Wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann….

… dann erlebe ich sie tatsächlich in meiner Sis. Eigentlich ist dieser Satz durch mehrere Sätze entstanden, die mal wieder gleich einher gingen im Gespräch zwischen meiner Sis und mir. Aber von vorne:

Meine Sis und ich hatten die wunderbare Möglichkeit uns anderthalb Woche an der Backe zu haben. Wie ihr sicher schon wisst, wohnen wir nicht am selben Ort, sondern es trennen uns gute 300 km. Und wie ihr auch wisst, sind wir keine leiblichen Geschwister und auch keine Geschwister die aus Stiefelternteile entstanden sind, sondern wir sind von Schulzeiten an best friends forever, wie man so schön sagt und nicht nur das, sondern sehr sehr seelenverwandt! Auf der Durchreise von ihrem Wohnort zu einer Hochzeit, hat sie kurzentschlossen einen Zwischenstopp bei mir eingelegt und noch kurzentschlossener sich dafür entschieden noch ein paar Tage zu verlängern um mich dann in der Folgewoche mit zu sich zu nehmen. Kleine, aber nicht unbedeutende Randbemerkung: ohne unsere Männer und Familie wäre das nicht möglich- sie kennen uns und unsere Verrücktheit und unterstreichen das alles insgesamt. Zurück zu unserer Woche: Ich wäre eh zu ihr gefahren, da wir- dank ihr- Karten für ein Kellykonzert hatten. Somit wurde aus dem eigentlich wirklich geplanten Konzert eine Auszeit für uns beide von anderthalb Wochen.

In diesen Tagen ist es uns extrem oft geschehen, dass wir dasselbe sagen wollten, dasselbe gesagt haben, dasselbe gedacht haben und Handlungen im Duett gleich durchgeführt wurden.

Wir waren uns dann heute morgen einig- etwas wurde vertauscht, oder wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann sind wir zwei dann doch zusammen geboren worden oder was auch immer. Es fühlt sich so einzigartig und so sicher an. Eine solche Verbindung wie wir sie haben ist nicht nur großartig, sondern unglaublich wertvoll und es durchströmt mein Herz mit Wärme. Es ist nicht nur, dass man den Anderen aus der Scheiße ziehen würde, wenn es nötig wäre;es ist nicht nur das man sich Rückhalt gewährt- nein- es ist viel mehr als das und ich kann es nicht mal in Worte fassen. Nicht einmal die Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, lässt sich in Worte fassen.

Ich danke dennoch von ganzem Herzen, dass ich dass Glück für eine so tiefe Verbundenheit erleben darf. Verbundenheit in Familie, in Dasein füreinander und in einer ganz besonderen Wiedergeburt, wenn es sowas gibt….

Jahresrückblick / Jahresneubeginn

Am letzten Tag im alten Jahr nahm ich am größten Sylvesterlauf Deutschlands teil. Im Jahr zuvor ging ich als Wanderin an den Start und dieses Jahr packte mich der Ehrgeiz als Walkerin. Ich ging ganz unbefangen aber mit ein wenig Respekt an die Sache heran. Ich weiß, dass ich schnell gehen kann, auch ohne trainiert zu sein und deswegen wusste ich, dass ich die 15km schaffen werde. Es sind nicht die Ergebnisse am Ende für mich, die zählen, sondern es mitgemacht zu haben und am Ende anzukommen. Ist es nicht auch so, wenn wir unser Jahr Revue geschehen lassen? Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich das mache. Möchte ich dem alten Jahr davon laufen? Lange habe ich darüber nachgedacht.

