Monatswechsel

Was für ein denkwürdiger und emotionaler Monatswechsel. Wir schreiben Ende April, Anfang Mai. Während man in den Vorjahren meist den April mit einem schwingenden Tanzbein verabschiedete und den Mai mit einem kühlen Blonden und Bollerwagen begrüßte, sollte es dieses Jahr ganz anders sein. Und das nicht nur weil Corona es nicht zuließ das Tanzbein zu schwingen und man auf Wanderungen in dem Rahmen verzichten musste. Es lag allein an ganz verschiedene Begebenheiten, die uns emotional in ein Gefühlskarussell bringen sollten, die einem Tanz in den Mai gleich kommen.

Herumgewirbelt wie in einem gut eingeübten Foxtrott mit Drehungen, die nach Ausdauer und einen langem Atem verlangen., fühlte sich die ankommende Briefsendung vom Amtsgericht an. Noch eben zum Monatsende bekamen wir die Information, dass unser Adoptionsantrag endlich beim Amtsgericht gelandet ist. Wieder ein Schritt näher- fast.. nur fast… bevor das Amtsgericht weiterarbeitet, müssen dann mal noch ein paar Unterlagen her: Meldebescheinigung, Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis aller Beteiligten sollten innerhalb von vier Wochen vorliegen. Bis das so weit ist, sind einige Drehungen auf dem Tanzparkett erforderlich. Einige Schrittfolgen sind da nötig, denn ein Teil der Kinder ist arbeiten und die Ämter haben ja gerade nicht alle den offenen Zutritt. Man muss viel telefonieren und nichts geht ohne Termin. Wir hoffen, dass sich die Atmung nicht überschlägt und alles rechtzeitig bis zum letzten Ton in guter Schrittfolge erbracht werden kann. Der Vater der Kinder wurde auch angeschrieben um eine Stellungnahme abzugeben. Meldet er sich innerhalb von zwei Wochen nicht, willigt er automatisch in die Schrittfolge ein. Das wiederum glaube ich persönlich nicht und da wird die Ausdauer und ein langer Atemzug nötig sein. Ich weiß nicht was in seinem Kopf vorgehen wird. Welche Drehung wird er bevorzugen? Wird er sich verschlingen oder stolpern? Oder wird sein Atem nicht lang genug sein. Er war nie ein guter Tänzer, aber wenn es darum ging seinem Jähzorn Platz zu machen, kam er auf die unmöglichsten Umdrehungen, die ihn genau in diese jetzige Position brachten. Wie dem auch sei, begleitet von einem mulmigen Gefühl, das einem verrauchtem Tanzlokal gleicht in dem alle Luft durch verschwitzte Tanzeinlagen verbraucht ist, werden wir unsere Schrittfolge einhalten.

Nach diesem Schwung an Emotionen, sollte noch ein Trommelwirbel folgen, der eine Aufruhr in uns auslöste und letztendlich in einem derart langsamen Walzer endete, das die Schrittfolgen und Atemzüge fast zum Stillstand brachten. Unser Kater machte uns mitten in der Nacht wach. Er konnte nicht mehr gehen und sein Hinterteil wahr wie gelähmt. Er hechelte vor sich hin, als wenn er einen Marathonlauf hinter sich hatte. Nie zuvor habe ich ihn so gesehen. Wir konnten ihm nur gut zusprechen und ihn beruhigen. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass er die Nacht überlebt. Wir wussten nicht einmal, was er hatte. Den ganzen Tag vorher waren keine Anzeichen erkennbar. Es ging ihm doch gut. Er hatte gefressen, gespielt, geschnurrt … alles was eine Katze so in ihrem Rhythmus des Katzendaseins so tut. Die Nacht hatte er also überlebt, aber auch der Morgen des neuen Monats brachte keine Besserung ans Tageslicht. Ich fühlte mich noch wie besoffen nach der Nacht, und das ohne einen Tropfen Alkohol zu mir genommen zu haben. Der Gang zum Tierarzt war unabdingbar und jeder von uns ahnte, dass dieser langsame Walzer wohl eher in einer Trauermelodie enden wird. Es war der richtige Weg: der Kater hatte einen Herzfehler, von dem niemand was ahnte und einen Schlaganfall, den niemand mitbekommen hatte. Wenn Tiere doch nur reden könnten …. vielleicht wollte er auch garnicht, dass wir was mitbekommen. Umso schwerer fiel der Abschied. Der Tag war so schwer in uns. 13 Jahre hatten wir ihn bei uns und jetzt mussten wir ihn gehen lassen. Das kühle Blonde am 1.Mai sollte dann wohl ganz auf ihn gehen. Eine Wanderung über die Regenbogenbrücke, die er nicht alleine ging. Aber am Ende des Regenbogens wird er neue Freunde finden, die mit ihm durch eine friedliche Welt ohne Leiden wandern werden. Und so müssen auch wir weiter wandern.

Eine weitere Wanderung erfolgte noch am selben Tag. Diese war rein familiär und im allerengsten Familienkreis meines Mannes. Ich möchte darüber keine Details verlauten lassen, weil es zu privat ist und hier nichts zu suchen hat. Aber soviel sei gesagt: es gibt Wanderungen im Leben eines Menschen, einer ganzen Familie, die einer Landkarte ähneln. Das Leben durchlebt mit vielen Höhen und Tiefen, Berge die erklimmt werden müssen; Pfade die gegangen werden, mit und ohne Hindernisse, großen wie kleinen Hindernissen; am Wegesrand stehen Bänke, die nach Erholung und Ruhepause schreien, damit die nächste Steigung erklommen werden kann. Mittendrin kleine Seen, die die Tiefe unserer Seele widerspiegeln und einen Fluss, der gleichsam in ruhigem Treiben neben uns her fließt. Dörfer und Städte finden sich auf dieser Landkarte ebenso wieder, wie Straßen in jeglicher Art. Durch all die Straßen geht ein jeder von uns. Mal sind wir unterwegs auf der Schnellstraße, die unser Leben nur so abhetzen lässt und einer andermal hinterlegen wir eine kurvenreichen Strecke, wo wir nicht wissen was sich dahinter befindet. Kreuzungen an denen wir entscheiden müssen, ob rechts oder links der bessere Weg ist und vielleicht endet man manchmal in einer Sackgasse oder gar in einem Kreisverkehr, wo jede Ausfahrt gleich scheint und doch sich jeder Weg anders gestalten wird. Und am Ende eines jeden Weges , einer jeden erstellten eigenen persönlichen Landkarte wird man hoffentlich heimisch in seinem Dorf oder seiner Stadt, in der Familie einen Ursprung hat.- seine Familie. Und in jeder Familie gibt es Gedanken, die man entweder für sich behält oder aber mit ihnen teilen möchte. In dem Fall wurden Gedanken geteilt und besprochen. Es war beeindruckend für mich, obwohl ich nicht bei dem Treffen dabei war. Das war es deswegen, weil ich es meinem Mann so gegönnt habe. Nie habe ich solche Gespräche kennengelernt bei meiner Ursprungsfamilie. Gespräche, die mir gezeigt hätten, dass eine Familie, egal welche Wege jeder einzelne gegangen ist, eine Familie bleibt. Werte, die man mit nichts auf der Welt bezahlen kann, außer mit gesagten Worten und einem Leben das einer Landkarte gleicht, auf der die Wanderungen sichtbar gemacht werden. Ich habe meine Familie gefunden und meine Familie gegründet auf einer ganz eigenen Landkarte. Diese Art der Gespräche brauchte ich bis dato nie beisitzen und auch nicht selber führen, aber sie haben mich für meinen Mann beeindruckt. Seine ganz eigene Wanderung, wo emotionale Gedanken wie kleine Seelenpfade sich durch die Landkarte des Lebens schlängeln.

