Monatswechsel

Was für ein denkwürdiger und emotionaler Monatswechsel. Wir schreiben Ende April, Anfang Mai. Während man in den Vorjahren meist den April mit einem schwingenden Tanzbein verabschiedete und den Mai mit einem kühlen Blonden und Bollerwagen begrüßte, sollte es dieses Jahr ganz anders sein. Und das nicht nur weil Corona es nicht zuließ das Tanzbein zu schwingen und man auf Wanderungen in dem Rahmen verzichten musste. Es lag allein an ganz verschiedene Begebenheiten, die uns emotional in ein Gefühlskarussell bringen sollten, die einem Tanz in den Mai gleich kommen.

Herumgewirbelt wie in einem gut eingeübten Foxtrott mit Drehungen, die nach Ausdauer und einen langem Atem verlangen., fühlte sich die ankommende Briefsendung vom Amtsgericht an. Noch eben zum Monatsende bekamen wir die Information, dass unser Adoptionsantrag endlich beim Amtsgericht gelandet ist. Wieder ein Schritt näher- fast.. nur fast… bevor das Amtsgericht weiterarbeitet, müssen dann mal noch ein paar Unterlagen her: Meldebescheinigung, Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis aller Beteiligten sollten innerhalb von vier Wochen vorliegen. Bis das so weit ist, sind einige Drehungen auf dem Tanzparkett erforderlich. Einige Schrittfolgen sind da nötig, denn ein Teil der Kinder ist arbeiten und die Ämter haben ja gerade nicht alle den offenen Zutritt. Man muss viel telefonieren und nichts geht ohne Termin. Wir hoffen, dass sich die Atmung nicht überschlägt und alles rechtzeitig bis zum letzten Ton in guter Schrittfolge erbracht werden kann. Der Vater der Kinder wurde auch angeschrieben um eine Stellungnahme abzugeben. Meldet er sich innerhalb von zwei Wochen nicht, willigt er automatisch in die Schrittfolge ein. Das wiederum glaube ich persönlich nicht und da wird die Ausdauer und ein langer Atemzug nötig sein. Ich weiß nicht was in seinem Kopf vorgehen wird. Welche Drehung wird er bevorzugen? Wird er sich verschlingen oder stolpern? Oder wird sein Atem nicht lang genug sein. Er war nie ein guter Tänzer, aber wenn es darum ging seinem Jähzorn Platz zu machen, kam er auf die unmöglichsten Umdrehungen, die ihn genau in diese jetzige Position brachten. Wie dem auch sei, begleitet von einem mulmigen Gefühl, das einem verrauchtem Tanzlokal gleicht in dem alle Luft durch verschwitzte Tanzeinlagen verbraucht ist, werden wir unsere Schrittfolge einhalten.

Nach diesem Schwung an Emotionen, sollte noch ein Trommelwirbel folgen, der eine Aufruhr in uns auslöste und letztendlich in einem derart langsamen Walzer endete, das die Schrittfolgen und Atemzüge fast zum Stillstand brachten. Unser Kater machte uns mitten in der Nacht wach. Er konnte nicht mehr gehen und sein Hinterteil wahr wie gelähmt. Er hechelte vor sich hin, als wenn er einen Marathonlauf hinter sich hatte. Nie zuvor habe ich ihn so gesehen. Wir konnten ihm nur gut zusprechen und ihn beruhigen. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass er die Nacht überlebt. Wir wussten nicht einmal, was er hatte. Den ganzen Tag vorher waren keine Anzeichen erkennbar. Es ging ihm doch gut. Er hatte gefressen, gespielt, geschnurrt … alles was eine Katze so in ihrem Rhythmus des Katzendaseins so tut. Die Nacht hatte er also überlebt, aber auch der Morgen des neuen Monats brachte keine Besserung ans Tageslicht. Ich fühlte mich noch wie besoffen nach der Nacht, und das ohne einen Tropfen Alkohol zu mir genommen zu haben. Der Gang zum Tierarzt war unabdingbar und jeder von uns ahnte, dass dieser langsame Walzer wohl eher in einer Trauermelodie enden wird. Es war der richtige Weg: der Kater hatte einen Herzfehler, von dem niemand was ahnte und einen Schlaganfall, den niemand mitbekommen hatte. Wenn Tiere doch nur reden könnten …. vielleicht wollte er auch garnicht, dass wir was mitbekommen. Umso schwerer fiel der Abschied. Der Tag war so schwer in uns. 13 Jahre hatten wir ihn bei uns und jetzt mussten wir ihn gehen lassen. Das kühle Blonde am 1.Mai sollte dann wohl ganz auf ihn gehen. Eine Wanderung über die Regenbogenbrücke, die er nicht alleine ging. Aber am Ende des Regenbogens wird er neue Freunde finden, die mit ihm durch eine friedliche Welt ohne Leiden wandern werden. Und so müssen auch wir weiter wandern.