Es war ein Jahr, wo man sagt, es geht besser , sehr viel besser! Ein Jahr geprägt von vielen Nachrichten, die kein Mensch brauchte und leider dennoch in ihrem Leben integrieren müssen. Viele sehr nahestehende Menschen, die an Krebs erkrankt sind, der teilweise auch nicht heilbar ist. Man bekam fast den Eindruck, dass es ansteckend ist, weil immer wieder eine neue Schreckensnachricht dazu kam. Aber nicht nur Krebs hielt Einzug im Jahr 2019, auch eine Rheumaerkrankung und eine MS- Erkrankung bei ganz jungen Menschen. Menschen, die Op’s vor sich hatten und andere Erkrankungen, die einen verändern. Es gab Menschen unter uns, wo das Leben aus der Bahn läuft, wo um Existenz gekämpft werden muss, und ja sogar um Liebe gekämpft wird. Da sind Menschen unter uns, die beruflich nicht glücklich sind und / oder erfolglos auf der Strecke liegen bleiben mussten, trotz vieler Bemühungen. Es gab Menschen unter uns, die einen lieben Menschen verloren haben. Und wenn ich hier von Menschen rede, dann sind das nicht irgendwelche Menschen – NEIN- sie sind aus meiner Familie und aus meinem Freundeskreis und aus dem engsten Bekanntenkreis! Menschen mit denen ich jeden Tag zu tun habe und keinen davon missen möchte! Das waren sicherlich alles Geschehnisse, die ich in dem Jahr nicht gebraucht hätte und wo einem danach zumute ist, einfach nur davon zu laufen, auch wenn sich dadurch nichts ändert und die Gefahr besteht, dass man sich damit immer wieder auseinandersetzen muss. Aber es waren derer Nachrichten einfach zu viel im Jahr 2019.

Dennoch kann ich aber auch sagen, dass es richtig gute und dankbare Momente gab. Beruflich konnten sowohl ich, als auch mein Mann sagen, dass wir endlich angekommen sind. Wir fühlen uns sauwohl indem was wir tun, weil unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Man quält sich nicht zur Arbeit und macht sie richtig gerne.

Ein weiteres persönliches Highlight war das Treffen mit meinen Geschwistern. Wir hatten ein tolles Wochenende zusammen in Hamburg. ( Siehe auch „Das Leben ist eine Reise wert“im Blog).

Auch in einem Blog verewigt, ist unser Adoptionsantrag, der noch 2019 unterzeichnet wurde und seinen Weg zum Gericht aufgenommen hat. Das wird uns auf jeden Fall im Jahr 2020 begleiten und hoffentlich auch zu einem positiven Highlight werden. Durch diese Adoption, wo meine Kinder sich von meinem Mann adoptieren lassen, spürt man die Stärke und Liebe einer Familie. Ich habe das wunderbare Glück, Familie als ein starkes Bindeglied zu erleben. Wir stehen füreinander ein und stärken uns den Rücken. Es darf auch mal gestritten werden ohne das deswegen die Liebe zu jedem einzelnen nachlässt. Wenn es darauf ankommt, stehen wir Gewehr bei Fuß. Niemand muss alleine gehen. Das sind wahrhaftig Glücksmomente.

In unserer Familie gab es neuen Erdenbürger- herzlich willkommen im Leben. Mögest du ein Leben voller Glück führen können und immer Menschen um dich haben, die dich dabei begleiten.

Ich durfte erfahren, wie wichtig und standhaft Freundschaften sein können. Das es ein Band dazwischen gibt, was durchhält und stärker ist als alles was man sich vorstellen kann. Das man zusammen lachen kann, feiern kann aber sich auch stützen kann. Nicht alle Freundschaften sehe ich jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat, aber ich weiß, dass auch sie ganz nah sind. Das bedeutet mir sehr viel und hat einen hohen Stellenwert bei mir und nehme als schönes Erlebnis aus dem Jahr 2019 mit.

Somit kann ich nun sagen, dass ich dem Jahr 2019 nicht weglaufe, sondern dem Jahr 2020 entgegenlaufen. Manches möchte ich gerne hinter mir lassen und anderes nehme ich wieder mit. Von Herzen wünschen ich allen ein gutes Jahr 2020. Bei allem was ihr vorhabt soll euch Liebe, Glück und Wertschätzung begleiten.

Gleich im neuen Jahr bin ich eine längere Wegstrecke gelaufen, bei herrlichem Sonnenschein und die Schönheit der Natur vor Augen. So darf es weitergehen. In diesem Sinne ein gutes Jahr 2020!