Was für ein Monatswechsel!

Wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann….

… dann erlebe ich sie tatsächlich in meiner Sis. Eigentlich ist dieser Satz durch mehrere Sätze entstanden, die mal wieder gleich einher gingen im Gespräch zwischen meiner Sis und mir. Aber von vorne:

Meine Sis und ich hatten die wunderbare Möglichkeit uns anderthalb Woche an der Backe zu haben. Wie ihr sicher schon wisst, wohnen wir nicht am selben Ort, sondern es trennen uns gute 300 km. Und wie ihr auch wisst, sind wir keine leiblichen Geschwister und auch keine Geschwister die aus Stiefelternteile entstanden sind, sondern wir sind von Schulzeiten an best friends forever, wie man so schön sagt und nicht nur das, sondern sehr sehr seelenverwandt! Auf der Durchreise von ihrem Wohnort zu einer Hochzeit, hat sie kurzentschlossen einen Zwischenstopp bei mir eingelegt und noch kurzentschlossener sich dafür entschieden noch ein paar Tage zu verlängern um mich dann in der Folgewoche mit zu sich zu nehmen. Kleine, aber nicht unbedeutende Randbemerkung: ohne unsere Männer und Familie wäre das nicht möglich- sie kennen uns und unsere Verrücktheit und unterstreichen das alles insgesamt. Zurück zu unserer Woche: Ich wäre eh zu ihr gefahren, da wir- dank ihr- Karten für ein Kellykonzert hatten. Somit wurde aus dem eigentlich wirklich geplanten Konzert eine Auszeit für uns beide von anderthalb Wochen.

In diesen Tagen ist es uns extrem oft geschehen, dass wir dasselbe sagen wollten, dasselbe gesagt haben, dasselbe gedacht haben und Handlungen im Duett gleich durchgeführt wurden.

Wir waren uns dann heute morgen einig- etwas wurde vertauscht, oder wenn es sowas wie eine Wiedergeburt gibt, dann sind wir zwei dann doch zusammen geboren worden oder was auch immer. Es fühlt sich so einzigartig und so sicher an. Eine solche Verbindung wie wir sie haben ist nicht nur großartig, sondern unglaublich wertvoll und es durchströmt mein Herz mit Wärme. Es ist nicht nur, dass man den Anderen aus der Scheiße ziehen würde, wenn es nötig wäre;es ist nicht nur das man sich Rückhalt gewährt- nein- es ist viel mehr als das und ich kann es nicht mal in Worte fassen. Nicht einmal die Dankbarkeit, die ich dafür empfinde, lässt sich in Worte fassen.

Ich danke dennoch von ganzem Herzen, dass ich dass Glück für eine so tiefe Verbundenheit erleben darf. Verbundenheit in Familie, in Dasein füreinander und in einer ganz besonderen Wiedergeburt, wenn es sowas gibt….

Jahresrückblick / Jahresneubeginn

Am letzten Tag im alten Jahr nahm ich am größten Sylvesterlauf Deutschlands teil. Im Jahr zuvor ging ich als Wanderin an den Start und dieses Jahr packte mich der Ehrgeiz als Walkerin. Ich ging ganz unbefangen aber mit ein wenig Respekt an die Sache heran. Ich weiß, dass ich schnell gehen kann, auch ohne trainiert zu sein und deswegen wusste ich, dass ich die 15km schaffen werde. Es sind nicht die Ergebnisse am Ende für mich, die zählen, sondern es mitgemacht zu haben und am Ende anzukommen. Ist es nicht auch so, wenn wir unser Jahr Revue geschehen lassen? Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich das mache. Möchte ich dem alten Jahr davon laufen? Lange habe ich darüber nachgedacht.

Es war ein Jahr, wo man sagt, es geht besser , sehr viel besser! Ein Jahr geprägt von vielen Nachrichten, die kein Mensch brauchte und leider dennoch in ihrem Leben integrieren müssen. Viele sehr nahestehende Menschen, die an Krebs erkrankt sind, der teilweise auch nicht heilbar ist. Man bekam fast den Eindruck, dass es ansteckend ist, weil immer wieder eine neue Schreckensnachricht dazu kam. Aber nicht nur Krebs hielt Einzug im Jahr 2019, auch eine Rheumaerkrankung und eine MS- Erkrankung bei ganz jungen Menschen. Menschen, die Op’s vor sich hatten und andere Erkrankungen, die einen verändern. Es gab Menschen unter uns, wo das Leben aus der Bahn läuft, wo um Existenz gekämpft werden muss, und ja sogar um Liebe gekämpft wird. Da sind Menschen unter uns, die beruflich nicht glücklich sind und / oder erfolglos auf der Strecke liegen bleiben mussten, trotz vieler Bemühungen. Es gab Menschen unter uns, die einen lieben Menschen verloren haben. Und wenn ich hier von Menschen rede, dann sind das nicht irgendwelche Menschen – NEIN- sie sind aus meiner Familie und aus meinem Freundeskreis und aus dem engsten Bekanntenkreis! Menschen mit denen ich jeden Tag zu tun habe und keinen davon missen möchte! Das waren sicherlich alles Geschehnisse, die ich in dem Jahr nicht gebraucht hätte und wo einem danach zumute ist, einfach nur davon zu laufen, auch wenn sich dadurch nichts ändert und die Gefahr besteht, dass man sich damit immer wieder auseinandersetzen muss. Aber es waren derer Nachrichten einfach zu viel im Jahr 2019.