Eine weitere Wanderung erfolgte noch am selben Tag. Diese war rein familiär und im allerengsten Familienkreis meines Mannes. Ich möchte darüber keine Details verlauten lassen, weil es zu privat ist und hier nichts zu suchen hat. Aber soviel sei gesagt: es gibt Wanderungen im Leben eines Menschen, einer ganzen Familie, die einer Landkarte ähneln. Das Leben durchlebt mit vielen Höhen und Tiefen, Berge die erklimmt werden müssen; Pfade die gegangen werden, mit und ohne Hindernisse, großen wie kleinen Hindernissen; am Wegesrand stehen Bänke, die nach Erholung und Ruhepause schreien, damit die nächste Steigung erklommen werden kann. Mittendrin kleine Seen, die die Tiefe unserer Seele widerspiegeln und einen Fluss, der gleichsam in ruhigem Treiben neben uns her fließt. Dörfer und Städte finden sich auf dieser Landkarte ebenso wieder, wie Straßen in jeglicher Art. Durch all die Straßen geht ein jeder von uns. Mal sind wir unterwegs auf der Schnellstraße, die unser Leben nur so abhetzen lässt und einer andermal hinterlegen wir eine kurvenreichen Strecke, wo wir nicht wissen was sich dahinter befindet. Kreuzungen an denen wir entscheiden müssen, ob rechts oder links der bessere Weg ist und vielleicht endet man manchmal in einer Sackgasse oder gar in einem Kreisverkehr, wo jede Ausfahrt gleich scheint und doch sich jeder Weg anders gestalten wird. Und am Ende eines jeden Weges , einer jeden erstellten eigenen persönlichen Landkarte wird man hoffentlich heimisch in seinem Dorf oder seiner Stadt, in der Familie einen Ursprung hat.- seine Familie. Und in jeder Familie gibt es Gedanken, die man entweder für sich behält oder aber mit ihnen teilen möchte. In dem Fall wurden Gedanken geteilt und besprochen. Es war beeindruckend für mich, obwohl ich nicht bei dem Treffen dabei war. Das war es deswegen, weil ich es meinem Mann so gegönnt habe. Nie habe ich solche Gespräche kennengelernt bei meiner Ursprungsfamilie. Gespräche, die mir gezeigt hätten, dass eine Familie, egal welche Wege jeder einzelne gegangen ist, eine Familie bleibt. Werte, die man mit nichts auf der Welt bezahlen kann, außer mit gesagten Worten und einem Leben das einer Landkarte gleicht, auf der die Wanderungen sichtbar gemacht werden. Ich habe meine Familie gefunden und meine Familie gegründet auf einer ganz eigenen Landkarte. Diese Art der Gespräche brauchte ich bis dato nie beisitzen und auch nicht selber führen, aber sie haben mich für meinen Mann beeindruckt. Seine ganz eigene Wanderung, wo emotionale Gedanken wie kleine Seelenpfade sich durch die Landkarte des Lebens schlängeln.

