Ich hab ein Kind im Ohr

Dies ist eigentlich ein Satz aus einer Werbung für Hörgeräte. Und eigentlich bekomme ich meistens bei der Werbung nicht viel mit, aber dieser Satz ist mir tatsächlich im Ohr hängen geblieben. Ohne anfangs zu wissen, dass es sich um ein Hörgerät handelt, habe ich mir diesen Satz erstmal für Sekunden durch den Kopf gehen lassen. Ich dachte zunächst es ging dabei um ein Kinderprojekt, bis der Verlauf der Werbung mir was anderes darstellte. Dennoch ging mir der Satz nicht aus dem Kopf und sagte ihn mir immer wieder:

>>Ich hab ein Kind im Ohr<<

Jeden Tag bin ich umgeben von Kindern, von meinen eigenen Kindern und von den Kindern in der Schule und im Ganztag. Manchmal sagt man ja auch, die Kinder liegen mir im Ohr. Diese Aussage hat aber eher so einen kleinen negativen und genervten Beigeschmack. Aber ein Kind im Ohr zu haben, ist für mich damit gleichzusetzen, dass ich aufmerksam bin auf das Kind, was mich umgibt. Ich sehe und höre es. Ich höre zu und reagiere darauf. Es ist mir nicht egal und ich lasse mich voll und ganz darauf ein. Natürlich gelingt das nicht immer und nicht bei jeder Gelegenheit. Gerade dann nicht, wenn man von mehreren Kindern umgeben ist. Aber es nachhaltig im Ohr zu belassen und ihm dann später meine Aufmerksamkeit zu schenken, kommt dem Kind im Ohr gleich.

Kinder benötigen unsere Liebe, Fürsorge, Aufmerksamkeit und unser Verständnis. Kinder benötigen Regeln und Grenzen, auch das ist Liebe am Kind. Wenn ich ein Kind mit all seinen Ecken und Kanten nicht als ein Ding, sondern als ein Diamant betrachte und genauso behandle, dann habe ich ein Kind im Ohr. Und nicht nur im Ohr, sondern auch im Herzen.

Um die Sprache der Kinder zu verstehen, muss man genau zu und hinhören. Dazu muss man sein Kind im Ohr haben. Lausche den Sätzen, lausche dem Klang der Stimme, ist es eine Bitte oder gar ein Flehen, sind es Ängste oder Träume, klingt es fröhlich und ausgelassen oder eher ängstlich und zurückhaltend, ruft es nach Wärme und Geborgenheit oder ist da Verzweiflung in der Stimme, ist es ein Ruf nach Hilfe oder nach einem Vertrau mir, ist es die Stimme die sagt, ich bin schon groß oder die Stimme, die sagt, halt mich noch ein wenig fest. Hab dein Kind im Ohr und somit auch im Herzen.

Ob die Macher der Werbung wohl jemals darüber nachgedacht haben, was für eine Auswirkung so ein Slogan haben kann? Es wäre wünschenswert, denn dann hätte man noch mehr hörende Ohren erreicht. In diesem Sinne habt ein gutes und wachsames Ohr und öffnet euer Herz.

Aus der Werbung für Hörgeräte #unbezahlte Werbung

Dezember

Kaum ein anderer Monat bietet so eine große Vielfalt wie der Monat Dezember. In keinem anderen Monat des Jahres macht man sich so viele Gedanken und nutzt die ganze Bandbreite des Dekorierens, des Schenkens, der Freude, der Gemütlichkeit, des Beisammenseins. Man überlegt, wem man mit was eine Freude bereiten kann. Welches Geschenk passt und wie berühre ich damit sein Herz und zeige ihm, wie gerne ich ihn habe. Was mache ich besonderes zu essen, damit es allen schmeckt. Ist die Familie an Weihnachten zusammen und genießen wir das Beisammensein. In Familien mit Kindern wird sich sehr viel mehr Zeit genommen um Geschichten vorzulesen. Es werden Weihnachtsfilme zusammen geschaut.

Emotionen haben soviel Platz wie in keinem anderen Monat. Von Traurigkeit, weil man einen lieben Menschen nicht um sich hat in diesem besonderen Monat bis hin zur Freude, die wir selber verspüren und weitergeben. Wieviele Überlegungen und Gedanken stecken in einem selbst, um all das umzusetzen. Da wird immer davon geredet, dass man mehr Zeit haben sollte für die Familie. Zeit haben für Advent und Weihnachten. Aber sind wir doch mal ehrlich: ist das nicht auch Zeit, die wir uns nehmen? Zeit haben für all die Gedanken, Zeit für Freude, Zeit für gemeinsame Stunden? Denken wir in einem anderen Monat soviel darüber nach? Ich glaube nicht. Unser ganzes Potenzial läuft in diesen einen Monat. Ich nehme mir die Zeit, lieb gewonnenen Menschen eine Freude zu bereiten. Ich nehme mir die Zeit Plätzchen zu backen. Ich nehme mir die Zeit der Adventssontage. Ach,und eh ich es vergesse, für Nikolaus nehme ich mir auch Zeit. Ich nehme mir Zeit um vielleicht einen Weihnachtsgruß zu versenden. Die einen basteln einen Adventskalender oder überlegen was kann ich in all die 24 Beutelchen füllen. Die anderen kaufen einen Adventskalender und haben sich Gedanken gemacht, welches der richtige ist. Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn sind oft Menschen, die zusätzlich zur Familie mit einer Kleinigkeit überrascht werden. Das sind Dinge, für die wir ganz viel Zeit verwenden und schenken. In keinem anderen Monat des Jahres, geschehen all diese wunderbaren Dinge in dem Ausmaß. Es ist gerade so, als ob man ein ganzes Jahr wett machen möchte. Ich finde den Monat Dezember wunderbar, weil ich soviel von meiner Zeit, meinen Gedanken und meiner Freude an andere weitergeben kann.