Dennoch kann ich aber auch sagen, dass es richtig gute und dankbare Momente gab. Beruflich konnten sowohl ich, als auch mein Mann sagen, dass wir endlich angekommen sind. Wir fühlen uns sauwohl indem was wir tun, weil unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Man quält sich nicht zur Arbeit und macht sie richtig gerne.

Ein weiteres persönliches Highlight war das Treffen mit meinen Geschwistern. Wir hatten ein tolles Wochenende zusammen in Hamburg. ( Siehe auch „Das Leben ist eine Reise wert“im Blog).

Auch in einem Blog verewigt, ist unser Adoptionsantrag, der noch 2019 unterzeichnet wurde und seinen Weg zum Gericht aufgenommen hat. Das wird uns auf jeden Fall im Jahr 2020 begleiten und hoffentlich auch zu einem positiven Highlight werden. Durch diese Adoption, wo meine Kinder sich von meinem Mann adoptieren lassen, spürt man die Stärke und Liebe einer Familie. Ich habe das wunderbare Glück, Familie als ein starkes Bindeglied zu erleben. Wir stehen füreinander ein und stärken uns den Rücken. Es darf auch mal gestritten werden ohne das deswegen die Liebe zu jedem einzelnen nachlässt. Wenn es darauf ankommt, stehen wir Gewehr bei Fuß. Niemand muss alleine gehen. Das sind wahrhaftig Glücksmomente.

In unserer Familie gab es neuen Erdenbürger- herzlich willkommen im Leben. Mögest du ein Leben voller Glück führen können und immer Menschen um dich haben, die dich dabei begleiten.

Ich durfte erfahren, wie wichtig und standhaft Freundschaften sein können. Das es ein Band dazwischen gibt, was durchhält und stärker ist als alles was man sich vorstellen kann. Das man zusammen lachen kann, feiern kann aber sich auch stützen kann. Nicht alle Freundschaften sehe ich jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat, aber ich weiß, dass auch sie ganz nah sind. Das bedeutet mir sehr viel und hat einen hohen Stellenwert bei mir und nehme als schönes Erlebnis aus dem Jahr 2019 mit.

Somit kann ich nun sagen, dass ich dem Jahr 2019 nicht weglaufe, sondern dem Jahr 2020 entgegenlaufen. Manches möchte ich gerne hinter mir lassen und anderes nehme ich wieder mit. Von Herzen wünschen ich allen ein gutes Jahr 2020. Bei allem was ihr vorhabt soll euch Liebe, Glück und Wertschätzung begleiten.

Gleich im neuen Jahr bin ich eine längere Wegstrecke gelaufen, bei herrlichem Sonnenschein und die Schönheit der Natur vor Augen. So darf es weitergehen. In diesem Sinne ein gutes Jahr 2020!

Das ist er nun, der 1. Advent

Ein ganzes Jahr freut sich der Großteil der Menschen auf die Advent- und Weihnachtszeit, mich mit eingeschlossen. Zu keiner Jahreszeit wird soviel Geld für Dekorationen ausgegeben und sich trotz der Fülle, die schon in Kartons auf dem Dachboden oder Keller gelagert sind, immer wieder ein Teil dazu gekauft, wie zu Advent und Weihnachten. Die schönen Lichter erstrahlen die dunkle Jahreszeit und machen das Gemüt wieder wärmer und heimisch nach dem oft so tristen November. Man freut sich auf zu Hause, auf die Gemütlichkeit . Kinderaugen erstrahlen und sie sind gespannt auf jedes neue Türchen, was jeden Tag geöffnet wird um die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen und die Spannung noch spannender werden lässt. Endlich dürfen die längst gebackenen Plätzchen vertilgt werden und der Nikolaus holt hoffentlich nicht die Rute heraus. Nichts von all dem möchte ich missen . Es gehört zu dieser besonderen Zeit einfach dazu. Sowohl für Kinder als auch für uns Erwachsene.

Aber ist das wirklich alles, was die Advent- und Weihnachtszeit ausmacht? Es gibt eine nette Geschichte, in der die Mutter ihre Familie auffordert, das sich nach der Bescherung alle an einen Tisch setzen und sich jeder noch einen Wunsch überlegt, den er sich von der Familie wünscht. Sie wollte damit erreichen, dass nach der Bescherung nicht gleich alle wieder auseinanderlaufen. Die Tochter wünschte sich, dass es mehr vegetarisches Essen gibt. Sie kann das Tierleid nicht mehr ertragen. Die Eltern kämen immer mit Billigfleisch heim, aber sähen nicht das diese Tiere qualvoll leiden müssten. Die Einsicht war schnell da und man nahm sich vor, vielleicht nicht mehr jeden Tag Fleisch zu kochen und den Biohof aus der Nähe als Einkaufsziel zu nutzen auch wenn die Eltern es als Bioverarsche abtaten. Aber der Gedankengang der Tochter zeigte, dass sie gutes Herz hatte. Der Vater wünschte sich, dass die Familie wenigstens einmal am Wochenende zusammen frühstückte, gerne auch als Brunch mit vegetarischen Aufstrichen. Er erstellte einen Familien-Brunch- WhattsApp-Gruppe, damit es halbwegs funktionieren könnte und legte fest, dass 11:00 Uhr doch eine gute Zeit für alle wäre. Der Sohn, eingestuft als typischer Wohlstandsjunge, lässig, frech und ein passabler Schüler, wünschte sich, dass sein Freund Leon eine Zeit bei ihm hausen könnte. Der Vater von Leon war Alkoholiker, die Mutter hilflos, ständig gab es Streitereien und Gleichgültigkeit dem Kind gegenüber. Leon war schon seid Kindergartenalter mehr bei Ihnen zu Hause als bei sich. Der Sohn würde sogar sein Zimmer für ihn räumen. Leon sollte dann auch mit in die WhattsApp-Gruppe um am Brunch teilnehmen zu können. Selbst die Schwester freute sich darüber, weil sie den Freund schon immer mochte. Die Mutter war überaus glücklich, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, dass alle gemeinsam am Tisch blieben und jeder sein Anliegen ausgesprochen hatte. Für sie war es ein gelungener Weihnachtsabend. Und weil es so schön gemütlich war, spielten sie noch eine Runde Mensch-ärgere- Dich-nicht. Sie wussten nicht, ob sie alle Wünsche umsetzen konnten, aber sie hatten sich großartige Gedanken gemacht und sie hatten viel Zeit miteinander verbracht.