Was für ein Monatswechsel!

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 2

1Woche später:

Inzwischen ereilte uns schon wieder aus dem Freundeskreis eine Nachricht, die mit Krebs zu tun hat. Es ist auch nich nicht lange her, dass seine Frau eine heftige Op im Gesicht hatte, weil ein Melanom bösartig war und nun muss auch er nochmal unters Messer um ein Melanom entfernen zu lassen. Es war Gott sei Dank rechtzeitig und hat nicht gestreut. Und im Moment gehen die Gedanken zu meinem Schwiegerpapa, bei dem es auch schon eine Op gegeben hat, wo es dankbarer weise positiv ausging. Aber Leute jetzt mal ernsthaft: ist das noch normal? Wo soll man mit all dieser Gefühlswelt denn hin? Wieder stehe ich vor der Familie und möchte Ihnen gar nicht sagen, dass es eine neue Diagnose gibt. Es ist zu viel des Guten. Und dennoch geht das Leben weiter. Mir begegnete vor kurzem ein Satz, den eine liebe Freundin von ihrem Psychonkologen bekommen hat: Du darfst Mitleid haben aber nicht mitleiden! Den Satz finde ich super und werde ihn mir hinter die Ohren schreiben. Aber einfach ist es nicht.

Für mich ist auch wichtig, nicht nur den Krebspatienten selber Unterstützung und Rückhalt zu geben. Sondern mir sind auch die Partner, Kinder und Eltern wichtig. Jeder einzelne von ihnen lebt in dieser Krankheit mit. Man kann den Schmerz, die Behandlungen und Gedanken des Patienten nicht abnehmen und das kann zermürben. Auch sie wenden Kraft auf um seinem Partner/in Mama/Papa beizustehen. Auch sie haben ihre Gedanken und Ängste. Und auch sie brauchen den Rückhalt und empathische Menschen um sich. Zuhören ist mit das Wichtigste, was man verschenken kann und somit Unterstützung bietet. Es müssen nicht immer Worte sein, die man als Antwort parat hat. Ein offenes Ohr und eine Handreichung sind soviel mehr wert! Nehmt euch die Zeit- wer weiß wie lange sie uns allen bleibt! Gebt acht auf euch und geht sorgsam mit euch um.

Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich über die gemeine Krankheit Krebs überhaupt schreiben möchte. Es gibt so viele Blogger, die aufgrund ihrer Krebserkrankung davon berichten und ihre Gefühle, Sorgen und Ängste, aber auch den Krankheitsverlauf niederschreiben. Warum sollte ich also auch davon schreiben, zumal ich selbst- Gott sei Dank- diesem Krebs nicht täglich die Kämpferfront bieten muss? Dennoch setze ich mich täglich mit dieser Krankheit auseinander. Jeden vedammten Tag!!! Mal kämpferisch, mal sentimental, mal empathisch. Wie ist das möglich? Meine Sis ( meine Follower wissen wovon ich rede) ist daran erkrankt, mein Daddy und eine enge Freundin ebenfalls. Und eigentlich hört man wöchentlich von irgendjemanden, der daran erkrankt ist. Auch ich folge dem ein oder anderen Blogger, die davon berichten. Schaut mal rein bei der lieben Mairose42.de oder bei der lieben Prinzessin_uffm_bersch.de oder bei weg_ins_leben_2.0.de, die sogar ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. „ Rock den Himmel mein Held“- ein sehr lesenswertes Buch, was schonungslos erzählt, was erlebt wurde. Das sind nur einige wenige Menschen, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen müssen.