Das Geschenk der Freundschaft

Ich glaube ich könnte ein Buch über Freundschaften schreiben. Es gibt den Blog über Freundschaften, in dem ich über seelenverwandte Freundschaften schreibe und über Freundschaften, die die meisten von uns besitzen. Ich schrieb über wertvolle Momente, als ich mit zwei Freundinnen schöne Stunden verbrachte. Und gleich heute erlebte ich wieder dieses wunderbare Ergebnis einer längeren Freundschaft. Auch sie ist eine ehemalige Arbeitskollegin, die vor einigen Jahren nach Irland zog. Wir sind in Kontakt geblieben über die heutige Medienwelt. Heute war sie das erste Mal wieder in Deutschland und wir haben uns getroffen. Ich war so überwältigt davon, dass mir die Tränen liefen. Ich weiß, dass es jetzt wieder lange dauern wird bis wir uns real live sehen werden. Deswegen habe ich jeden Moment umso mehr genossen. Ich danke dir für diesen tollen Tag und die gemeinsamen Stunden.

Und in dem Moment, wo ich das hier schreibe, gehen mir so viele Freundschaften durch mein Herz. Die Freundin, die in direkter Nachbarschaft wohnt. Wieviele Runden gehen wir gemeinsam mit dem Hund und tauschen uns über Alltägliches aber auch über manche Probleme und Launen aus. Wir gehen mal frühstücken, mal auf eine Messe. Alles was uns das Leben bietet und ich weiß, dass sie mich nie im Regen stehen lassen würde. -Danke Dir von Herzen.- Eine andere Freundin, die mir in sehr schwerer Zeit durch das Leben geholfen hat und mit der es auch viele wertvolle Gespräche gegeben hat. Leider liegt es oft an der Zeit, dass wir uns nicht so oft treffen können. Aber der Moment als sie bei der Geburtstagsfeier meiner Tochter mit ihrer Tochter vorbei kam um kurz Hallo zu sagen und einige Momente sich zu unterhalten, zeigt mir, dass eine Verbundenheit vorhanden ist. -Danke auch euch.- Eine Arbeitskollegin, die sich auch zur Freundschaft entwickelt hat, brauchte viel Unterstützung. Ein Auf und Ab begleitet sie momentan im Leben. Wir haben uns getroffen und viele Gespräche ausgetauscht. -Auch dafür bin ich dankbar, weil man mir vertraut.- Mit einer langen Weggefährtin und Freundin treffe ich mich je nach Zeit aber dennoch regelmäßig um längere Strecken zu laufen. Meistens durch den Wald und abseits vom Stadtgeschehen. Wir haben Kinder im gleichen Alter und verstehen uns sehr gut, wenn es um alltägliche Sorgen geht. Wir sind da absolut auf einem Level und es tut immer wieder gut miteinander zu reden. -Dankbare Momente.- Bei meiner erweiterten Ausbildung, lernte ich zwei mitstudierende Frauen kennen, wo sich ebenfalls eine Freundschaft entwickelte. Eine von ihnen lernte ich recht früh kennen und wir lernten viel zusammen. Dadurch lernten wir uns näher kennen und es bot sich eine Einheit in Denken und Handeln. Wir wollten uns zusammen was aufbauen, und sind immer noch füreinander da. Auf einem Seminar lernten wir dann weitere wertvolle Menschen kennen und zu einem Menschen gibt es auch eine wundervolle Verbindung, was man auch als Freundschaft versteht. Man vertraut sich Dinge an und genießt dort den Moment der Freundschaft. -Dankbar! –

