Es war einmal und ist noch immer

Es war einmal ein Jahr namens 2020, das sich zu einem besonderen Jahr entwickeln sollte. Niemand hätte geglaubt, dass sich so viel ändern sollte und alte Gewohnheiten eine völlig andere Form bekommen sollten. Nie zuvor war mir bekannt, dass man sich so sehr mit sich auseinandersetzen muss. Es ließ einem nicht viele Möglichkeiten offen, um genau zu sein, eigentlich nur zwei: entweder akzeptieren und das Beste für sich daraus zu holen oder den Kopf in den Sand zu stecken. Was aber eigentlich keinen Sinn macht, denn es fühlt sich zähneknirschend sandig an. So könnte man das Jahr im groben Rückblick zusammenfassen.

Könnte man… aber es fühlt sich noch nicht richtig an. Ich denke nach, lese in alten Blogs nach, was mich in dem Jahr 2020 so beschäftigt hat. Es kann ja nicht alles gewesen sein? Ist das Jahr wirklich nur durch eine Pandemie getragen worden? Sicherlich maßgeblich! Ich möchte aber genauer hinschauen.

Januar 2020

Das alte Jahr mit Freunden ausgiebig verabschiedet, begrüßte mich das neue Jahr mit wunderschönen Aufnahmen aus der Natur. Der Blick aus dem Fenster meines Arbeitsplatzes zeigte mir, wie schön das Leben sein kann. Etwas Frost lässt den Blick ins neue Jahr noch nicht ganz klar erscheinen. Aber es wäre auch zu früh um schon so weit in die Ferne schauen zu können. Was mir zu diesem Zeitpunkt sehr klar war, dass mich mein Beruf als Integrationskraft immer mehr in den Bann nahm. Viele Ideen schwirrten durch meinen Kopf und ich bin seit jeher mit Herzblut in der Arbeit. Mach das Beste aus dem gegebenen Moment!

Februar 2020

Ein Monat geprägt von großer Emotionalität. Mit meiner seelenverwandten Sis ging es zum Konzert von der Kelly Family. Es hieß 25 years over the hump- es waren auch unsere Jahre. Ein Streifzug durch unsere junge Erwachsenenzeit bis heute. Ein halbes Leben zog an uns vorbei und gleichzeitig ließ es uns einen Moment den Alltag vergessen. Es gehört zu uns. Niemand ahnte zu der Zeit, das dies vorerst das größte Glück überhaupt war, ein Konzert sorgenlos besuchen zu können. Ein Glücksmoment mit großer und tiefer Bedeutung. Genieße den Moment im Hier und Jetzt!

März 2020

Zu Beginn des Monats März war ich voll im Flow, wie man so schön sagt. Der Laufsport hatte mich erneut gepackt, immer draußen in der Natur. Jeden zweiten Tag lief ich gestärkt durch meine Kollegin, eine Vielzahl an Kilometern. Der Kopf wurde frei und den Kilos wurde der Kampf angesagt. Es war mir noch nicht bewusst, wie gut es war, genau damit zu beginnen. Mitte März kam dann der erste Einbruch. Lock down und Homeshooling waren die Schlagwörter mit denen es ins Frühjahr ging. Die Pandemie hielt uns im Griff und es gab Schneisen der Verwüstung. Niemand wusste so recht, wie uns eigentlich geschieht. Fast alles lag still. Ostern wurde ganz anders. Man besann sich auf ganz andere Dinge. Entschleunigung war angesagt und sie tat mir unendlich gut. Die Natur war wie mein zweites Zuhause. Was man doch erst wieder alles an Schönheiten entdeckte. Wieviel Zeit man plötzlich hatte, um mal wieder einem Hobby nachzugehen oder Zeit für die Familie zu haben. Freunde sind wichtiger denn je, sich Halt zu geben auch aus der Entfernung. Mut zusprechen und Ängste nehmen. Virtuelle Umarmungen werden spürbar. Familie und Freunde sind das Wichtigste!