Und genau das gehört für mich zur Advent- und Weihnachtszeit genauso mit dazu, wie all die Dinge, die ich zu Beginn nannte. Zeit zu haben. Hektik mal hinten anstellen. Warum entsteht gerade in dieser doch so gemütlichen Zeit diese Hektik? Weil wir für jeden das richtige Geschenk haben möchten? Weil wir die liebe Freundin und den netten Nachbarn auch was tolles schenken wollen? Weil wir zu der Weihnachtsfeier vom Sportverein, der Schule, des Betriebs und des Dorfes gehen wollen? Alles ist schön, solange es aus dem Herzen kommt und mit Liebe gemacht wird und eben nicht in Hektik endet. Die Zeit für uns, für unsere persönlichen Wünsche- wo bleibt sie? Die Zeit für ein nettes Gespräch und ein offenes Ohr mit und für dein Kind, den Eltern, den Geschwistern, den Freunden und dem Nachbar- sind sie nicht soviel mehr wert als jedes Geschenk? Natürlich wird jetzt mancher Kritiker sagen: sollte man das nicht das ganze Jahr tun und nicht nur zu dieser besonderen Zeit? Ja , das ist richtig!! Aber ich weiß auch, wieviel man sich vornimmt und in unserer hektischen Zeit untergeht. Den Stress in der Adventszeit machen wir uns selbst. Und das ist nicht der Sinn von Advent und Weihnachten. In dem Wort Adventszeit steckt das Wörtchen *Zeit*!Von Herzen wünsche euch, dass ihr die Adventszeit nutzt, um nicht dem Konsum nachzugehen, sondern euch Zeit schenkt und auf eure Wünsche achtet, die nicht von Konsum behaftet sind. Schaut nach rechts und links und über den Tellerrand hinaus, wem man ein wenig Zeit schenken kann. Das ist soviel mehr wert und macht noch dazu glücklich.

Adoption Notartermin

Ein wichtiger Schritt liegt heute vor uns. Ein Schritt, der den Stein so richtig ins Rollen bringen wird. Gleichzeitig begleiten uns aber auch viele Gedanken bei diesem Weg. Aber von vorne:

Aus meiner 1.Ehe habe ich vier Kinder, die heute im Alter zwischen 18 und 27 sind. Diese vier Kinder kamen vor knapp 1,5 Jahren auf meinen jetzigen Mann zu und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte sie alle zu seinen eigenen Kindern annehmen würde und sie adoptieren würde. Das saß erstmal. Gerührt mit Tränen in den Augen und sprachlos zu gleich, bestückt mit Stolz, nahmen wir bzw mein Mann die Herausforderung an. Zunächst holten wir uns erstmal Informationen herein, was überhaupt möglich ist. Man unterscheidet dabei zwischen einer „gewöhnlichen“ Adoption und einer Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht. Bei dem Alter meiner Kinder und dem Vorhaben, nicht nur einfach einen Nachnamen geändert zu bekommen, sondern richtig adoptiert zu werden, kam nur zweiteres in Frage. Dazu muss man verschiedene Anforderungen erfüllen. Eine davon ist, dass alle Kinder unter 18 gewesen sein müssen, als mein jetziger Mann in unser Leben trat bzw in das Leben meiner Kinder. Und das ist so gewesen. Als wir heirateten waren selbst da noch alle unter 18. Was bedeutet nun Erwachsenen Adoption nach minderjährigem Recht? Zum einen eben, dass alle noch keine 18, also minderjährig waren und zum Anderen, dass die Wurzeln zum Erzeuger komplett gekappt werden. Die Kinder müssen dann später nicht mehr für ihn aufkommen, wenn es darum geht, dass er pflegebedürftig ist. Genauso wenig natürlich im umgekehrten Fall. Was für eine Hommage an alle Beteiligten. Lasst es euch bitte mal durch den Kopf gehen…. 💭 Ich möchte hier an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was alles gewesen ist, warum meine Kinder solche Entscheidungen getroffen haben. Aber wenn man sich das Alter ansieht, dürfte einiges klar sein. Warum sonst gehen Kinder , die alle ein erwachsenes Alter erreicht haben, so einen Schritt? Und wie sagte ich so schön zu meinem Mann? „ Glückwunsch, alles richtig gemacht!“ – es waren nie seine leiblichen Kinder, aber er hat nie auch nur einen Unterschied gemacht. Von heute auf morgen kam er in eine Welt mit teils noch verstörten und geprägt von inneren Verletzungen und pubertierenden Kindern. Es war bestimmt manchmal zum Weglaufen. Er hat sie nie von Babybeinen an gekannt und musste sich in sie reinversetzen. Er hat das getan, was ein Vater tun muss und sollte- mit Liebe, Verständnis und Empathie Kinder begleiten und für sie da zu sein. Und ich behaupte, dass es nicht immer einfach war, weder für ihn noch für mich. Jeder der Kinder hat, kennt das Leben und was damit einhergeht. Kinder sind ein großer Gewinn, aber es gibt Tage wo man selbst nicht weiter weiß und heimlich weint.

Nachdem wir uns nun reichhaltig mit Informationen bestückt haben, gab es dann weitere Informationen bei einer Notarin. Sie fragte nach und erklärte uns dann noch einiges. Unter anderem auch, dass der leibliche Sohn und dessen Mama auch gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind. Ich bin so froh, dass wir ein so gutes Verhältnis miteinander haben, dass wir uns dahingehend keine Gedanken machen müssen. Wir sind mit dem Sohn (12Jahre) ehrlich und offen ins Gespräch gegangen, was das überhaupt bedeutet. Welche Auswirkungen das für ihn hat. Er hat geweint, weil er sich so gefreut hat. Und auch die Mama von ihm spricht uns überhaupt nicht dagegen. Was für ein Glück wir haben. Das geht aber nur, wenn man sein Gegenüber wertschätzt und auch mit allem offen ins Gespräch geht. Das war anfangs auch nicht so. Mit der Zeit haben wir einen sehr guten Weg gefunden, miteinander und nicht gegeneinander umzugehen, sowohl im Sinne von Kind als auch für uns.

