seele widerspiegeln und einen Fluss, der gleichsam in ruhigem Treiben neben uns her fließt. Dörfer und Städte finden sich auf dieser Landkarte ebenso wieder, wie Straßen in jeglicher Art. Durch all die Straßen geht ein jeder von uns. Mal sind wir unterwegs auf der Schnellstraße, die unser Leben nur so abhetzen lässt und einer andermal hinterlegen wir eine kurvenreichen Strecke, wo wir nicht wissen was sich dahinter befindet. Kreuzungen an denen wir entscheiden müssen, ob rechts oder links der bessere Weg ist und vielleicht endet man manchmal in einer Sackgasse oder gar in einem Kreisverkehr, wo jede Ausfahrt gleich scheint und doch sich jeder Weg anders gestalten wird. Und am Ende eines jeden Weges , einer jeden erstellten eigenen persönlichen Landkarte wird man hoffentlich heimisch in seinem Dorf oder seiner Stadt, in der Familie einen Ursprung hat.- seine Familie. Und in jeder Familie gibt es Gedanken, die man entweder für sich behält oder aber mit ihnen teilen möchte. In dem Fall wurden Gedanken geteilt und besprochen. Es war beeindruckend für mich, obwohl ich nicht bei dem Treffen dabei war. Das war es deswegen, weil ich es meinem Mann so gegönnt habe. Nie habe ich solche Gespräche kennengelernt bei meiner Ursprungsfamilie. Gespräche, die mir gezeigt hätten, dass eine Familie, egal welche Wege jeder einzelne gegangen ist, eine Familie bleibt. Werte, die man mit nichts auf der Welt bezahlen kann, außer mit gesagten Worten und einem Leben das einer Landkarte gleicht, auf der die Wanderungen sichtbar gemacht werden. Ich habe meine Familie gefunden und meine Familie gegründet auf einer ganz eigenen Landkarte. Diese Art der Gespräche brauchte ich bis dato nie beisitzen und auch nicht selber führen, aber sie haben mich für meinen Mann beeindruckt. Seine ganz eigene Wanderung, wo emotionale Gedanken wie kleine Seelenpfade sich durch die Landkarte des Lebens schlängeln.

Was für ein Monatswechsel!

Baum des Lebens

Erst gestern ging ich wieder laufen, diesmal aber im Wald. Die meisten Laufstrecken habe ich bisher auf Asphalt abgelegt, weil sie größtenteils eben verlaufen. Bergauf ist da noch nicht so meins. Gestern zog es mich aber in den Wald, weil ich ausprobieren wollte, ob das für mein angeschlagenes Knie evt besser ist. Bergauf kann man schließlich auch gehen😉

Der Wald hat aber für mich noch ganz andere wertvolle Gedanken. Ich bin schon immer gerne im Wald spazieren gegangen. Die Ruhe, die ich da finde ist Balsam für meine Seele. Die Luft und der Geruch ist ganz eigener und ich kann nicht genug davon bekommen. Ich mag es über den Waldboden zu gehen, es fühlt sich leicht an und das knacken der Äste hörte ich schon als Kind gerne.

Bäume haben schon immer eine große Bedeutung für mich. Angefangen von den Wurzeln bis hin zur Baumkrone. Wo sind meine Wurzeln? Wie verzweigt und wie tief sind sie verankert? Geben mir die Wurzeln Halt oder werde ich aus dem Boden gerissen, wenn der nächste große Sturm zu nahen droht? Diese Fragen kann man sicherlich alle unterschiedlich beantworten. Es gibt für mich sowohl Wurzeln, die mir sehr viel Halt geben und welche die mehr oben auf liegen. Die oberen Wurzeln haben noch die Chance sich tiefer zu verwurzeln. Vielleicht schützen sie auch einfach nur die tieferliegenden Wurzeln.

Der Stamm ist der meine. Jeder Jahresring mehr kräftigt den Stamm. An einigen Stellen ist er bemoost, das ist sicherlich die weiche Seite an mir. An die kann sich jeder anlehnen und ein Stück Wärme abholen. Berühre es und du wirst sehen, wie gut es dir tut. Aber verletze es nicht und ruppe nicht an ihr rum.

An einer anderen Stelle sieht es aus, als wollte sich dort ein Stück Ast durchbohren, hat es aber nicht ganz geschafft. Da sollte der Weg wohl nicht hinführen. Vielleicht ist es etwas was verarbeitet werden musste und nun zwar ein Teil von mir ist, aber nicht mehr an mir wachsen kann. Meine Jahresringe in gutem Holz gebettet und umgeben von einer Rinde, die ihre ganz eigene Maserung hat. Mit Vertiefungen, die Spuren hinterlassen haben, ganz gleich ob positiver oder negativer Art. Sie machen meinen Stamm aus- sie machen mich aus!