Ich aber möchte euch davon erzählen, wie ich damit umgehe und was in mir vorgeht. Als ich damals die Nachricht von meiner Sis erhielt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, hatte man schon das Gefühl, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Und das tut es eigentlich auch mit jeder neuen Diagnose, die negativ ausfällt. Dieses Hoffen und Bangen, dieses Wechselbad der Gefühle macht soviel mit einem, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Schließlich setze ich mich ja auch nicht alleine damit auseinander. Meine Familie trägt es genauso mit. Wie sage ich es diesmal meinem Mann und den Kindern? Es ist ja nicht so, als ob es das erste mal wäre, dass wir solche Nachrichten bekommen, von Menschen, die tief in unserem Herzen verwurzelt sind.

Ich bin ein überaus optimistisch denkender Mensch und glaube und hoffe immer und immer wieder, dass sich alles zum positiven wendet. Aber was bitte ist daran positiv, wenn man „nicht heilbar“ hört? Nichts, rein gar nichts! Und dennoch weiß ich, das meine Sis alles, verdammt nochmal alles daran setzt, diesen Prozess so weit wie möglich zu verschieben. Und ich versuche alles, aber wirklich alles zu tun, damit sie sich darin unterstützt fühlt. Ich höre ihr zu, wir lachen, weinen, reden, feiern und schweigen zusammen. Es ergibt sich von selbst, was gerade an Gefühlen seinen freien Lauf braucht und wie wir es gemeinsam handhaben. Dabei bedarf es keiner Worte. Wir wohnen einige 100km auseinander, aber die Termine für jede neue Untersuchung trage ich mit. Wenn sie nach Köln in die Klinik muss, versuche ich diese Termine mit wahrzunehmen. Es ist ca die halbe Strecke zwischen uns. Und all die anderen Termine trage ich gedanklich mit. Es gibt Tage , da kann ich da sehr gut mit umgehen. Manchmal ist es ein Gefühl, als ob da gar keine Emotionen sind, ich fühle so nichts, so leer, so als wenn da garnichts ist außer ein gewöhnlicher Termin. Als wenn es schon zum täglichen Ablauf dazu gehört. Dann gibt es Situationen, die mache ich mit tiefem Herzen, weil ich nicht weiß, wie oft kann ich sie noch mit ihr erleben. Wie einen Sog nehme ich es mit, wenn wir gemeinsam ein Konzert besuchen. Im Leben, wo diese Krankheit nicht mitspielen würde, gäb es mit Sicherheit das ein oder andere Mal, wo ich aus finanzieller Sicht absagen würde. Jetzt aber nicht, weil die Zeit eine gewichtige Rolle spielt und ich zu 100% weiß, dass ich ihr nichts abschlagen kann. Es ist ihr verdammtes Leben. Natürlich weiß ich auch nicht, ob ich morgen, übermorgen noch lebe, weil ein Idiot auf der Straße nicht aufpasst, aber das kann ich nicht planen. Aber uns die Zeit geben, die wir haben und erleben möchten, dass kann ich planen. Mit ihr einfach nur da sitzen und ihr zuhören, ihr die Hand zu reichen und den Rücken stärken, damit die Kraft nicht ausgeht, ist mit das Wichtigste, was ich ihr geben kann. Genauso wichtig wie das Lachen über irgendwelche alberne Dinge. Und wehe wir werden losgelassen. Jeder weiß, wie wir zwei Lachen können! Ich möchte die Hälfte Lache , die zu mir gehört nicht vermissen. Ich brauch sie, genauso wie ein anderer die Luft zum Atmen braucht. Und doch weiß ich, dass es vergänglich ist. Und dann kommt diese Wut manchmal in mir hoch. Nur manchmal, aber wenn sie kommt, dann macht sie mich machtlos!