Adoption Notartermin

Ein wichtiger Schritt liegt heute vor uns. Ein Schritt, der den Stein so richtig ins Rollen bringen wird. Gleichzeitig begleiten uns aber auch viele Gedanken bei diesem Weg. Aber von vorne:

Aus meiner 1.Ehe habe ich vier Kinder, die heute im Alter zwischen 18 und 27 sind. Diese vier Kinder kamen vor knapp 1,5 Jahren auf meinen jetzigen Mann zu und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte sie alle zu seinen eigenen Kindern annehmen würde und sie adoptieren würde. Das saß erstmal. Gerührt mit Tränen in den Augen und sprachlos zu gleich, bestückt mit Stolz, nahmen wir bzw mein Mann die Herausforderung an. Zunächst holten wir uns erstmal Informationen herein, was überhaupt möglich ist. Man unterscheidet dabei zwischen einer „gewöhnlichen“ Adoption und einer Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht. Bei dem Alter meiner Kinder und dem Vorhaben, nicht nur einfach einen Nachnamen geändert zu bekommen, sondern richtig adoptiert zu werden, kam nur zweiteres in Frage. Dazu muss man verschiedene Anforderungen erfüllen. Eine davon ist, dass alle Kinder unter 18 gewesen sein müssen, als mein jetziger Mann in unser Leben trat bzw in das Leben meiner Kinder. Und das ist so gewesen. Als wir heirateten waren selbst da noch alle unter 18. Was bedeutet nun Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht? Zum einen eben, dass alle noch keine 18, also minderjährig waren und zum Anderen, dass die Wurzeln zum Erzeuger komplett gekappt werden. Die Kinder müssen dann später nicht mehr für ihn aufkommen, wenn es darum geht, dass er pflegebedürftig ist. Genauso wenig natürlich im umgekehrten Fall. Was für eine Hommage an alle Beteiligten. Lasst es euch bitte mal durch den Kopf gehen…. 💭 Ich möchte hier an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was alles gewesen ist, warum meine Kinder solche Entscheidungen getroffen haben. Aber wenn man sich das Alter ansieht, dürfte einiges klar sein. Warum sonst gehen Kinder , die alle ein erwachsenes Alter erreicht haben, so einen Schritt? Und wie sagte ich so schön zu meinem Mann? „ Glückwunsch, alles richtig gemacht!“ – es waren nie seine leiblichen Kinder, aber er hat nie auch nur einen Unterschied gemacht. Von heute auf morgen kam er in eine Welt mit teils noch verstörten und geprägt von inneren Verletzungen und pubertierenden Kindern. Es war bestimmt manchmal zum Weglaufen. Er hat sie nie von Babybeinen an gekannt und musste sich in sie reinversetzen. Er hat das getan, was ein Vater tun muss und sollte- mit Liebe, Verständnis und Empathie Kinder begleiten und für sie da zu sein. Und ich behaupte, dass es nicht immer einfach war, weder für ihn noch für mich. Jeder der Kinder hat, kennt das Leben und was damit einhergeht. Kinder sind ein großer Gewinn, aber es gibt Tage wo man selbst nicht weiter weiß und heimlich weint.

Nachdem wir uns nun reichhaltig mit Informationen bestückt haben, gab es dann weitere Informationen bei einer Notarin. Sie fragte nach und erklärte uns dann noch einiges. Unter anderem auch, dass der leibliche Sohn und dessen Mama auch gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Ich bin so froh, dass wir ein so gutes Verhältnis miteinander haben, dass wir uns dahingehend keine Gedanken machen müssen. Wir sind mit dem Sohn (12Jahre) ehrlich und offen ins Gespräch gegangen, was das überhaupt bedeutet. Welche Auswirkungen das für ihn hat. Er hat geweint, weil er sich so gefreut hat. Und auch die Mama von ihm spricht uns überhaupt nicht dagegen. Was für ein Glück wir haben. Das geht aber nur, wenn man sein Gegenüber wertschätzt und auch mit allem offen ins Gespräch geht. Das war anfangs auch nicht so. Mit der Zeit haben wir einen sehr guten Weg gefunden, miteinander und nicht gegeneinander umzugehen, sowohl im Sinne von Kind als auch für uns.

So sind wir nun heute alle bei unserer Notarin und werden die Anträge für das Gericht unterschreiben. Was für ein Tag. Es ist nur eine Unterschrift, aber eine ganz gewichtige Unterschrift. Werden wir bei Gericht einen Erfolg erzielen können? Wie lange dauert es bis das die Verhandlungen beginnen? Was wird der Erzeuger oder anders mein Ex-Mann dazu sagen? Wie wird er reagieren? Soviel steht fest: er wird angehört werden, und er muss nicht zustimmen, da aber alle über 18 sind, hat die Nichtzustimmung keine große Auswirkung für ihn. Das könnte ihn wiederum unberechenbar machen. Das ist meine größte Angst. Dies hält uns aber nicht davon ab, den Schritt zu gehen und die Unterschrift hier und heute darunter zusetzen. Danach werden wir zusammen essen gehen und schauen wie es in uns aussieht. Ich berichte euch weiter davon .

Habt es gut ihr Lieben und geht wertschätzend miteinander um!