So sind wir nun heute alle bei unserer Notarin und werden die Anträge für das Gericht unterschreiben. Was für ein Tag. Es ist nur eine Unterschrift, aber eine ganz gewichtige Unterschrift. Werden wir bei Gericht einen Erfolg erzielen können? Wie lange dauert es bis das die Verhandlungen beginnen? Was wird der Erzeuger oder anders mein Ex-Mann dazu sagen? Wie wird er reagieren? Soviel steht fest: er wird angehört werden, und er muss nicht zustimmen, da aber alle über 18 sind, hat die Nichtzustimmung keine große Auswirkung für ihn. Das könnte ihn wiederum unberechenbar machen. Das ist meine größte Angst. Dies hält uns aber nicht davon ab, den Schritt zu gehen und die Unterschrift hier und heute darunter zusetzen. Danach werden wir zusammen essen gehen und schauen wie es in uns aussieht. Ich berichte euch weiter davon .

Habt es gut ihr Lieben und geht wertschätzend miteinander um!

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 2

1Woche später:

Inzwischen ereilte uns schon wieder aus dem Freundeskreis eine Nachricht, die mit Krebs zu tun hat. Es ist auch nich nicht lange her, dass seine Frau eine heftige Op im Gesicht hatte, weil ein Melanom bösartig war und nun muss auch er nochmal unters Messer um ein Melanom entfernen zu lassen. Es war Gott sei Dank rechtzeitig und hat nicht gestreut. Und im Moment gehen die Gedanken zu meinem Schwiegerpapa, bei dem es auch schon eine Op gegeben hat, wo es dankbarer weise positiv ausging. Aber Leute jetzt mal ernsthaft: ist das noch normal? Wo soll man mit all dieser Gefühlswelt denn hin? Wieder stehe ich vor der Familie und möchte Ihnen gar nicht sagen, dass es eine neue Diagnose gibt. Es ist zu viel des Guten. Und dennoch geht das Leben weiter. Mir begegnete vor kurzem ein Satz, den eine liebe Freundin von ihrem Psychonkologen bekommen hat: Du darfst Mitleid haben aber nicht mitleiden! Den Satz finde ich super und werde ihn mir hinter die Ohren schreiben. Aber einfach ist es nicht.

Für mich ist auch wichtig, nicht nur den Krebspatienten selber Unterstützung und Rückhalt zu geben. Sondern mir sind auch die Partner, Kinder und Eltern wichtig. Jeder einzelne von ihnen lebt in dieser Krankheit mit. Man kann den Schmerz, die Behandlungen und Gedanken des Patienten nicht abnehmen und das kann zermürben. Auch sie wenden Kraft auf um seinem Partner/in Mama/Papa beizustehen. Auch sie haben ihre Gedanken und Ängste. Und auch sie brauchen den Rückhalt und empathische Menschen um sich. Zuhören ist mit das Wichtigste, was man verschenken kann und somit Unterstützung bietet. Es müssen nicht immer Worte sein, die man als Antwort parat hat. Ein offenes Ohr und eine Handreichung sind soviel mehr wert! Nehmt euch die Zeit- wer weiß wie lange sie uns allen bleibt! Gebt acht auf euch und geht sorgsam mit euch um.

Ehe- Familie- Partnerschaft

Das Erste das der Mensch im Leben vorfindet,

das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt,

das Kostbarste, was er im Leben besitzt,

ist die FAMILIE !

Ein für mich sehr wichtiges Thema, weil ich ohne dem nicht existieren könnte. Es würde das Lebendige in meinem Leben fehlen.

Wer meine Blogs zuvor gelesen hat, weiß, dass ich selber in einer großen Familie aufgewachsen bin. Wenngleich auch die Familie in der ich aufwuchs nicht immer die Familie war, wie man es sich gewünscht hätte. Mir fehlte schon sehr früh die nötige Geborgenheit, der nötige Rückhalt und auch manches mal die nötige Liebe. Mit den Jahren gewinnt man einen gewissen Abstand zu den erlebten Dingen und reflektiert sie auch anders. Meine Mutter gehörte zu der Generation, in der man nie viel über persönliche Gedanken und Gefühle oder gar über Probleme des Alltags, großartig gesprochen hat. Vieles war dann eben einfach so und man hatte es zu akzeptieren. Ein „Ja aber…“ brauchte man gar nicht erst anbringen. Nun war meine Mutter ja auch frühzeitig allein erziehend mit 4 Kindern und ich glaube, dass auch sie nicht immer den nötigen Rückhalt hatte. Dennoch hätte ich mir bei gravierenden Problemen mehr Mutter gewünscht. Oft kam der Eindruck bei mir an, dass man mich besser nicht mehr zu Hause hat und somit meine Schwester, die die Jüngste von uns war, das Kind war, was gerne betüdelt wurde. Dadurch kam auch viel Neid und Missgunst unter uns Schwestern auf. Wir waren uns sehr lange nicht grün und es gab oft Streit. Zu meinen Brüdern hatte ich eigentlich immer ein recht gutes Verhältnis. Mein älterer Bruder übernahm lange die Vaterrolle und genau als solches wurde er auch lange unbewusst angesehen. Man blickte immer zu ihm auf, ungeahndet dessen, das auch er sich nicht immer in dieser Rolle wohl fühlte und durch sein Leben längst schon sehr selbstständig ging. Immerhin ist er neun Jahre älter als ich. Der jüngere Bruder meisterte sein Leben, indem er oft mit ganz viel Glück und Geschick aus den tiefsten Miseren, die sein Leben so parat hielt, wieder heraus kam. Für mich war er oft das kleine Schlitzohr mit Charme. Immer wieder hatte er ein wenig Blödsinn im Kopf, den ich auch in unserer Kindheit manches mal mit ihm geteilt habe und mir dann sinnbildlich vor Lachen in die Hose gemacht habe. Aber eines hatten wir alle gemeinsam: lange Zeit und teilweise auch heute noch, hat niemand über seine wirkliche Gefühle, Sorgen oder Erlebten gesprochen. Vieles, vieles wurde verschwiegen und nicht mal ansatzweise darüber geredet. Aus Angst? Weil man nicht zugeben wollte, das einen etwas belastet oder man die Dinge einfach anders sieht? Aus Sorge, es könnte wieder Streit geben? Ich weiß es nicht. Und wenn mich heute jemand nach meinen Geschwistern fragt, dann kann ich sagen, das ich zu Allen guten Kontakt habe, aber ich möchte ganz vorsichtig behaupten, das ich noch zu wenig weiß. Jeder hat inzwischen seine eigene Familie mit Kindern und wir wohnen recht verteilt in Deutschland, vom Norden bis zum Süden, wobei wir Schwestern uns in der Mitte Deutschlands aufhalten. Wir wohnen quasi im gleichen Ort, was es leichter macht, sich auszutauschen. Das war Anfangs auch nicht in der Form gegeben, wie es heute ist. Aber ich kann eins ganz sicher sagen, wenn irgendetwas wäre, womit wir Geschwister uns helfen könnten, dann würden wir es tun. Wir sind das einzigste, was aus dieser Familie übrig geblieben ist. Ich kenne keine Tanten oder Onkel, Oma und Opa waren nach dem Tod von meinem Vater nicht mehr greifbar und wieviele Tanten oder Onkel es überhaupt gab, ist mir nicht bekannt. Auch von dem damaligen Freundeskreis unserer Familie ist nicht viel übrig geblieben. Wir haben uns alle zurück gezogen, teils auch durch berufliche Gründe. Weihnachten wurde so lange wie es ging immer zusammen gefeiert und auch bei runden Geburtstagen unserer Mutter hat sich unsere Familie zusammen gefunden. Dennoch hätte ich nie das Gefühl, das wir eine innig liebende Familie sind. Ich empfand es eher als Getue vor den ach so tollen „Freunden“ unserer Mutter. Heute verbindet mich mit dem Ort, was ein Heimatort sein sollte, irgendwie nichts mehr.