Man mag sich fragen, sind das wirklich alles Freundschaften? Übertreibt sie da nicht? Nimmt sie das Wort Freundschaft nicht zu leicht? Ich kann euch beruhigen. Ich vergleiche Freundschaft nicht mit Bekanntschaft und ich kenne die Unterschiede sehr wohl. Nicht immer werde ich allen gerecht, wenn es darum geht sich regelmäßig zu treffen, aber eins weiß ich genau, dass ich mich auf all diese Freundschaften verlassen kann. Nicht eine einzige würde mich und meine Familie stehen lassen und ich nicht sie. Es kommt nicht darauf an, sich wöchentlich zu sehen, sondern im richtigen Moment da zu sein und Zeit zu haben, so wie bei meiner Sis. Ich verspüre große Dankbarkeit für diese Freundschaften und sie bereichern mein, dein und das Leben. Wenn man seinem Gegenüber mit Respekt begegnet, dann hat man das große Glück solche Freundschaften haben zu dürfen.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich über die gemeine Krankheit Krebs überhaupt schreiben möchte. Es gibt so viele Blogger, die aufgrund ihrer Krebserkrankung davon berichten und ihre Gefühle, Sorgen und Ängste, aber auch den Krankheitsverlauf niederschreiben. Warum sollte ich also auch davon schreiben, zumal ich selbst- Gott sei Dank- diesem Krebs nicht täglich die Kämpferfront bieten muss? Dennoch setze ich mich täglich mit dieser Krankheit auseinander. Jeden vedammten Tag!!! Mal kämpferisch, mal sentimental, mal empathisch. Wie ist das möglich? Meine Sis ( meine Follower wissen wovon ich rede) ist daran erkrankt, mein Daddy und eine enge Freundin ebenfalls. Und eigentlich hört man wöchentlich von irgendjemanden, der daran erkrankt ist. Auch ich folge dem ein oder anderen Blogger, die davon berichten. Schaut mal rein bei der lieben Mairose42.de oder bei der lieben Prinzessin_uffm_bersch.de oder bei weg_ins_leben_2.0.de, die sogar ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. „ Rock den Himmel mein Held“- ein sehr lesenswertes Buch, was schonungslos erzählt, was erlebt wurde. Das sind nur einige wenige Menschen, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen müssen.

Ich aber möchte euch davon erzählen, wie ich damit umgehe und was in mir vorgeht. Als ich damals die Nachricht von meiner Sis erhielt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, hatte man schon das Gefühl, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Und das tut es eigentlich auch mit jeder neuen Diagnose, die negativ ausfällt. Dieses Hoffen und Bangen, dieses Wechselbad der Gefühle macht soviel mit einem, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Schließlich setze ich mich ja auch nicht alleine damit auseinander. Meine Familie trägt es genauso mit. Wie sage ich es diesmal meinem Mann und den Kindern? Es ist ja nicht so, als ob es das erste mal wäre, dass wir solche Nachrichten bekommen, von Menschen, die tief in unserem Herzen verwurzelt sind.

Ich bin ein überaus optimistisch denkender Mensch und glaube und hoffe immer und immer wieder, dass sich alles zum positiven wendet. Aber was bitte ist daran positiv, wenn man „nicht heilbar“ hört? Nichts, rein gar nichts! Und dennoch weiß ich, das meine Sis alles, verdammt nochmal alles daran setzt, diesen Prozess so weit wie möglich zu verschieben. Und ich versuche alles, aber wirklich alles zu tun, damit sie sich darin unterstützt fühlt. Ich höre ihr zu, wir lachen, weinen, reden, feiern und schweigen zusammen. Es ergibt sich von selbst, was gerade an Gefühlen seinen freien Lauf braucht und wie wir es gemeinsam handhaben. Dabei bedarf es keiner Worte. Wir wohnen einige 100km auseinander, aber die Termine für jede neue Untersuchung trage ich mit. Wenn sie nach Köln in die Klinik muss, versuche ich diese Termine mit wahrzunehmen. Es ist ca die halbe Strecke zwischen uns. Und all die anderen Termine trage ich gedanklich mit. Es gibt Tage , da kann ich da sehr gut mit umgehen. Manchmal ist es ein Gefühl, als ob da gar keine Emotionen sind, ich fühle so nichts, so leer, so als wenn da garnichts ist außer ein gewöhnlicher Termin. Als wenn es schon zum täglichen Ablauf dazu gehört. Dann gibt es Situationen, die mache ich mit tiefem Herzen, weil ich nicht weiß, wie oft kann ich sie noch mit ihr erleben. Wie einen Sog nehme ich es mit, wenn wir gemeinsam ein Konzert besuchen. Im Leben, wo diese Krankheit nicht mitspielen würde, gäb es mit Sicherheit das ein oder andere Mal, wo ich aus finanzieller Sicht absagen würde. Jetzt aber nicht, weil die Zeit eine gewichtige Rolle spielt und ich zu 100% weiß, dass ich ihr nichts abschlagen kann. Es ist ihr verdammtes Leben. Natürlich weiß ich auch nicht, ob ich morgen, übermorgen noch lebe, weil ein Idiot auf der Straße nicht aufpasst, aber das kann ich nicht planen. Aber uns die Zeit geben, die wir haben und erleben möchten, dass kann ich planen. Mit ihr einfach nur da sitzen und ihr zuhören, ihr die Hand zu reichen und den Rücken stärken, damit die Kraft nicht ausgeht, ist mit das Wichtigste, was ich ihr geben kann. Genauso wichtig wie das Lachen über irgendwelche alberne Dinge. Und wehe wir werden losgelassen. Jeder weiß, wie wir zwei Lachen können! Ich möchte die Hälfte Lache , die zu mir gehört nicht vermissen. Ich brauch sie, genauso wie ein anderer die Luft zum Atmen braucht. Und doch weiß ich, dass es vergänglich ist. Und dann kommt diese Wut manchmal in mir hoch. Nur manchmal, aber wenn sie kommt, dann macht sie mich machtlos!