Das Geschenk der Freundschaft

Ich glaube ich könnte ein Buch über Freundschaften schreiben. Es gibt den Blog über Freundschaften, in dem ich über seelenverwandte Freundschaften schreibe und über Freundschaften, die die meisten von uns besitzen. Ich schrieb über wertvolle Momente, als ich mit zwei Freundinnen schöne Stunden verbrachte. Und gleich heute erlebte ich wieder dieses wunderbare Ergebnis einer längeren Freundschaft. Auch sie ist eine ehemalige Arbeitskollegin, die vor einigen Jahren nach Irland zog. Wir sind in Kontakt geblieben über die heutige Medienwelt. Heute war sie das erste Mal wieder in Deutschland und wir haben uns getroffen. Ich war so überwältigt davon, dass mir die Tränen liefen. Ich weiß, dass es jetzt wieder lange dauern wird bis wir uns real live sehen werden. Deswegen habe ich jeden Moment umso mehr genossen. Ich danke dir für diesen tollen Tag und die gemeinsamen Stunden.

Und in dem Moment, wo ich das hier schreibe, gehen mir so viele Freundschaften durch mein Herz. Die Freundin, die in direkter Nachbarschaft wohnt. Wieviele Runden gehen wir gemeinsam mit dem Hund und tauschen uns über Alltägliches aber auch über manche Probleme und Launen aus. Wir gehen mal frühstücken, mal auf eine Messe. Alles was uns das Leben bietet und ich weiß, dass sie mich nie im Regen stehen lassen würde. -Danke Dir von Herzen.- Eine andere Freundin, die mir in sehr schwerer Zeit durch das Leben geholfen hat und mit der es auch viele wertvolle Gespräche gegeben hat. Leider liegt es oft an der Zeit, dass wir uns nicht so oft treffen können. Aber der Moment als sie bei der Geburtstagsfeier meiner Tochter mit ihrer Tochter vorbei kam um kurz Hallo zu sagen und einige Momente sich zu unterhalten, zeigt mir, dass eine Verbundenheit vorhanden ist. -Danke auch euch.- Eine Arbeitskollegin, die sich auch zur Freundschaft entwickelt hat, brauchte viel Unterstützung. Ein Auf und Ab begleitet sie momentan im Leben. Wir haben uns getroffen und viele Gespräche ausgetauscht. -Auch dafür bin ich dankbar, weil man mir vertraut.- Mit einer langen Weggefährtin und Freundin treffe ich mich je nach Zeit aber dennoch regelmäßig um längere Strecken zu laufen. Meistens durch den Wald und abseits vom Stadtgeschehen. Wir haben Kinder im gleichen Alter und verstehen uns sehr gut, wenn es um alltägliche Sorgen geht. Wir sind da absolut auf einem Level und es tut immer wieder gut miteinander zu reden. -Dankbare Momente.- Bei meiner erweiterten Ausbildung, lernte ich zwei mitstudierende Frauen kennen, wo sich ebenfalls eine Freundschaft entwickelte. Eine von ihnen lernte ich recht früh kennen und wir lernten viel zusammen. Dadurch lernten wir uns näher kennen und es bot sich eine Einheit in Denken und Handeln. Wir wollten uns zusammen was aufbauen, und sind immer noch füreinander da. Auf einem Seminar lernten wir dann weitere wertvolle Menschen kennen und zu einem Menschen gibt es auch eine wundervolle Verbindung, was man auch als Freundschaft versteht. Man vertraut sich Dinge an und genießt dort den Moment der Freundschaft. -Dankbar! –

Man mag sich fragen, sind das wirklich alles Freundschaften? Übertreibt sie da nicht? Nimmt sie das Wort Freundschaft nicht zu leicht? Ich kann euch beruhigen. Ich vergleiche Freundschaft nicht mit Bekanntschaft und ich kenne die Unterschiede sehr wohl. Nicht immer werde ich allen gerecht, wenn es darum geht sich regelmäßig zu treffen, aber eins weiß ich genau, dass ich mich auf all diese Freundschaften verlassen kann. Nicht eine einzige würde mich und meine Familie stehen lassen und ich nicht sie. Es kommt nicht darauf an, sich wöchentlich zu sehen, sondern im richtigen Moment da zu sein und Zeit zu haben, so wie bei meiner Sis. Ich verspüre große Dankbarkeit für diese Freundschaften und sie bereichern mein, dein und das Leben. Wenn man seinem Gegenüber mit Respekt begegnet, dann hat man das große Glück solche Freundschaften haben zu dürfen.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich über die gemeine Krankheit Krebs überhaupt schreiben möchte. Es gibt so viele Blogger, die aufgrund ihrer Krebserkrankung davon berichten und ihre Gefühle, Sorgen und Ängste, aber auch den Krankheitsverlauf niederschreiben. Warum sollte ich also auch davon schreiben, zumal ich selbst- Gott sei Dank- diesem Krebs nicht täglich die Kämpferfront bieten muss? Dennoch setze ich mich täglich mit dieser Krankheit auseinander. Jeden vedammten Tag!!! Mal kämpferisch, mal sentimental, mal empathisch. Wie ist das möglich? Meine Sis ( meine Follower wissen wovon ich rede) ist daran erkrankt, mein Daddy und eine enge Freundin ebenfalls. Und eigentlich hört man wöchentlich von irgendjemanden, der daran erkrankt ist. Auch ich folge dem ein oder anderen Blogger, die davon berichten. Schaut mal rein bei der lieben Mairose42.de oder bei der lieben Prinzessin_uffm_bersch.de oder bei weg_ins_leben_2.0.de, die sogar ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. „ Rock den Himmel mein Held“- ein sehr lesenswertes Buch, was schonungslos erzählt, was erlebt wurde. Das sind nur einige wenige Menschen, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen müssen.