Viele Wege führen mich durch das Leben. Jeder Ast, der an mir wächst, erzählt seine ganz eigene Geschichte. Dicke wie dünne Äste, schwere und ganz leicht zerbrechliche Äste. Äste die direkt an meinem Stamm herangewachsen sind, sind meine Kinder. Sie wachsen und werfen neue Triebe um selbst nachher einem eigenen Baum das Leben zu schenken. Manche Äste tragen Früchte in Form vom satten grünen Blätterwerk und wieder andere setzen noch einen drauf mit wohlschmeckenden Früchten. Es ist das Leben. Wieviele Begegnungen und Verzweigungen gibt so ein Baum her? Wieviele Blätter und Früchte trägt so ein Baum? Das liegt doch ganz bei uns und unserem Lebenswerk. Wieviele Tiere fühlen sich heimisch in unserem Baum? Belasse es nicht bei dem Vogel, der singend in deinen Zweigen zwitschert. Es wäre zu einseitig. Gib der Eule einen Schattenplatz und dem Schmetterling ein grünes Blättchen. Lass die Raupe an dir knabbern, damit du lernst mit Dingen umzugehen, die dir nicht gut tun. Lass die Ameisen ihren Hügel neben dir bauen, damit du weißt, dass das Leben mit Arbeit und Emsigkeit verbunden ist.

Hänge eine Schaukel in deinen Baum, damit du die Leichtigkeit nicht verlernst und immer in Schwung bleibst. Gib anderen die Möglichkeit auf der Schaukel Platz zu nehmen, wenn ihnen das Leben übel mitspielt.

Dein ganzes Leben ist wie ein Baum. Gestalte ihn und gib ihm eine Wertschätzung. Fülle ihn mit Leben und hinterlasse Spuren. Und wenn uns eines Tages das Leben müde macht, lebt dieser Baum weiter. Und sollte sich ein Borkenkäfer Zutritt in einem Baum verschafft haben und ihn zernagen, dass die Blätter braun werden, dann ist es dennoch nicht das Ende. Das Holz wird benötigt für vielerlei Dinge in unserem täglichen Leben. Deine Erfahrungswerte und dein Leben wird benötigt für das was nach dir kommt. Deine Wurzeln sind gelegt und es ist etwas ganz besonderes entstanden:

EIN BAUM- DEIN BAUM

Werte anders kennen- und schätzen lernen

Vier Wochen sind vergangen, seid meinem letzten Blogbeitrag. Vor vier Wochen schrieb ich meine ersten Gedanken zu Corona auf. Wie ist ist es mir ergangen seid dem und hat sich meine Meinung dazu geändert?

Fangen wir damit an, wie es mir ergangen ist. Da ich im Schulwesen tätig bin, war ich natürlich auch sehr schnell von der Kurzarbeit betroffen, was mich aber zu Beginn nicht störte, weil ich mich in dieser Entschleunigungsphase wohl gefühlt habe. Entschleunigt nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag. Viel weniger Autofahrten, weniger Hetzerei von einem Termin zum nächsten. Ein paar wenige Verpflichtungen blieben, aber ich konnte sie mit viel mehr Gelassenheit und Ruhe ausführen. Im Laufe der Zeit habe ich mir Onlineschulungen und Podcasts für die berufliche Weiterbildung zu meinem Eigen gemacht. Nach wie vor arbeite ich mir Dinge aus, die ich nach Corona beruflich umsetzen möchte. Es ist jetzt die Zeit, für mich das zu nutzen, was ich später umsetzen kann. Worauf soll ich warten? Wenn das Leben erst wieder seinen normalen Gang geht, dann wird die Zeit dafür nicht sein. JETZT kann ich Konzepte ausarbeiten und vorlegen. JETZT kann ich Ansätze und Dinge ausarbeiten, um sie fertig vorzulegen und etwas in Bewegung bringen kann. Soviel zum Beruflichen.

Ganz persönlich/ privat habe ich die Zeit genutzt um für mich ein Ziel zu erreichen. Schon vor Corona war mein Vorsatz, ein paar Kilos abzunehmen und etwas fitter zu werden. Aller zwei bis drei Tage begann ich wieder mit dem Laufen. Mit fachlicher Beratung startete ich schon im Februar die ersten wenigen Kilometer zu trainieren. Gleichzeitig verzichtete ich auf Süßigkeiten- was ich oft auch in der Fastenzeit mache- und setzte mich per App auf 1400 kcal runter. Mein Durchhaltevermögen sollte bis heute schon mit knapp 6 kg weniger auf der Waage belohnt werden und meine Zeiten im Laufen werden auch immer besser. Mit fast 8min/ pro km habe ich angefangen und liege inzwischen bei 6:38 / km. Auch die Längenstrecke kann schon mal bis zu 7km betragen. Fazit: Zeit bestens genutzt.