Ehe- Familie- Partnerschaft

Das Erste das der Mensch im Leben vorfindet,

das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,

das Kostbarste, was er im Leben besitzt,

ist die FAMILIE !

Ein für mich sehr wichtiges Thema, weil ich ohne dem nicht existieren könnte. Es würde das Lebendige in meinem Leben fehlen.

Wer meine Blogs zuvor gelesen hat, weiß, dass ich selber in einer großen Familie aufgewachsen bin. Wenngleich auch die Familie in der ich aufwuchs nicht immer die Familie war, wie man es sich gewünscht hätte. Mir fehlte schon sehr früh die nötige Geborgenheit, der nötige Rückhalt und auch manches mal die nötige Liebe. Mit den Jahren gewinnt man einen gewissen Abstand zu den erlebten Dingen und reflektiert sie auch anders. Meine Mutter gehörte zu der Generation, in der man nie viel über persönliche Gedanken und Gefühle oder gar über Probleme des Alltags, großartig gesprochen hat. Vieles war dann eben einfach so und man hatte es zu akzeptieren. Ein „Ja aber…“ brauchte man gar nicht erst anbringen. Nun war meine Mutter ja auch frühzeitig allein erziehend mit 4 Kindern und ich glaube, dass auch sie nicht immer den nötigen Rückhalt hatte. Dennoch hätte ich mir bei gravierenden Problemen mehr Mutter gewünscht. Oft kam der Eindruck bei mir an, dass man mich besser nicht mehr zu Hause hat und somit meine Schwester, die die Jüngste von uns war, das Kind war, was gerne betüdelt wurde. Dadurch kam auch viel Neid und Missgunst unter uns Schwestern auf. Wir waren uns sehr lange nicht grün und es gab oft Streit. Zu meinen Brüdern hatte ich eigentlich immer ein recht gutes Verhältnis. Mein älterer Bruder übernahm lange die Vaterrolle und genau als solches wurde er auch lange unbewusst angesehen. Man blickte immer zu ihm auf, ungeahndet dessen, das auch er sich nicht immer in dieser Rolle wohl fühlte und durch sein Leben längst schon sehr selbstständig ging. Immerhin ist er neun Jahre älter als ich. Der jüngere Bruder meisterte sein Leben, indem er oft mit ganz viel Glück und Geschick aus den tiefsten Miseren, die sein Leben so parat hielt, wieder heraus kam. Für mich war er oft das kleine Schlitzohr mit Charme. Immer wieder hatte er ein wenig Blödsinn im Kopf, den ich auch in unserer Kindheit manches mal mit ihm geteilt habe und mir dann sinnbildlich vor Lachen in die Hose gemacht habe. Aber eines hatten wir alle gemeinsam: lange Zeit und teilweise auch heute noch, hat niemand über seine wirkliche Gefühle, Sorgen oder Erlebten gesprochen. Vieles, vieles wurde verschwiegen und nicht mal ansatzweise darüber geredet. Aus Angst? Weil man nicht zugeben wollte, das einen etwas belastet oder man die Dinge einfach anders sieht? Aus Sorge, es könnte wieder Streit geben? Ich weiß es nicht. Und wenn mich heute jemand nach meinen Geschwistern fragt, dann kann ich sagen, das ich zu Allen guten Kontakt habe, aber ich möchte ganz vorsichtig behaupten, das ich noch zu wenig weiß. Jeder hat inzwischen seine eigene Familie mit Kindern und wir wohnen recht verteilt in Deutschland, vom Norden bis zum Süden, wobei wir Schwestern uns in der Mitte Deutschlands aufhalten. Wir wohnen quasi im gleichen Ort, was es leichter macht, sich auszutauschen. Das war Anfangs auch nicht in der Form gegeben, wie es heute ist. Aber ich kann eins ganz sicher sagen, wenn irgendetwas wäre, womit wir Geschwister uns helfen könnten, dann würden wir es tun. Wir sind das einzigste, was aus dieser Familie übrig geblieben ist. Ich kenne keine Tanten oder Onkel, Oma und Opa waren nach dem Tod von meinem Vater nicht mehr greifbar und wieviele Tanten oder Onkel es überhaupt gab, ist mir nicht bekannt. Auch von dem damaligen Freundeskreis unserer Familie ist nicht viel übrig geblieben. Wir haben uns alle zurück gezogen, teils auch durch berufliche Gründe. Weihnachten wurde so lange wie es ging immer zusammen gefeiert und auch bei runden Geburtstagen unserer Mutter hat sich unsere Familie zusammen gefunden. Dennoch hätte ich nie das Gefühl, das wir eine innig liebende Familie sind. Ich empfand es eher als Getue vor den ach so tollen „Freunden“ unserer Mutter. Heute verbindet mich mit dem Ort, was ein Heimatort sein sollte, irgendwie nichts mehr.