Ich aber möchte euch davon erzählen, wie ich damit umgehe und was in mir vorgeht. Als ich damals die Nachricht von meiner Sis erhielt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, hatte man schon das Gefühl, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Und das tut es eigentlich auch mit jeder neuen Diagnose, die negativ ausfällt. Dieses Hoffen und Bangen, dieses Wechselbad der Gefühle macht soviel mit einem, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Schließlich setze ich mich ja auch nicht alleine damit auseinander. Meine Familie trägt es genauso mit. Wie sage ich es diesmal meinem Mann und den Kindern? Es ist ja nicht so, als ob es das erste mal wäre, dass wir solche Nachrichten bekommen, von Menschen, die tief in unserem Herzen verwurzelt sind.

Ich bin ein überaus optimistisch denkender Mensch und glaube und hoffe immer und immer wieder, dass sich alles zum positiven wendet. Aber was bitte ist daran positiv, wenn man „nicht heilbar“ hört? Nichts, rein gar nichts! Und dennoch weiß ich, das meine Sis alles, verdammt nochmal alles daran setzt, diesen Prozess so weit wie möglich zu verschieben. Und ich versuche alles, aber wirklich alles zu tun, damit sie sich darin unterstützt fühlt. Ich höre ihr zu, wir lachen, weinen, reden, feiern und schweigen zusammen. Es ergibt sich von selbst, was gerade an Gefühlen seinen freien Lauf braucht und wie wir es gemeinsam handhaben. Dabei bedarf es keiner Worte. Wir wohnen einige 100km auseinander, aber die Termine für jede neue Untersuchung trage ich mit. Wenn sie nach Köln in die Klinik muss, versuche ich diese Termine mit wahrzunehmen. Es ist ca die halbe Strecke zwischen uns. Und all die anderen Termine trage ich gedanklich mit. Es gibt Tage , da kann ich da sehr gut mit umgehen. Manchmal ist es ein Gefühl, als ob da gar keine Emotionen sind, ich fühle so nichts, so leer, so als wenn da garnichts ist außer ein gewöhnlicher Termin. Als wenn es schon zum täglichen Ablauf dazu gehört. Dann gibt es Situationen, die mache ich mit tiefem Herzen, weil ich nicht weiß, wie oft kann ich sie noch mit ihr erleben. Wie einen Sog nehme ich es mit, wenn wir gemeinsam ein Konzert besuchen. Im Leben, wo diese Krankheit nicht mitspielen würde, gäb es mit Sicherheit das ein oder andere Mal, wo ich aus finanzieller Sicht absagen würde. Jetzt aber nicht, weil die Zeit eine gewichtige Rolle spielt und ich zu 100% weiß, dass ich ihr nichts abschlagen kann. Es ist ihr verdammtes Leben. Natürlich weiß ich auch nicht, ob ich morgen, übermorgen noch lebe, weil ein Idiot auf der Straße nicht aufpasst, aber das kann ich nicht planen. Aber uns die Zeit geben, die wir haben und erleben möchten, dass kann ich planen. Mit ihr einfach nur da sitzen und ihr zuhören, ihr die Hand zu reichen und den Rücken stärken, damit die Kraft nicht ausgeht, ist mit das Wichtigste, was ich ihr geben kann. Genauso wichtig wie das Lachen über irgendwelche alberne Dinge. Und wehe wir werden losgelassen. Jeder weiß, wie wir zwei Lachen können! Ich möchte die Hälfte Lache , die zu mir gehört nicht vermissen. Ich brauch sie, genauso wie ein anderer die Luft zum Atmen braucht. Und doch weiß ich, dass es vergänglich ist. Und dann kommt diese Wut manchmal in mir hoch. Nur manchmal, aber wenn sie kommt, dann macht sie mich machtlos!

Autismus

Stellt euch bitte folgende Situation vor:

Ihr trefft euch mit einer Freundin im Café. Ihr habt beide eure Kinder mitgenommen. Da gutes Wetter ist, setzt ihr euch nach draußen um die Sonnenstrahlen genießen zu können. Natürlich ist das Café bei dem Wetter voll mit Mitmenschen, denen es genauso geht wie euch. Während ihr beiden euch über Gott und die Welt unterhaltet, sind eure Kinder nicht zum stillsitzen zu begeistern. Sie stehen auf und turnen etwas lauter um die Sitzgelegenheiten herum. Ich möchte behaupten, dass sich mind. 80% der Mitmenschen darüber aufregen. Und sind wir mal ehrlich mit uns selber- es würde uns nicht anders gehen. Der Stempel für die Kinder und die Mütter ist bereits auf der Stirn: kein Benehmen, keine Erziehung, keine Rücksicht, flegelhaft, können die nicht woanders hingehen….. und, und und…. Niemand von diesen Menschen weiß, was tatsächlich in diesen kleinen Wesen vorgeht und auch niemand würde für sich in Frage stellen, dass da etwas anders sein kann, wie bei deinen eigenen Kindern.

Aber genau dieses eine Kind hat Autismus. Von außen nicht gleich sichtbar. Für dieses Kind waren die Menschen vielleicht schon zu viel. Laute Geräusche, enge Räume, viele Menschen, blendende Lichter sind einige Merkmale, die für Autisten ein großes Problem darstellen.

Ich sprach mit einer Mutter, die einen autistischen Jungen hat. Sie bemerkte schon im Säuglingsalter ihres Kindes, dass er Kontaktprobleme hatte. Er wurde steif , wenn ihn andere berührten oder gar in den Arm nahmen. Immer wieder zeigte er überempfindliche Reaktionen bei Hautberührungen. Wenn er als Baby gekrault wurde, stellten sich auch da Verkrampfungen ein. Bei der Verwandtschaft traf sie oft auf Unverständnis, wenn sie erklärte, dass da etwas anders ist. Jeder wollte das Baby im Arm haben und streicheln und abknutschen( etwas überspitzt) , aber niemand verstand, dass dies nicht gut war für den Jungen.