Ein wenig anders erging es mir mit der Familie meiner allerbesten Freundin/Sis, die quasi zu meiner Pflegefamilie wurde. Es war keine Pflegefamilie, wie man es typisch kennt- ein Kind wird angenommen oder adoptiert. Ich war immer die Freundin ihrer Tochter und irgendwie doch ein zweites Kind. In der gemeinsamen Schulzeit war ich oft am Wochenende bei ihr und so entstand mit den Jahren eine enge Bindung. Da lernte man, was es heißt zusammen zu halten und für den anderen da zu sein. In dieser Familie gab es Schicksalsschläge ohne Ende, meist durch die beschissene Krankheit dem Krebs. Der Papa war Frührentner, bedingt durch einen Bandscheibenvorfall. Der Krebs hält bis heute Einzug, als wenn er dort Miete zahlen würde, quer durch die ganze Generation. Das Kind meiner Sis war als Baby schwer krank, bis man die Ursache fand und es sich als Zöliakil herausstellte. Immer und immer wieder gab es auch da neue Hürde zu bewältigen. Vielleicht ist das der Punkt, warum man da Familie einfach anders lebt und erlebt. Es wird geredet, gelacht, geweint, wie in jeder anderen Familie auch. Aber der Zusammenhalt ist ein anderer. Er unterscheidet sich massiv von vielen anderen Familien. Jeder weiß alles alles über den anderen. Man redet offen und auch wenn man nicht einer Meinung ist- was selten vorkommt- stärkt man sich den Rücken. Familie gleichzustellen mit Heimat.

Eine sehr große Familie lernte ich durch meinen ersten Mann kennen. Mein Exmann wuchs mit 8 Geschwistern auf. Die Eltern besaßen früher eine Gastronomie und auch dort gab es ein Krankheitsbild, was sich durch die männliche Generation hindurchzog, die Diabetes. Der Vater musste gepflegt werden, da seine Beine amputiert wurden. Er lebte aber auch nicht nach Anweisungen der Ärzte. In dieser Familie gab es nicht den Funken an Herzlichkeit und Liebe. Alles war so alltäglich und jeder Tag wurde eben als „wieder ein Tag gelebt“ gewertet. In dem Verhalten von meinem Exmann merkte man sehr schnell, was alles schief gelaufen war in seiner Kindheit. Von den Erzählungen seiner Geschwister weiß ich, das es ihn wohl am Schlimmsten getroffen hatte. Ich glaubte immer, das ich mit dem nötigen Verständnis und der Liebe zu ihm, ihm zeigen könnte, dass es auch anders geht. Selbst mit einer Therapie, die eigentlich unsere Ehe retten sollte, war kein Durchkommen möglich. Seine Geschwister leben alle verteilt und nur die wenigsten von ihnen haben regelmäßig Kontakt zueinander. Wir selbst haben einen guten Kontakt zu einem Bruder von ihm, da er der Patenonkel von meinem Sohn ist und meiner Meinung nach der Einzigste ist aus der Familie, der den Absprung geschafft hat. Ich persönlich finde es sehr schade, dass in einer so großen Familie kein Zusammenhalt besteht. Die Eltern leben nicht mehr, jeder geht seinen Weg und nur ganz wenige wissen, wie es dem anderen geht. Sehr traurig.

Aber mit diesem Mann entstand meine eigene Familie. Wir heirateten recht schnell- wahrscheinlich zu schnell. Wir bekamen Kinder, gingen arbeiten, und lebten quasi so wie viele andere auch. Unsere Kinder liebten wir. Jeder auf seine Weise. Erst sehr spät erkannte ich, das ich nicht liebte, sondern funktionierte. Wir hatten viel zu kämpfen, oft in finanzieller Hinsicht. Das raubte Kraft und machte unseren Alltag bald zu einem eintönigen Alltag. Wo ich nie dran gespart habe, wenn es um Taufen, Kindergeburtstage, Kommunionen oder andere Familienfeste ging. Unermüdlich habe ich alles bis ins kleinste Detail geplant und dabei immer aus dem geschöpft, was mir möglich war oder ich einfach zu Hause hatte. An diese Feiern sollten meine Kinder sich lange erinnern und unsere Gäste sollten sich wohlfühlen. Unsere Kinder hatten nie übermäßig viel, aber soviel, das es Ihnen gut ging. Alles, was mir in meiner Kindheit fehlte, wollte ich meinen Kindern geben: Verständnis, Liebe, Rückhalt, offene Gespräche. Sie hatten es nicht immer einfach in der Schulzeit. Mobbing kam immer wieder stärker durch, aber ich stand wie ein Baum hinter meinen Kindern. Leider konnte ich das von dem Vater der Kinder nicht behaupten. Er tat vieles als lapidar ab. Da war sie wieder – seine Vergangenheit. Ich schaffte es nicht, ihn davon zu überzeugen, dass das was er erlebt hatte, bitte nicht auch an die Kinder weiterzugeben. Es saß zu tief in ihm drin. Das war der gravierendste Punkt, der unsere Trennung einläutete. Ich kam an seinen sturen Kopf nicht ran. Selbst nach der räumlichen Trennung hoffte ich, dass er sich wenigstens dann liebevoll um seine Kinder kümmert. Er war verbittert bis heute noch. Also blieb die Aufgabe bei mir, den Kindern ein Stück Heimat in der Familie zu bieten. Ich habe es gerne gemacht und ich glaube auch, dass es mir gelungen ist. Zusammenhalt, Respekt, Ehrlichkeit und Offenheit waren mir so wichtig meinen Kindern mitzugeben. Nicht das Materielle war wichtig, um das wir aber oft kämpfen mussten. Natürlich hat nicht alles sofort funktioniert. Jeder musste ja auch erstmal seine Erfahrungen sammeln und es gab auch mal richtig hitzige Diskussionen mit Tränen verbunden. Aber mit Gewissheit kann ich sagen, das wir zusammenhalten und uns den Rücken stärken. Niemand wird alleine gelassen.