Ein wenig anders erging es mir mit der Familie meiner allerbesten Freundin/Sis, die quasi zu meiner Pflegefamilie wurde. Es war keine Pflegefamilie, wie man es typisch kennt- ein Kind wird angenommen oder adoptiert. Ich war immer die Freundin ihrer Tochter und irgendwie doch ein zweites Kind. In der gemeinsamen Schulzeit war ich oft am Wochenende bei ihr und so entstand mit den Jahren eine enge Bindung. Da lernte man, was es heißt zusammen zu halten und für den anderen da zu sein. In dieser Familie gab es Schicksalsschläge ohne Ende, meist durch die beschissene Krankheit dem Krebs. Der Papa war Frührentner, bedingt durch einen Bandscheibenvorfall. Der Krebs hält bis heute Einzug, als wenn er dort Miete zahlen würde, quer durch die ganze Generation. Das Kind meiner Sis war als Baby schwer krank, bis man die Ursache fand und es sich als Zöliakil herausstellte. Immer und immer wieder gab es auch da neue Hürde zu bewältigen. Vielleicht ist das der Punkt, warum man da Familie einfach anders lebt und erlebt. Es wird geredet, gelacht, geweint, wie in jeder anderen Familie auch. Aber der Zusammenhalt ist ein anderer. Er unterscheidet sich massiv von vielen anderen Familien. Jeder weiß alles alles über den anderen. Man redet offen und auch wenn man nicht einer Meinung ist- was selten vorkommt- stärkt man sich den Rücken. Familie gleichzustellen mit Heimat.

Eine sehr große Familie lernte ich durch meinen ersten Mann kennen. Mein Exmann wuchs mit 8 Geschwistern auf. Die Eltern besaßen früher eine Gastronomie und auch dort gab es ein Krankheitsbild, was sich durch die männliche Generation hindurchzog, die Diabetes. Der Vater musste gepflegt werden, da seine Beine amputiert wurden. Er lebte aber auch nicht nach Anweisungen der Ärzte. In dieser Familie gab es nicht den Funken an Herzlichkeit und Liebe. Alles war so alltäglich und jeder Tag wurde eben als „wieder ein Tag gelebt“ gewertet. In dem Verhalten von meinem Exmann merkte man sehr schnell, was alles schief gelaufen war in seiner Kindheit. Von den Erzählungen seiner Geschwister weiß ich, das es ihn wohl am Schlimmsten getroffen hatte. Ich glaubte immer, das ich mit dem nötigen Verständnis und der Liebe zu ihm, ihm zeigen könnte, dass es auch anders geht. Selbst mit einer Therapie, die eigentlich unsere Ehe retten sollte, war kein Durchkommen möglich. Seine Geschwister leben alle verteilt und nur die wenigsten von ihnen haben regelmäßig Kontakt zueinander. Wir selbst haben einen guten Kontakt zu einem Bruder von ihm, da er der Patenonkel von meinem Sohn ist und meiner Meinung nach der Einzigste ist aus der Familie, der den Absprung geschafft hat. Ich persönlich finde es sehr schade, dass in einer so großen Familie kein Zusammenhalt besteht. Die Eltern leben nicht mehr, jeder geht seinen Weg und nur ganz wenige wissen, wie es dem anderen geht. Sehr traurig.