Auch heute noch lässt er sich nicht anfassen und reagiert überempfindlich bei Berührungen. Bei fremden Personen meidet er jeglichen Blickkontakt. Lobt man ihn für besonders gute Leistungen z.B. in der Schule, kann er damit gar nicht gut umgehen. Sich in Gefühle reinzuversetzen oder nachzuempfinden ist bei ihm nicht möglich. Der Schulalltag stellt diese Kinder vor eine große Herausforderung. Geregelte Abläufe sind für ihn so wichtig. Jede Veränderung unterbricht den eigenen Ablauf und braucht ewig, bis sich auf die neue Situation eingestellt werden kann. Ohne eine Begleitung/ Integrationsfachkraft ist ein gewöhnlicher Schulalltag nicht denkbar. Schon eine Stundenplanänderung bringt diese Menschen aus dem Gleichgewicht. Von jetzt auf gleich hauen ihn einzelne Termine raus. Im Grunde kann es sein, dass ein morgendliches Aufstehen schon die erste Unruhe einbringt, so die Mama. Sie stellt sich morgens schon darauf ein, dass der erste Satz mit „ lass mich schlafen.. ich geh da nicht hin…“ beginnt. Als Mama ist sie schon morgens angespannt, obwohl sie weiß, dass sie tiefen entspannt reagieren müsste. Sie weiß, dass er böse geträumt haben kann, von Angst, Dunkelheit und bösen Tieren, hässlichen Fratzen und alles was ihn fertig macht. Oft steckt dort der Schulalltag drin. Mit dem morgendlichen Aufstehen läuft es auf keinen Fall wie von selbst. Oft sind schon Tränen zu sehen, vor Wut und Angst, weil er in die Schule muss. Hin zu den gefährlichen Tieren, die ihn jagen und hetzen und mobben. Die Liebe der Mutter wird in Frage gestellt. Oder warum sonst, würde eine Mutter, die ihr Kind doch liebt, in die Höhle des Löwen schicken? Gerne würde sie ihn jetzt in den Arm nehmen und sagen das sie keine andere Wahl hat, aber das wäre fatal, da er ja keine Umarmungen mag!!

Wie oft hat sie sich schon anhören müssen, dass sie streng und konsequent sein soll, gerade bei ADHS- Kindern, was er ja auch noch hat. Das ist leichter gesagt als getan. Es ist doch vergleichbar mit den Ängsten, die ein jeder von uns hat- Spinnenphobie, Höhenangst, Platzangst…. gehen wir deswegen Bungee jumpen oder steigen in einen Aufzug? Würden wir in ein Terrarium mit Spinnen gehen? Nein, natürlich nicht! Warum also sollte man einem Kind mit autistischen Zügen das antun?

In meiner Arbeit als Integrationskraft ist mir oft aufgefallen, dass diese Kinder zwei Persönlichkeiten haben, die wahnsinnig schnell umspringen können. Nett und wild, in sich gekehrt und laut. Oft wird man beschimpft, was man aber auf keinen Fall persönlich nehmen sollte. Mit der eigenen Lautstärke kompensieren sie letztendlich die Lautstärke, die von außen auf sie einströmt. Autistische Kinder sind sehr oft kreativ und das mit einer langen Ausdauer, wenn man sie dabei nicht stört. Konstruktionen aus Lego, Werken mit Holz, malen, sind Dinge, die diese Menschen wieder runterholen. Wichtig ist, diese Dinge zu erkennen und einzusetzen in der Arbeit mit autistischen Kindern. Immer wieder nach Rückzugsmöglichkeiten suchen und das Kind aus Stresssituationen herausnehmen um sie dann wieder einzugliedern, ist eines der immer wiederkehrenden Aufgaben eines Schulbegleiters. Gewährleistet dem Kind, das es konstante Bezugspersonen hat, die möglichst selten wechseln. Manchen von ihnen fällt es schwer, mit den Gefühlen und der Mimik seiner Mitmenschen umgehen zu können oder gar deuten zu können. Dafür kann man einen Mimikwürfel erstellen, auf dem verschiedene Gesichtsausdrücke ( Emojis) abgebildet sind. Erklärt ihm die verschiedenen Gesten so sachlich wie möglich.

Für autistische Menschen ist es sehr wichtig einen geregelten und strukturierten Tagesablauf zu haben. Ebenso müssen das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen immer wieder aufgezeigt und gesteigert werden.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben von einem autistischem Jungen. Sicher gibt es viel mehr Erfahrungen und Erlebnisse. Gerne dürft ihr hier eure Erfahrungen niederschreiben und zu einem Austausch anregen. Denn sind wir doch mal ehrlich, unter Gleichgesinnten fühlt man sich verstanden und aufgehoben. Für alle Anderen wünsche ich mir, dass sie den Blick erweitern und sich nicht von Momentaufnahmen leiten lassen. Der lieben Mutter, mit der ich ein intensives Gespräch führen durfte, ein herzliches Dankeschön!

Ganz kurz möchte ich noch die verschiedenen Erscheinungsformen von Autismus erklären.

der frühkindliche Autismus: ist eine der bekanntesten Autismus- Formen. Er heißt frühkindlich, da er sich vor dem 3. Lebensjahr bemerkbar macht. Charakteristisch sind erkennbare Kontaktstörungen durch das Fehlen jeglicher Reaktion auf Zuwendung der Umgebung, zwanghafte Spielgewohnheiten und übermäßige Bindung an Einzelobjekte, Schmerzunempfindlichkeit, Sprachentwicklungsstörungen

das Asperger Syndrom: fällt meist erst im Schulalter auf und die auffallenden autistischen Züge sind milder ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus.,. Hemmungen im emotionalen – affektiven Bereich, Tendenz zur Abkapselung und Selbstisolierung, abweichen desDenkens vom sprachlichen Handeln, Probleme im Trieb- und Gefühlsleben, durchschnittlich bis überdurchschnittliche Intelligenz. Asperger Autisten sind überwiegend Jungen

der A- typische Autismus: dieser Autismus wird dann diagnostiziert, wenn keine anderweitige Diagnose gestellt werden kann. Z. B. wenn nicht alle Kriterien des frühkindlichen Autismus erfüllt werden, die Symptome aber dennoch auf eine Diagnose im autistischen Spektrum hinweisen.

das Rett- Syndrom: ist eine weitere Autismus- Spektrum- Störung und betrifft fast ausschließlich Mädchen. Erste Symptome treten etwa zwischen dem 6. Lebensmonate und dem 4. Lebensjahr auf. Die normale Entwicklung kommt dabei zunächst zum Stillstand, danach bilden sich die Fähigkeiten wieder zurück.