Natürlich habe ich auch die ein oder andere Ecke gründlicher geputzt. Dazu, wo man im beruflichen Alltag nicht immer kommt oder auch gar keine Lust hat. Aber Lust hatte ich jetzt auch nicht immer- da musste ich schon manchmal den inneren Schweinehund überwinden. Zum Alltag gehörte natürlich auch der Einkauf, um den man ja irgendwann nicht herum kommt. Und da bin ich definitiv an meine Grenzen gestoßen. Ja, manchmal hat es mir schlechte Laune bereitet und es rollten dann auch mal Tränen. Es lag nicht daran, dass ich das ein oder andere Lebensmittel nicht ergattern konnte, sondern ich hatte viel mehr meine Probleme mit den unterschiedlichen Vorgehensweisen. Der eine Markt stellt schwarze Trennwände zwischen den Kassen auf, der andere reicht dir nichts mehr an und wieder andere nahmen nicht mal Bargeld an. Später kam dann hinzu, dass man nur noch mit Einkaufswagen in die noch offenen Geschäfte durfte. Alles im einzelnen betrachtet macht es Sinn und verstehe ich, aber ich konnte damit so spontan sehr schwer umgehen. Es hat mich emotional belastet und ich brauchte etwas Zeit um damit anders umzugehen. Warum das so war, kann ich nicht erklären, aber ich war für jeden Tag dankbar, wo ich nicht in irgendein Geschäft musste.

Ein weiterer Punkt, der mir etwas zu schaffen machte, aber mit dem ich definitiv nicht alleine war, betrifft die fehlenden soziale Kontakte. Durch Corona wurde mir einmal mehr bestätigt, dass ich kein Mensch bin, der auf Dauer alleine leben kann. Ich hatte Gott sei Dank einen Teil meiner Familie bei mir, aber die Sehnsucht nach dem anderen Teil war/ ist groß. Wenn man die eigene Tochter nicht im Krankenhaus besuchen darf , ist das schon ein großer Einschnitt. Arbeitskollegen und Freunde schienen alle so weit weg und das machte auch ein Anruf oder Videotelefonie nicht wett. Ebenso hat es mir gefehlt, jemanden in den Arm zu nehmen, wenn es ihm gerade nicht gut ging. Diese Gesten unterstreichen gesagte Worte und tun dem Menschen neben dir und mir einfach gut.

Auch meine Kinder sind sehr unterschiedlich mit Quarantäne und Verboten umgegangen. Es hat lange gedauert, bis sich alle darauf einlassen konnten und verstanden haben, um was es tatsächlich geht. Erschwert wurde dieses auch durch die unterschiedlichen Handhabungen in deren Berufsfeldern.

Von Nachrichten und Sprüchen im Internet, ebenso von den verschiedenen Meinungen, ob nun mehr hinter Corona steckt, als wir alle wissen und ganz besonders von irgendwelchen Verschwörungstheroien, habe ich mich ganz schnell distanziert. Diese hätten mich sonst ziemlich weit nach unten gezogen. Fakt war, dass wir nichts ändern konnten und es unsere Pflicht war, sorgsam für sich und den Nächsten damit umzugehen.

Haben sich durch meine Erlebnisse nun meine Gedanken zum letzten Blog geändert? NEIN, keineswegs! Ich stehe nach wie vor zu den Gedanken, die ich vor vier Wochen schrieb. Auch wenn ich keine Fotos sortiert habe, keine Briefe geschrieben habe und auch der Keller immer noch genauso aussieht wie vor vier Wochen. Das zeigt mir aber auch, wie leer vielleicht mein Akku war. Die Gesundheit des Körpers zu erhalten ist mit das Wichtigste. Das habe ich bis heute geschafft und bin dafür dankbar. In sofern war es eine Auszeit. Wünsche bleiben immer offen: gerne hätte ich meinem Herzensmann auch ein wenig Entschleunigung gegönnt und somit auch mehr Zeit für uns als Partner. Wir hatten die freien und ruhigen Ostertage und die mussten reichen. Dafür musste er aber auch nicht in Kurzarbeit gehen, was uns sonst noch mehr zurückwerfen würde. Längst sehe ich nicht mehr alles als selbstverständlich und schaue genauer hin, was für wertvolle Momente es gibt. Wir haben uns viel erschaffen durch unserer Hände Arbeit, aber wenn es Situationen verlangen, sind nicht mehr alle Dinge greifbar. Und genau deswegen halte ich mich an Vorgaben und schätze die Dinge wert, die ich jetzt gerade in diesem Moment nutzen kann.

Der größte Moment wird sein, wenn wir mit unseren Herzensmenschen wieder Arm in Arm durch die Welt gehen können, wenn ich Menschen nicht mehr nur mit Worten trösten kann und mir dessen bewusst bin, wieviel mehr Wert dahinter steckt.