Autismus

Stellt euch bitte folgende Situation vor:

Ihr trefft euch mit einer Freundin im Café. Ihr habt beide eure Kinder mitgenommen. Da gutes Wetter ist, setzt ihr euch nach draußen um die Sonnenstrahlen genießen zu können. Natürlich ist das Café bei dem Wetter voll mit Mitmenschen, denen es genauso geht wie euch. Während ihr beiden euch über Gott und die Welt unterhaltet, sind eure Kinder nicht zum stillsitzen zu begeistern. Sie stehen auf und turnen etwas lauter um die Sitzgelegenheiten herum. Ich möchte behaupten, dass sich mind. 80% der Mitmenschen darüber aufregen. Und sind wir mal ehrlich mit uns selber- es würde uns nicht anders gehen. Der Stempel für die Kinder und die Mütter ist bereits auf der Stirn: kein Benehmen, keine Erziehung, keine Rücksicht, flegelhaft, können die nicht woanders hingehen….. und, und und…. Niemand von diesen Menschen weiß, was tatsächlich in diesen kleinen Wesen vorgeht und auch niemand würde für sich in Frage stellen, dass da etwas anders sein kann, wie bei deinen eigenen Kindern.

Aber genau dieses eine Kind hat Autismus. Von außen nicht gleich sichtbar. Für dieses Kind waren die Menschen vielleicht schon zu viel. Laute Geräusche, enge Räume, viele Menschen, blendende Lichter sind einige Merkmale, die für Autisten ein großes Problem darstellen.

Ich sprach mit einer Mutter, die einen autistischen Jungen hat. Sie bemerkte schon im Säuglingsalter ihres Kindes, dass er Kontaktprobleme hatte. Er wurde steif , wenn ihn andere berührten oder gar in den Arm nahmen. Immer wieder zeigte er überempfindliche Reaktionen bei Hautberührungen. Wenn er als Baby gekrault wurde, stellten sich auch da Verkrampfungen ein. Bei der Verwandtschaft traf sie oft auf Unverständnis, wenn sie erklärte, dass da etwas anders ist. Jeder wollte das Baby im Arm haben und streicheln und abknutschen( etwas überspitzt) , aber niemand verstand, dass dies nicht gut war für den Jungen.

Auch heute noch lässt er sich nicht anfassen und reagiert überempfindlich bei Berührungen. Bei fremden Personen meidet er jeglichen Blickkontakt. Lobt man ihn für besonders gute Leistungen z.B. in der Schule, kann er damit gar nicht gut umgehen. Sich in Gefühle reinzuversetzen oder nachzuempfinden ist bei ihm nicht möglich. Der Schulalltag stellt diese Kinder vor eine große Herausforderung. Geregelte Abläufe sind für ihn so wichtig. Jede Veränderung unterbricht den eigenen Ablauf und braucht ewig, bis sich auf die neue Situation eingestellt werden kann. Ohne eine Begleitung/ Integrationsfachkraft ist ein gewöhnlicher Schulalltag nicht denkbar. Schon eine Stundenplanänderung bringt diese Menschen aus dem Gleichgewicht. Von jetzt auf gleich hauen ihn einzelne Termine raus. Im Grunde kann es sein, dass ein morgendliches Aufstehen schon die erste Unruhe einbringt, so die Mama. Sie stellt sich morgens schon darauf ein, dass der erste Satz mit „ lass mich schlafen.. ich geh da nicht hin…“ beginnt. Als Mama ist sie schon morgens angespannt, obwohl sie weiß, dass sie tiefen entspannt reagieren müsste. Sie weiß, dass er böse geträumt haben kann, von Angst, Dunkelheit und bösen Tieren, hässlichen Fratzen und alles was ihn fertig macht. Oft steckt dort der Schulalltag drin. Mit dem morgendlichen Aufstehen läuft es auf keinen Fall wie von selbst. Oft sind schon Tränen zu sehen, vor Wut und Angst, weil er in die Schule muss. Hin zu den gefährlichen Tieren, die ihn jagen und hetzen und mobben. Die Liebe der Mutter wird in Frage gestellt. Oder warum sonst, würde eine Mutter, die ihr Kind doch liebt, in die Höhle des Löwen schicken? Gerne würde sie ihn jetzt in den Arm nehmen und sagen das sie keine andere Wahl hat, aber das wäre fatal, da er ja keine Umarmungen mag!!