( aus: tk./ rochlexikon, Schuster, Schirmer )

Buchtipps:

Daniela Streiter- Wie es ist anders zu sein

Dagmar H. Mueller , Verena Ballhaus- Davids Welt, Vom Leben mit Autismus

Ehe- Familie- Partnerschaft

Das Erste das der Mensch im Leben vorfindet,

das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,

das Kostbarste, was er im Leben besitzt,

ist die FAMILIE !

Ein für mich sehr wichtiges Thema, weil ich ohne dem nicht existieren könnte. Es würde das Lebendige in meinem Leben fehlen.

Wer meine Blogs zuvor gelesen hat, weiß, dass ich selber in einer großen Familie aufgewachsen bin. Wenngleich auch die Familie in der ich aufwuchs nicht immer die Familie war, wie man es sich gewünscht hätte. Mir fehlte schon sehr früh die nötige Geborgenheit, der nötige Rückhalt und auch manches mal die nötige Liebe. Mit den Jahren gewinnt man einen gewissen Abstand zu den erlebten Dingen und reflektiert sie auch anders. Meine Mutter gehörte zu der Generation, in der man nie viel über persönliche Gedanken und Gefühle oder gar über Probleme des Alltags, großartig gesprochen hat. Vieles war dann eben einfach so und man hatte es zu akzeptieren. Ein „Ja aber…“ brauchte man gar nicht erst anbringen. Nun war meine Mutter ja auch frühzeitig allein erziehend mit 4 Kindern und ich glaube, dass auch sie nicht immer den nötigen Rückhalt hatte. Dennoch hätte ich mir bei gravierenden Problemen mehr Mutter gewünscht. Oft kam der Eindruck bei mir an, dass man mich besser nicht mehr zu Hause hat und somit meine Schwester, die die Jüngste von uns war, das Kind war, was gerne betüdelt wurde. Dadurch kam auch viel Neid und Missgunst unter uns Schwestern auf. Wir waren uns sehr lange nicht grün und es gab oft Streit. Zu meinen Brüdern hatte ich eigentlich immer ein recht gutes Verhältnis. Mein älterer Bruder übernahm lange die Vaterrolle und genau als solches wurde er auch lange unbewusst angesehen. Man blickte immer zu ihm auf, ungeahndet dessen, das auch er sich nicht immer in dieser Rolle wohl fühlte und durch sein Leben längst schon sehr selbstständig ging. Immerhin ist er neun Jahre älter als ich. Der jüngere Bruder meisterte sein Leben, indem er oft mit ganz viel Glück und Geschick aus den tiefsten Miseren, die sein Leben so parat hielt, wieder heraus kam. Für mich war er oft das kleine Schlitzohr mit Charme. Immer wieder hatte er ein wenig Blödsinn im Kopf, den ich auch in unserer Kindheit manches mal mit ihm geteilt habe und mir dann sinnbildlich vor Lachen in die Hose gemacht habe. Aber eines hatten wir alle gemeinsam: lange Zeit und teilweise auch heute noch, hat niemand über seine wirkliche Gefühle, Sorgen oder Erlebten gesprochen. Vieles, vieles wurde verschwiegen und nicht mal ansatzweise darüber geredet. Aus Angst? Weil man nicht zugeben wollte, das einen etwas belastet oder man die Dinge einfach anders sieht? Aus Sorge, es könnte wieder Streit geben? Ich weiß es nicht. Und wenn mich heute jemand nach meinen Geschwistern fragt, dann kann ich sagen, das ich zu Allen guten Kontakt habe, aber ich möchte ganz vorsichtig behaupten, das ich noch zu wenig weiß. Jeder hat inzwischen seine eigene Familie mit Kindern und wir wohnen recht verteilt in Deutschland, vom Norden bis zum Süden, wobei wir Schwestern uns in der Mitte Deutschlands aufhalten. Wir wohnen quasi im gleichen Ort, was es leichter macht, sich auszutauschen. Das war Anfangs auch nicht in der Form gegeben, wie es heute ist. Aber ich kann eins ganz sicher sagen, wenn irgendetwas wäre, womit wir Geschwister uns helfen könnten, dann würden wir es tun. Wir sind das einzigste, was aus dieser Familie übrig geblieben ist. Ich kenne keine Tanten oder Onkel, Oma und Opa waren nach dem Tod von meinem Vater nicht mehr greifbar und wieviele Tanten oder Onkel es überhaupt gab, ist mir nicht bekannt. Auch von dem damaligen Freundeskreis unserer Familie ist nicht viel übrig geblieben. Wir haben uns alle zurück gezogen, teils auch durch berufliche Gründe. Weihnachten wurde so lange wie es ging immer zusammen gefeiert und auch bei runden Geburtstagen unserer Mutter hat sich unsere Familie zusammen gefunden. Dennoch hätte ich nie das Gefühl, das wir eine innig liebende Familie sind. Ich empfand es eher als Getue vor den ach so tollen „Freunden“ unserer Mutter. Heute verbindet mich mit dem Ort, was ein Heimatort sein sollte, irgendwie nichts mehr.