April 2020
Mai 2020

Auf ein Minimum reduziert arrangierte man sich immer mehr im „neuen“ Leben. In manchen Bereichen fuhr man zu Höchstleistungen auf und in anderen wurde man erfinderisch. Dinge die vorher nicht denkbar waren, waren schon fast Selbstläufer oder der Kampf ums Überleben. Meine Kilos purzelten und mein Lauf wurde mit einem guten Platz bei einem virtuellen Lauf belohnt. Innerlich hatte ich den Eindruck, dass Corona mich erdet. Wenn da nicht schon wieder die finanzielle Existenz , Angst in einem hervorrief. Unser Kater ging über die Regenbogenbrücke und die ersten runden Geburtstagsfeiern fielen aus. Man ließ sich Dinge einfallen, um die Ehrentage nicht unter den Tisch fallen zu lassen und zu signalisieren, dass man trotz allem nicht in Vergessenheit gerät. Schätze was du hast, in dem Moment wo du es hast!

Seelentröster und Beistand für schwere Stunden
Juni 2020

Der Regenbogen wurde für alle zum Symbol der Hoffnung und Verbindung. Alle Schützenfeste und Stadtfeste fielen aus. Das Leben stand fast still. Die Klorolle wird zum Lebenselixier und an mir ging es dennoch recht spurlos vorbei. Aber auch nur fast. Umarmungen und Nähe fehlten mir und ich möchte sie weitergeben an die, die es gerade benötigen. Oft fühlte ich mich machtlos und obwohl ich sonst so die Kreative bin, hatte ich kaum Ideen im Kopf wie ich es anders umsetzen kann. So fühlte es sich für mich zumindest an. Verschenke Gesten des Herzens- sei erfinderisch

Anker= Halt
Juli 2020

Ein persönliches Highlight für mich war der Juli. Mitten in all dem Geschehen sollte es meinem Herzmann und mir gelingen mit einem Teil unserer Kinder den 1. gemeinsamen Urlaub zu erleben. Es war so beeindruckend und wunderschön. Ganz für uns alleine und das Meer vollbrachte Wunder. Es verschluckte die Sorgen und Ängste für einen Moment. Kleinste Sehenswürdigkeiten gaben einem Halt, weil man so sehr abschalten konnte. Halte das Glück in deinen Händen!

August 2020

Die Sommermonate boten zig Bilder von zauberhaften Sonnenuntergängen und Naturschönheiten. Von jedem dieser Momente zehrte ich. Das Leben ging weiter… egal ob positiv oder negativ, aber wir tragen es gemeinsam. Nicht immer ging es mir leicht von der Hand. Ich bin ein Mensch der von der Nähe des anderen Menschen lebt. Aber genau das fehlte mir. Ich wusste manchmal damit nicht umzugehen. Gehe ich hin oder bleibe ich zu Hause. Klare Aussagen und Regeln gab es nicht immer und das viele Hin und Her an neuen Begebenheiten sowohl im Beruf als auch privat, machten mich langsam kopflos. Ich war verunsichert und dennoch zehrte ich von meiner eigenen Familie und das Leben mit und in der Natur. Reiche die Hände wo du kannst – nutze jede Gelegenheit!

September 2020

In sich wieder gefangen, sich treiben lassen wie ein Blatt im Strom des Wassers, blickte ich wieder positiver. Freunde und Familie können sich im kleinen Rahmen wieder treffen- was für Seelenmomente. Schulen laufen unter den gegebenen Hygienemaßnahmen weiter. Und plötzlich ist dieser Arbeitswille wieder so stark. Da wo ich Anfang des Jahres stand und wusste was ich will, hatte wieder Feuer und Flamme in mir gefasst. Ganz viel Energie ging in mein Berufsleben. Einiges davon werde ich noch 2021 umsetzen. Ich möchte Integrationsarbeit in den Fokus rücken, einen Stellenwert und ein Netzwerk geben. Es ist so wertvoll. Das Leben hat mich wieder. Mein Sohn hatte endlich einen Ausbildungsplatz, der ihm Spaß machte. Es ging also vorwärts. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen vorwärts bringen!