Wie oft hat sie sich schon anhören müssen, dass sie streng und konsequent sein soll, gerade bei ADHS- Kindern, was er ja auch noch hat. Das ist leichter gesagt als getan. Es ist doch vergleichbar mit den Ängsten, die ein jeder von uns hat- Spinnenphobie, Höhenangst, Platzangst…. gehen wir deswegen Bungee jumpen oder steigen in einen Aufzug? Würden wir in ein Terrarium mit Spinnen gehen? Nein, natürlich nicht! Warum also sollte man einem Kind mit autistischen Zügen das antun?

In meiner Arbeit als Integrationskraft ist mir oft aufgefallen, dass diese Kinder zwei Persönlichkeiten haben, die wahnsinnig schnell umspringen können. Nett und wild, in sich gekehrt und laut. Oft wird man beschimpft, was man aber auf keinen Fall persönlich nehmen sollte. Mit der eigenen Lautstärke kompensieren sie letztendlich die Lautstärke, die von außen auf sie einströmt. Autistische Kinder sind sehr oft kreativ und das mit einer langen Ausdauer, wenn man sie dabei nicht stört. Konstruktionen aus Lego, Werken mit Holz, malen, sind Dinge, die diese Menschen wieder runterholen. Wichtig ist, diese Dinge zu erkennen und einzusetzen in der Arbeit mit autistischen Kindern. Immer wieder nach Rückzugsmöglichkeiten suchen und das Kind aus Stresssituationen herausnehmen um sie dann wieder einzugliedern, ist eines der immer wiederkehrenden Aufgaben eines Schulbegleiters. Gewährleistet dem Kind, das es konstante Bezugspersonen hat, die möglichst selten wechseln. Manchen von ihnen fällt es schwer, mit den Gefühlen und der Mimik seiner Mitmenschen umgehen zu können oder gar deuten zu können. Dafür kann man einen Mimikwürfel erstellen, auf dem verschiedene Gesichtsausdrücke ( Emojis) abgebildet sind. Erklärt ihm die verschiedenen Gesten so sachlich wie möglich.

Für autistische Menschen ist es sehr wichtig einen geregelten und strukturierten Tagesablauf zu haben. Ebenso müssen das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen immer wieder aufgezeigt und gesteigert werden.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben von einem autistischem Jungen. Sicher gibt es viel mehr Erfahrungen und Erlebnisse. Gerne dürft ihr hier eure Erfahrungen niederschreiben und zu einem Austausch anregen. Denn sind wir doch mal ehrlich, unter Gleichgesinnten fühlt man sich verstanden und aufgehoben. Für alle Anderen wünsche ich mir, dass sie den Blick erweitern und sich nicht von Momentaufnahmen leiten lassen. Der lieben Mutter, mit der ich ein intensives Gespräch führen durfte, ein herzliches Dankeschön!

Ganz kurz möchte ich noch die verschiedenen Erscheinungsformen von Autismus erklären.

der frühkindliche Autismus: ist eine der bekanntesten Autismus- Formen. Er heißt frühkindlich, da er sich vor dem 3. Lebensjahr bemerkbar macht. Charakteristisch sind erkennbare Kontaktstörungen durch das Fehlen jeglicher Reaktion auf Zuwendung der Umgebung, zwanghafte Spielgewohnheiten und übermäßige Bindung an Einzelobjekte, Schmerzunempfindlichkeit, Sprachentwicklungsstörungen

das Asperger Syndrom: fällt meist erst im Schulalter auf und die auffallenden autistischen Züge sind milder ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus.,. Hemmungen im emotionalen – affektiven Bereich, Tendenz zur Abkapselung und Selbstisolierung, abweichen desDenkens vom sprachlichen Handeln, Probleme im Trieb- und Gefühlsleben, durchschnittlich bis überdurchschnittliche Intelligenz. Asperger Autisten sind überwiegend Jungen

der A- typische Autismus: dieser Autismus wird dann diagnostiziert, wenn keine anderweitige Diagnose gestellt werden kann. Z. B. wenn nicht alle Kriterien des frühkindlichen Autismus erfüllt werden, die Symptome aber dennoch auf eine Diagnose im autistischen Spektrum hinweisen.