Ein wenig anders erging es mir mit der Familie meiner allerbesten Freundin/Sis, die quasi zu meiner Pflegefamilie wurde. Es war keine Pflegefamilie, wie man es typisch kennt- ein Kind wird angenommen oder adoptiert. Ich war immer die Freundin ihrer Tochter und irgendwie doch ein zweites Kind. In der gemeinsamen Schulzeit war ich oft am Wochenende bei ihr und so entstand mit den Jahren eine enge Bindung. Da lernte man, was es heißt zusammen zu halten und für den anderen da zu sein. In dieser Familie gab es Schicksalsschläge ohne Ende, meist durch die beschissene Krankheit dem Krebs. Der Papa war Frührentner, bedingt durch einen Bandscheibenvorfall. Der Krebs hält bis heute Einzug, als wenn er dort Miete zahlen würde, quer durch die ganze Generation. Das Kind meiner Sis war als Baby schwer krank, bis man die Ursache fand und es sich als Zöliakil herausstellte. Immer und immer wieder gab es auch da neue Hürde zu bewältigen. Vielleicht ist das der Punkt, warum man da Familie einfach anders lebt und erlebt. Es wird geredet, gelacht, geweint, wie in jeder anderen Familie auch. Aber der Zusammenhalt ist ein anderer. Er unterscheidet sich massiv von vielen anderen Familien. Jeder weiß alles alles über den anderen. Man redet offen und auch wenn man nicht einer Meinung ist- was selten vorkommt- stärkt man sich den Rücken. Familie gleichzustellen mit Heimat.

Eine sehr große Familie lernte ich durch meinen ersten Mann kennen. Mein Exmann wuchs mit 8 Geschwistern auf. Die Eltern besaßen früher eine Gastronomie und auch dort gab es ein Krankheitsbild, was sich durch die männliche Generation hindurchzog, die Diabetes. Der Vater musste gepflegt werden, da seine Beine amputiert wurden. Er lebte aber auch nicht nach Anweisungen der Ärzte. In dieser Familie gab es nicht den Funken an Herzlichkeit und Liebe. Alles war so alltäglich und jeder Tag wurde eben als „wieder ein Tag gelebt“ gewertet. In dem Verhalten von meinem Exmann merkte man sehr schnell, was alles schief gelaufen war in seiner Kindheit. Von den Erzählungen seiner Geschwister weiß ich, das es ihn wohl am Schlimmsten getroffen hatte. Ich glaubte immer, das ich mit dem nötigen Verständnis und der Liebe zu ihm, ihm zeigen könnte, dass es auch anders geht. Selbst mit einer Therapie, die eigentlich unsere Ehe retten sollte, war kein Durchkommen möglich. Seine Geschwister leben alle verteilt und nur die wenigsten von ihnen haben regelmäßig Kontakt zueinander. Wir selbst haben einen guten Kontakt zu einem Bruder von ihm, da er der Patenonkel von meinem Sohn ist und meiner Meinung nach der Einzigste ist aus der Familie, der den Absprung geschafft hat. Ich persönlich finde es sehr schade, dass in einer so großen Familie kein Zusammenhalt besteht. Die Eltern leben nicht mehr, jeder geht seinen Weg und nur ganz wenige wissen, wie es dem anderen geht. Sehr traurig.

Aber mit diesem Mann entstand meine eigene Familie. Wir heirateten recht schnell- wahrscheinlich zu schnell. Wir bekamen Kinder, gingen arbeiten, und lebten quasi so wie viele andere auch. Unsere Kinder liebten wir. Jeder auf seine Weise. Erst sehr spät erkannte ich, das ich nicht liebte, sondern funktionierte. Wir hatten viel zu kämpfen, oft in finanzieller Hinsicht. Das raubte Kraft und machte unseren Alltag bald zu einem eintönigen Alltag. Wo ich nie dran gespart habe, wenn es um Taufen, Kindergeburtstage, Kommunionen oder andere Familienfeste ging. Unermüdlich habe ich alles bis ins kleinste Detail geplant und dabei immer aus dem geschöpft, was mir möglich war oder ich einfach zu Hause hatte. An diese Feiern sollten meine Kinder sich lange erinnern und unsere Gäste sollten sich wohlfühlen. Unsere Kinder hatten nie übermäßig viel, aber soviel, das es Ihnen gut ging. Alles, was mir in meiner Kindheit fehlte, wollte ich meinen Kindern geben: Verständnis, Liebe, Rückhalt, offene Gespräche. Sie hatten es nicht immer einfach in der Schulzeit. Mobbing kam immer wieder stärker durch, aber ich stand wie ein Baum hinter meinen Kindern. Leider konnte ich das von dem Vater der Kinder nicht behaupten. Er tat vieles als lapidar ab. Da war sie wieder – seine Vergangenheit. Ich schaffte es nicht, ihn davon zu überzeugen, dass das was er erlebt hatte, bitte nicht auch an die Kinder weiterzugeben. Es saß zu tief in ihm drin. Das war der gravierendste Punkt, der unsere Trennung einläutete. Ich kam an seinen sturen Kopf nicht ran. Selbst nach der räumlichen Trennung hoffte ich, dass er sich wenigstens dann liebevoll um seine Kinder kümmert. Er war verbittert bis heute noch. Also blieb die Aufgabe bei mir, den Kindern ein Stück Heimat in der Familie zu bieten. Ich habe es gerne gemacht und ich glaube auch, dass es mir gelungen ist. Zusammenhalt, Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit waren mir so wichtig meinen Kindern mitzugeben. Nicht das Materielle war wichtig, um das wir aber oft kämpfen mussten. Natürlich hat nicht alles sofort funktioniert. Jeder musste ja auch erstmal seine Erfahrungen sammeln und es gab auch mal richtig hitzige Diskussionen mit Tränen verbunden. Aber mit Gewissheit kann ich sagen, das wir zusammenhalten und uns den Rücken stärken. Niemand wird alleine gelassen.