Und plötzlich kam da noch eine ganz neue Familie auf uns zu. Nach längerem Alleinsein, sollte ich das Glück haben, erneut einen Mann an meiner/ unserer Seite zu haben. Familie gründen war in unserem Fall schon geschehen. Mein Mann hatte ein Kind und ich stand auch mit den 4 Kindern mitten im Familienleben. Aber dennoch brachte mein Mann etwas mit, was uns als Familie erst komplett machte. Und ich rede davon nicht ausschließlich in seiner Funktion als Mann, sondern eher als Vater und Partner, später als Ehemann. Mein Mann eroberte die Herzen der Kinder im Sturm. Er hat ein Händchen für Kinder. Alles machte er mit, die schwierige Zeit der Pubertät,Unterstützung in der Entwicklung der Kinder, egal ob in der Schule oder bei den Hobbies. Hierbei ging es um grundlegende Dinge, die ich als Mutter den Kindern gar nicht bieten konnte. Für einiges gehört halt eben eine männliche Person an den Start. Eine Mutter kann ganz viel, aber einen Vater kann sie eben auch nicht in allen Dingen ersetzen und wenn es dabei nur um eine Rasur der ersten Barthaare geht. In manchen Gesprächen, insbesondere in der Pubertät, kann eben auch nur ein Papa verstehen, was in den Männern vorgeht. Nicht immer ist bei uns Friede, Freude, Eierkuchen und nicht immer herrscht hier gute Laune. Aber ich muss diese Alltagssituationen auch nicht mehr alleine bewältigen. Ich habe jemanden an meiner Seite mit dem ich mich austauschen kann, wo ich mal was abgeben kann, mich anlehnen kann und wir uns den Alltag in einer Familie teilen können. Nicht auch nur einen einzigen Augenblick muss ich das in Frage stellen, von Beginn an nicht. Ich möchte nicht behaupten, das wir eine Vorzeigefamilie sind, aber ich behaupte, das wir Familie leben mit allem was dazu gehört: Liebe, Streit, schlechter und guter Laune, Vertrauen, Respekt, Verständnis, Meinungsverschiedenheiten, Gespräche, Arbeiten, Leben leben. Ich bin so dankbar, das ich Familie leben kann.

Auch mein Mann hat natürlich eine Familie mitgebracht. Er selbst wuchs mit drei Schwestern auch in einem ländlichen Dorf auf. Es ist eine große Familie, weil es viel Verwandtschaft gibt. Jeder ist mit Jedem irgendwie verwandt. Die Eltern und seine Geschwister wohnen mit ihren Familien alle zusammen in einem Dorf, sind quasi auch Nachbarn. Mit Sicherheit hatten seine Eltern sich das anders vorgestellt, als ihr einziger Sohn mit einer vierköpfigen Familie um die Ecke kam. Aber sie akzeptierten es und für mich schien es wie ein Wunder zu sein. Wir mussten uns auch erst annähern, aber als der Bann gebrochen war, wir uns kennenlernten, glaubte ich manchmal nicht, das dies alles wahr ist. Sollte ich tatsächlich nochmal in eine „heile“ Familie einheiraten? Sollten die Kinder tatsächlich in den Genuss kommen, Oma und Opa haben zu können? Alles deutete darauf hin und mit der Hochzeit von mir und meinem Schatz, kamen dann auch so Sätze wie: du kannst alles zu mir sagen, Oma/ Opa oder uns beim Vornamen nennen, aber bitte bitte nicht Stiefoma/Opa! Bei Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten werden wir nie außen vor gelassen. Vielmehr gab es bei mir irgendwann einen Zeitpunkt, an dem ich wohl überfordert war. Ich kannte es nicht, dass man Aufgaben aufteilen kann, dass man nicht alles alleine organisieren muss, das man sich auch Hilfe und Ratschläge von anderen Familienmitgliedern einholen kann. Immer stand ich bis zu diesem Zeitpunkt alleine da und man kam ja gar nicht erst auf die Idee nachzufragen. Regelmäßige Treffen zu Geburtstagen oder einfach nur mal so, kannte ich in dem Ausmaß nicht. Ich finde das richtig gut, konnte dem aber irgendwie nicht standhalten. Ein Prozess, der mir bis heute schwer fällt. Wahrscheinlich kann man dies schwer nachvollziehen. Ich liebe sie Alle, aber eben anders als diese Familie es kennengelernt hat oder gewohnt ist. Auch hier würde niemand den anderen im Regen stehen lassen. Gerade in letzter Zeit gab es auch dort immer wieder Krankheiten bei den Familienmitgliedern, was betroffen macht. Manchmal wissen wir nicht, wo wir hin sollen mit all diesen Krankheitsgeschichten. Wir machen viel mit uns selber aus, aber eins steht fest: Blut ist dicker als Wasser und für mich ist Familie etwas ganz besonderes.

Familie zu haben, kann so unterschiedlich aussehen. Für jeden hat Familie auch eine andere Bedeutung, aber es nicht von der Hand zu weisen, das der Ursprung einer Familie bei jedem gleich ist. Haltet fest aneinander, und begegnet euch mit Respekt, Toleranz und haltet zueinander. Die Grundsteine werden in der Familie gelegt. Bei allen Familienarten, die ich alleine nur in Bezug auf meine Person betrachten kann, bin ich dankbar, das ich die Möglichkeit hatte, soviel Familie kennen zu lernen.


Über Mich

Ich bin 52 Jahre alt und lebe in einer wunderbaren Patchworkfamilie mit 5 Kindern seid 23 Jahren auf einem ländlichen Dorf.