das Rett- Syndrom: ist eine weitere Autismus- Spektrum- Störung und betrifft fast ausschließlich Mädchen. Erste Symptome treten etwa zwischen dem 6. Lebensmonate und dem 4. Lebensjahr auf. Die normale Entwicklung kommt dabei zunächst zum Stillstand, danach bilden sich die Fähigkeiten wieder zurück.

( aus: tk./ rochlexikon, Schuster, Schirmer )

Buchtipps:

Daniela Streiter- Wie es ist anders zu sein

Dagmar H. Mueller , Verena Ballhaus- Davids Welt, Vom Leben mit Autismus

Warum blogge ich?

Ganz lange habe ich das für und wider abgewogen, aber es gibt nun mal für nichts und niemanden eine Garantie.

Ursprünglich wollte ich mal ein Buch über mich und mein Leben schreiben. Begonnen habe ich und dabei blieb es auch dann. Dieses Buch sollte meinen Kindern bzw meiner Familie gewidmet werden. Der Hintergrundgedanke lag in meiner eigenen Kindheitsgeschichte. Dazu in einem anderem Blog mehr und ausführlicher. Mir war wichtig, das meine Kinder mich richtig kennen- warum, wieso, habe ich so oder anders gehandelt und wer bin ich tief in mir drin. Ja, das angefangene Buch liegt immer noch. Das ist ein Grund, warum ich mich hier versuche. Ein kurzer Text mit den Gedanken, die man gerade mit sich rumträgt, sind dann wohl hier eher verfasst. Außerdem bringt der Alltag viele Situationen und Gedanken mit sich über die man schreiben kann.

Einige Freunde haben mir schon oft gesagt: wenn du schreibst, dann bringst du es auf den Punkt. Man kann es gut lesen und man spürt die Emotionen. Nun gut, das ist ein weiterer Grund, der mich zum bloggen animiert und ihr lieben Leserinnen und Leser, könnt es mir hier kommentieren, wie es bei euch ankommt.

Ein weiterer und für mich mit der ausschlaggebendste Punkt, ist wohl mein zweites „berufliches Standbein“, das Coaching! Ich bin da noch ganz in den Anfängen und kann leider nicht so durchstarten wie ich es gerne möchte. Aber es hindert mich nicht darin, Menschen zu helfen einen guten Weg zu finden. Und diesen Weg findet man immer, jeder für sich und in seinem eigenen Tempo. Der Alltag und die immer wieder zahlreichen Herausforderungen, die das Leben uns stellt, bringen viele Menschen ans Limit. Jeder einzelne von uns hat in irgendeiner Form den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, hat den klaren Blick verloren, musste sich unzähligen Herausforderungen und Schicksalsschlägen stellen. Vielleicht fühlte man sich alleine oder das Verständnis aus dem eigenen Umfeld fehlte und machte es somit nicht einfacher, sich zurecht zu finden. Manchmal sind es auch die kleinen Entscheidungen, die man treffen muss und sich gedanklich die Nächte um die Ohren schlägt. Veränderungen im Leben brauchen oft Zeit und Menschen um einen herum, die sich empathisch mit auf den Weg machen. Das möchte ich für Dich sein, Dich begleiten auf einem Teilstück deines Weges, damit du nicht alleine bist.

Ich werde dir Begebenheiten erzählen und Denkanstöße geben. Bitte bombardiert mich mit ehrlichen Kommentaren und lasst mir eure Gedanken hier. Gerne dürft ihr mir auch eure Geschichte erzählen.

Ich freue mich auf und über jeden Einzelnen.

Gebt acht auf euch und denkt daran: ihr seid einmalig !