Aber mit diesem Mann entstand meine eigene Familie. Wir heirateten recht schnell- wahrscheinlich zu schnell. Wir bekamen Kinder, gingen arbeiten, und lebten quasi so wie viele andere auch. Unsere Kinder liebten wir. Jeder auf seine Weise. Erst sehr spät erkannte ich, das ich nicht liebte, sondern funktionierte. Wir hatten viel zu kämpfen, oft in finanzieller Hinsicht. Das raubte Kraft und machte unseren Alltag bald zu einem eintönigen Alltag. Wo ich nie dran gespart habe, wenn es um Taufen, Kindergeburtstage, Kommunionen oder andere Familienfeste ging. Unermüdlich habe ich alles bis ins kleinste Detail geplant und dabei immer aus dem geschöpft, was mir möglich war oder ich einfach zu Hause hatte. An diese Feiern sollten meine Kinder sich lange erinnern und unsere Gäste sollten sich wohlfühlen. Unsere Kinder hatten nie übermäßig viel, aber soviel, das es Ihnen gut ging. Alles, was mir in meiner Kindheit fehlte, wollte ich meinen Kindern geben: Verständnis, Liebe, Rückhalt, offene Gespräche. Sie hatten es nicht immer einfach in der Schulzeit. Mobbing kam immer wieder stärker durch, aber ich stand wie ein Baum hinter meinen Kindern. Leider konnte ich das von dem Vater der Kinder nicht behaupten. Er tat vieles als lapidar ab. Da war sie wieder – seine Vergangenheit. Ich schaffte es nicht, ihn davon zu überzeugen, dass das was er erlebt hatte, bitte nicht auch an die Kinder weiterzugeben. Es saß zu tief in ihm drin. Das war der gravierendste Punkt, der unsere Trennung einläutete. Ich kam an seinen sturen Kopf nicht ran. Selbst nach der räumlichen Trennung hoffte ich, dass er sich wenigstens dann liebevoll um seine Kinder kümmert. Er war verbittert bis heute noch. Also blieb die Aufgabe bei mir, den Kindern ein Stück Heimat in der Familie zu bieten. Ich habe es gerne gemacht und ich glaube auch, dass es mir gelungen ist. Zusammenhalt, Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit waren mir so wichtig meinen Kindern mitzugeben. Nicht das Materielle war wichtig, um das wir aber oft kämpfen mussten. Natürlich hat nicht alles sofort funktioniert. Jeder musste ja auch erstmal seine Erfahrungen sammeln und es gab auch mal richtig hitzige Diskussionen mit Tränen verbunden. Aber mit Gewissheit kann ich sagen, das wir zusammenhalten und uns den Rücken stärken. Niemand wird alleine gelassen.

Und plötzlich kam da noch eine ganz neue Familie auf uns zu. Nach längerem Alleinsein, sollte ich das Glück haben, erneut einen Mann an meiner/ unserer Seite zu haben. Familie gründen war in unserem Fall schon geschehen. Mein Mann hatte ein Kind und ich stand auch mit den 4 Kindern mitten im Familienleben. Aber dennoch brachte mein Mann etwas mit, was uns als Familie erst komplett machte. Und ich rede davon nicht ausschließlich in seiner Funktion als Mann, sondern eher als Vater und Partner, später als Ehemann. Mein Mann eroberte die Herzen der Kinder im Sturm. Er hat ein Händchen für Kinder. Alles machte er mit, die schwierige Zeit der Pubertät,Unterstützung in der Entwicklung der Kinder, egal ob in der Schule oder bei den Hobbies. Hierbei ging es um grundlegende Dinge, die ich als Mutter den Kindern gar nicht bieten konnte. Für einiges gehört halt eben eine männliche Person an den Start. Eine Mutter kann ganz viel, aber einen Vater kann sie eben auch nicht in allen Dingen ersetzen und wenn es dabei nur um eine Rasur der ersten Barthaare geht. In manchen Gesprächen, insbesondere in der Pubertät, kann eben auch nur ein Papa verstehen, was in den Männern vorgeht. Nicht immer ist bei uns Friede, Freude, Eierkuchen und nicht immer herrscht hier gute Laune. Aber ich muss diese Alltagssituationen auch nicht mehr alleine bewältigen. Ich habe jemanden an meiner Seite mit dem ich mich austauschen kann, wo ich mal was abgeben kann, mich anlehnen kann und wir uns den Alltag in einer Familie teilen können. Nicht auch nur einen einzigen Augenblick muss ich das in Frage stellen, von Beginn an nicht. Ich möchte nicht behaupten, das wir eine Vorzeigefamilie sind, aber ich behaupte, das wir Familie leben mit allem was dazu gehört: Liebe, Streit, schlechter und guter Laune, Vertrauen, Respekt, Verständnis, Meinungsverschiedenheiten, Gespräche, Arbeiten, Leben leben. Ich bin so dankbar, das ich Familie leben kann.