Und plötzlich kam da noch eine ganz neue Familie auf uns zu. Nach längerem Alleinsein, sollte ich das Glück haben, erneut einen Mann an meiner/ unserer Seite zu haben. Familie gründen war in unserem Fall schon geschehen. Mein Mann hatte ein Kind und ich stand auch mit den 4 Kindern mitten im Familienleben. Aber dennoch brachte mein Mann etwas mit, was uns als Familie erst komplett machte. Und ich rede davon nicht ausschließlich in seiner Funktion als Mann, sondern eher als Vater und Partner, später als Ehemann. Mein Mann eroberte die Herzen der Kinder im Sturm. Er hat ein Händchen für Kinder. Alles machte er mit, die schwierige Zeit der Pubertät,Unterstützung in der Entwicklung der Kinder, egal ob in der Schule oder bei den Hobbies. Hierbei ging es um grundlegende Dinge, die ich als Mutter den Kindern gar nicht bieten konnte. Für einiges gehört halt eben eine männliche Person an den Start. Eine Mutter kann ganz viel, aber einen Vater kann sie eben auch nicht in allen Dingen ersetzen und wenn es dabei nur um eine Rasur der ersten Barthaare geht. In manchen Gesprächen, insbesondere in der Pubertät, kann eben auch nur ein Papa verstehen, was in den Männern vorgeht. Nicht immer ist bei uns Friede, Freude, Eierkuchen und nicht immer herrscht hier gute Laune. Aber ich muss diese Alltagssituationen auch nicht mehr alleine bewältigen. Ich habe jemanden an meiner Seite mit dem ich mich austauschen kann, wo ich mal was abgeben kann, mich anlehnen kann und wir uns den Alltag in einer Familie teilen können. Nicht auch nur einen einzigen Augenblick muss ich das in Frage stellen, von Beginn an nicht. Ich möchte nicht behaupten, das wir eine Vorzeigefamilie sind, aber ich behaupte, das wir Familie leben mit allem was dazu gehört: Liebe, Streit, schlechter und guter Laune, Vertrauen, Respekt, Verständnis, Meinungsverschiedenheiten, Gespräche, Arbeiten, Leben leben. Ich bin so dankbar, das ich Familie leben kann.

Auch mein Mann hat natürlich eine Familie mitgebracht. Er selbst wuchs mit drei Schwestern auch in einem ländlichen Dorf auf. Es ist eine große Familie, weil es viel Verwandtschaft gibt. Jeder ist mit Jedem irgendwie verwandt. Die Eltern und seine Geschwister wohnen mit ihren Familien alle zusammen in einem Dorf, sind quasi auch Nachbarn. Mit Sicherheit hatten seine Eltern sich das anders vorgestellt, als ihr einziger Sohn mit einer vierköpfigen Familie um die Ecke kam. Aber sie akzeptierten es und für mich schien es wie ein Wunder zu sein. Wir mussten uns auch erst annähern, aber als der Bann gebrochen war, wir uns kennenlernten, glaubte ich manchmal nicht, das dies alles wahr ist. Sollte ich tatsächlich nochmal in eine „heile“ Familie einheiraten? Sollten die Kinder tatsächlich in den Genuss kommen, Oma und Opa haben zu können? Alles deutete darauf hin und mit der Hochzeit von mir und meinem Schatz, kamen dann auch so Sätze wie: du kannst alles zu mir sagen, Oma/ Opa oder uns beim Vornamen nennen, aber bitte bitte nicht Stiefoma/Opa! Bei Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten werden wir nie außen vor gelassen. Vielmehr gab es bei mir irgendwann einen Zeitpunkt, an dem ich wohl überfordert war. Ich kannte es nicht, dass man Aufgaben aufteilen kann, dass man nicht alles alleine organisieren muss, das man sich auch Hilfe und Ratschläge von anderen Familienmitgliedern einholen kann. Immer stand ich bis zu diesem Zeitpunkt alleine da und man kam ja gar nicht erst auf die Idee nachzufragen. Regelmäßige Treffen zu Geburtstagen oder einfach nur mal so, kannte ich in dem Ausmaß nicht. Ich finde das richtig gut, konnte dem aber irgendwie nicht standhalten. Ein Prozess, der mir bis heute schwer fällt. Wahrscheinlich kann man dies schwer nachvollziehen. Ich liebe sie Alle, aber eben anders als diese Familie es kennengelernt hat oder gewohnt ist. Auch hier würde niemand den anderen im Regen stehen lassen. Gerade in letzter Zeit gab es auch dort immer wieder Krankheiten bei den Familienmitgliedern, was betroffen macht. Manchmal wissen wir nicht, wo wir hin sollen mit all diesen Krankheitsgeschichten. Wir machen viel mit uns selber aus, aber eins steht fest: Blut ist dicker als Wasser und für mich ist Familie etwas ganz besonderes.

Familie zu haben, kann so unterschiedlich aussehen. Für jeden hat Familie auch eine andere Bedeutung, aber es nicht von der Hand zu weisen, das der Ursprung einer Familie bei jedem gleich ist. Haltet fest aneinander, und begegnet euch mit Respekt, Toleranz und haltet zueinander. Die Grundsteine werden in der Familie gelegt. Bei allen Familienarten, die ich alleine nur in Bezug auf meine Person betrachten kann, bin ich dankbar, das ich die Möglichkeit hatte, soviel Familie kennen zu lernen.