Schon als Kind wohnte ich auf einem Dorf mit meinen drei Geschwistern, zwei Brüder und einer Schwester und ich war die zweitälteste. Mit 9 Jahren verlor ich meinen leiblichen Vater durch seinen Suizid. Ab da war für mich nichts mehr normal auch wenn ich das nicht alles auf den Verlust beziehe. Mit meiner leiblichen Mutter hatte ich kein gutes Verhältnis und je weiter ich von zu Hause weg war, umso besser ging es mir. Somit kam es mir gelegen, das ich schon mit 14 in ein weit entferntes Internat zur Schule ging. Dort lernte ich die Freundin meines Lebens kennen. Wir versprachen uns als Trauzeugen, Patentante der Kinder und wollten zusammen alt werden. Bis heute ist alles davon eingetreten, mehr noch, es ist meine seelenverwandte Schwester und ihre Eltern wurden zu meinen Pflegeeltern. Der Halt in meinem Leben damals und heute neben meinem jetzigen Mann und den Kindern.

Nach einigen Stationen begann ich eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Ein Beruf, den meine leibliche Mutter für mich ausgesucht hatte in einem Betrieb unter „streng katholischem“ Regiment- dem Opus Dei. Zunächst schien es gesittet abzulaufen, alles andere stellte sich später anders raus. Gestärkt durch die Familie meiner seelenverwandten Schwester konnte ich mich dem lösen und fand meinen neuen heutigen Heimatort. Im Jahr 91 lernte ich dann meinen ersten Mann kennen und wir heirateten im darauffolgenden Jahr und sollten auch bald unser erstes Kind in den Händen halten. Ein weiteres Kind folgte zwei Jahre später, das dritte Kind drei Jahre später und wie sollte es anders sein , das vierte Kind vier Jahre später. Zu dem Zeitpunkt kriselte es in unserer Ehe schon an vielen Ecken. Lange habe ich alles erdenklich mögliche getan um die Ehe zu retten. Schließlich hatte ich einmal Ja gesagt für gute und schlechte Zeiten und da war auch die Verantwortung für die Kinder. Aber genau das war der Grund, warum ich mich gegen die Ehe entschied. Meine Kinder wären daran kaputt gegangen. Nachdem ich 3 Jahre mit meinen Kindern das Leben alleine meisterte und mich wunderbar gefühlt habe, sollte sich bald der Mann meines Lebens vorstellen. Ich sagte immer: „ Wenn ein gut aussehender junger Mann in der Blüte seines Lebens alles haben könnte und eine Familie gründen könnte, ganz von vorne, aber mich Frau mit vier Kindern nimmt, dann muss man dieses Glück mit beiden Händen festhalten.“ Gesagt getan! Auch mein Mann hat einen Sohn, zudem es einen intensiven Kontakt gibt- auch zu der Kindsmama. Nach 3 Jahren des Zusammenseins heirateten wir und was Besseres hätte mir wirklich nicht passieren können. Auch die Kinder sehen das so, denn sie möchten sich von meinem Mann adoptieren lassen. Glückwunsch- alles richtig gemacht!

Beruflich habe ich zwischenzeitlich viele Jobs gemacht, angefangen als Reinigungskraft und Haushaltshilfe, arbeitet ich einige Jahre in einer Bäckereifiliale. Diese Filiale würde dann aufgelöst und ich begann bei einem Schulcatering, die dafür sorgten, das es in den Pausen leckere Snacks, belegte Brötchen und gutes Mittagessen gab. Schnell hatte ich in einer Schule dann die Teamleitung übernommen und bald darauf bekam ich junge Menschen in mein Team, die integrativ begleitet werden mussten. Nebenbei arbeitete ich dann noch für einige Stunden im Ganztag an der selben Schule. Sehr lange hat mich diese Art der Arbeit erfüllt bis ich merkte, das ich daraus noch mehr machen kann. Es dauerte nicht lange und ich übernahm die amtliche Betreuung von dem jungen Mädchen in meinem Betrieb. Das war aber nur der erste Schritt. Immer mehr interessierte ich mich für die Menschen dahinter. Ich wollte die Kinder nicht mit Nahrung versorgen, sondern mit Herzwärme und Seelenfutter. Somit begann ich ein Fernstudium zur psychologischen Beraterin und beendete dies vor zwei Jahren. Ein Berufswechsel stand an und was da lag da näher als mit Kindern zu arbeiten. Jetzt bin ich als Integrationsfachkraft tätig und das gibt mir soviel. Viele zusätzliche Seminare habe ich absolviert und ganz liebe Menschen kennengelernt.

Alles in allem kann ich mich nicht beklagen, auch wenn es nach wie vor immer wieder kleine und größere Hürden zu überwinden gibt. Aber Aufgeben war nie mein Motto, auch wenn ich manches mal müde wurde und auch in depressive Phase gerutscht bin. Manches Loch war schon sehr tief und dunkel, aber ich war und bin schon immer ein optimistischer und lebenslustiger Mensch gewesen. Ich liebe es mit meiner Familie zusammen zu sein, mich mit Freunden zu treffen und zu feiern. Eines meiner größten Leidenschaft ist das Schützenfest. Auch wir waren schon Königspaar und haben es genossen. Ich lese gerne, gehe gerne und viel spazieren und wandern, besonders im Wald. Ich liebe unsere Tiere, zwei Katzen und einen Hund. Und glaubt mir, ich hatte mal richtig Angst vor Hunden.

Zu vielen Dingen „Über Mich“ werde ich detailliert noch im Blog schreiben. Auch über das, was mich und meine Familie am meisten derzeit beschäftigt und uns momentan viel abverlangt: eine der beschissensten Krankheiten überhaupt- der Krebs!!! Leider ist meine Sis , so nenne ich meine seelenverwandte Schwester, davon betroffen und eigentlich die ganze Familie. Wir hätte das nicht gebraucht um zu beweisen, dass das Band der Liebe zwischen uns niemals gebrochen wird. Es ist alles nicht erklärbar und auch nicht zu verstehen, aber wir lernen damit umzugehen, so gut es uns möglich ist, denn nur so kann man damit umgehen. Wir stützen uns und wir leben einfach weiter!! Weil es so wichtig ist!!!

So viel „Über Mich“ geschrieben. In der Hilfsbanderole stand: Erzähle ein wenig über dich. Ein wenig- das ist mir ja gut gelungen- räusper ! Danke für Jeden, der es bis zu Ende gelesen hat.