An der Mosel
Oktober 2020

Das Leben hatte wieder ein Gesicht. Einige Tage Auszeit an der Mosel bei meiner Sis und der normale Arbeitsalltag ließen mich vor Energie strotzen. Die Auszeit war notwendig. Wie jetzt? Wir waren doch erst so entschleunigt? Richtig- aber sofort wieder in die Vollen zu gehen schlaucht mehr als ich anfangs zugeben will, denn mein Enthusiasmus ist größer und verdrängt erstmal alles. Gib acht auf dich und höre auf deinen Körper. Du hast nur den einen.

November 2020

Ich habe einen Schatz gefunden. Den Schatz des Lebens, des Zusammenhaltes, der Familie, der Freunde, der Unterstützung, der Ideen, der Freizeitgestaltung, der Dankbarkeit, der Gesundheit. Bewahre die positiven Momente im Herzen

Dezember 2020

Da ist er nun, der letzte Monat des Jahres. Was für ein Jahr. Und wieder ein Lockdown ! Wieder die große Angst, Unsicherheit und Ungewissheit was das für uns für die Zukunft heißt. Einige gehen sprichwörtlich am Krückstock, andere ziehen sich mental zurück. Wieder müssen einige alleine bleiben und Weihnachten feiern im kleinsten Kreis mit wesentlich mehr Emotionen die diesmal unter dem Baum liegen. Aber wir haben uns. Ich hatte wieder Zeit um Karten zu schreiben und mich mal wirklich nur auf das Fest zu konzentrieren. Das Fest der Liebe- verteile Liebe so gut du kannst.

Viel Dinge sind dieses Jahr geschehen. In meinem Jahresrückblick habt ihr bisher nichts davon gelesen, dass liebe Menschen richtig um ihre Gesundheit kämpfen mussten. Ihr habt nichts davon gelesen, dass sich Freunde in diesen Situationen neu finden müssen oder sich nicht aus den Augen verlieren. Ich erwähnte nicht, dass zig Feste ausgefallen sind, aber es erlaubte schöne Höhepunkte gab, die einen Glanz verbreiteten. Leider gab es auch Menschen, die über die Regenbogenbrücke gehen mussten.

All diese Dinge im richtigen Blickwinkel betrachtet mit den Augen und dem Herzen im Gegenüber gesehen, ergeben für mich trotz diesem besonderem Jahr eine große Dankbarkeit. Dankbarkeit für den Mann an meiner Seite und in meinem tiefsten Herzen , unseren Kindern tief im Herzen und all jene die zur Familie des Herzens und den Freunden fürs Leben gehören. Nichts davon ist selbstverständlich und nichts geschieht ohne das man selbst etwas dafür tut. Mal mehr , mal weniger- ganz wie die Kraft es zulässt, aber immer mit der nötigen Wertschätzung. Und ganz egal, was uns und mir das Jahr 2021 bereit hält, ich bin dankbar für all das Gute. Auch ich werde einiges ändern müssen, aber verzeiht mir, auch ich bin nur ein Mensch, der manchmal seinen richtigen Platz finden muss und dadurch Fehler begeht.

Für mich war 2020 anstrengend, aber nicht nur schlecht. Denn dafür gab es Momente, die mich anders kennenlernen ließen und mir wieder zeigten, dass nichts von alle dem selbstverständlich ist. Nichts ist selbstverständlich! Auch das Leben nicht!

In diesem Sinne , es war einmal, verlasse ich das Jahr 2020 mit meinem traditionell gewordenen Silvesterlauf. Ich laufe dem Jahr 2021 entgegen! Und es ist noch immer ein Leben da!

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7 Kommentare zu „Es war einmal und ist noch immer

  1. Ein „Wunder – voller“ Rückblick. Danke dafür.
    Auch ich sehe das ganz ähnlich: ich will das letzte Jahr nicht missen – trotz allem, denn es gab so viele Dinge und Erfahrungen, die bleiben und mich stärken. Darüber habe ich immer wieder geschrieben.
    Herzliche Grüße
    Judith

    Gefällt 1 Person

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