Auch mein Mann hat natürlich eine Familie mitgebracht. Er selbst wuchs mit drei Schwestern auch in einem ländlichen Dorf auf. Es ist eine große Familie, weil es viel Verwandtschaft gibt. Jeder ist mit Jedem irgendwie verwandt. Die Eltern und seine Geschwister wohnen mit ihren Familien alle zusammen in einem Dorf, sind quasi auch Nachbarn. Mit Sicherheit hatten seine Eltern sich das anders vorgestellt, als ihr einziger Sohn mit einer vierköpfigen Familie um die Ecke kam. Aber sie akzeptierten es und für mich schien es wie ein Wunder zu sein. Wir mussten uns auch erst annähern, aber als der Bann gebrochen war, wir uns kennenlernten, glaubte ich manchmal nicht, das dies alles wahr ist. Sollte ich tatsächlich nochmal in eine „heile“ Familie einheiraten? Sollten die Kinder tatsächlich in den Genuss kommen, Oma und Opa haben zu können? Alles deutete darauf hin und mit der Hochzeit von mir und meinem Schatz, kamen dann auch so Sätze wie: du kannst alles zu mir sagen, Oma/ Opa oder uns beim Vornamen nennen, aber bitte bitte nicht Stiefoma/Opa! Bei Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten werden wir nie außen vor gelassen. Vielmehr gab es bei mir irgendwann einen Zeitpunkt, an dem ich wohl überfordert war. Ich kannte es nicht, dass man Aufgaben aufteilen kann, dass man nicht alles alleine organisieren muss, das man sich auch Hilfe und Ratschläge von anderen Familienmitgliedern einholen kann. Immer stand ich bis zu diesem Zeitpunkt alleine da und man kam ja gar nicht erst auf die Idee nachzufragen. Regelmäßige Treffen zu Geburtstagen oder einfach nur mal so, kannte ich in dem Ausmaß nicht. Ich finde das richtig gut, konnte dem aber irgendwie nicht standhalten. Ein Prozess, der mir bis heute schwer fällt. Wahrscheinlich kann man dies schwer nachvollziehen. Ich liebe sie Alle, aber eben anders als diese Familie es kennengelernt hat oder gewohnt ist. Auch hier würde niemand den anderen im Regen stehen lassen. Gerade in letzter Zeit gab es auch dort immer wieder Krankheiten bei den Familienmitgliedern, was betroffen macht. Manchmal wissen wir nicht, wo wir hin sollen mit all diesen Krankheitsgeschichten. Wir machen viel mit uns selber aus, aber eins steht fest: Blut ist dicker als Wasser und für mich ist Familie etwas ganz besonderes.

Familie zu haben, kann so unterschiedlich aussehen. Für jeden hat Familie auch eine andere Bedeutung, aber es nicht von der Hand zu weisen, das der Ursprung einer Familie bei jedem gleich ist. Haltet fest aneinander, und begegnet euch mit Respekt, Toleranz und haltet zueinander. Die Grundsteine werden in der Familie gelegt. Bei allen Familienarten, die ich alleine nur in Bezug auf meine Person betrachten kann, bin ich dankbar, das ich die Möglichkeit hatte, soviel Familie kennen zu lernen.