Anker für die Seele

Kennt ihr das, wenn man über etwas schreiben und berichten möchte, aber einem die Worte fehlen? So ähnlich geht es mir mit diesem Blog. Ich weiß, dass ich gerne über die vergangenen Erlebnisse berichten möchte, mir schon zig Gedanken gemacht habe und ja definitiv der Mensch bin, der aus dem Bauch und dem Herzen heraus schreibt. Das werde ich auch hier tun. Was also hemmt mich dann so, die richtigen Worte zu finden? Vielleicht sind es die vielen Gedanken und Umstände, die mit diesem Erlebnis einhergehen, denn diese sind etwas komplexer in meinem Kopf. Ich werde es dann dennoch wie immer tun und werde mir im folgenden einfach meine Gedanken aus der Seele schreiben.

Es geht um unseren Urlaub. Fast jeder macht irgendwann seine Reise, seine Erholung, verbringt seinen Urlaub irgendwo fern von der Heimat. Und jeder, der sich seinen Urlaub gönnt, kennt auch die Gefühle, die damit verbunden sind. Entspannen, abschalten, neue Kraft tanken, den Alltag hinter sich lassen, Zeit haben, sich auf sein innerstes und seine Bedürfnisse konzentrieren. Für viele gehört das schon als Selbstverständlichkeit dazu, denn schließlich geht man auch dafür arbeiten.

Ich kann für mich tatsächlich nicht von Selbstverständlichkeit reden. Die Sehnsucht nach einem Urlaub wuchs in den Jahren immer mehr in mir. Es war nicht so, dass ich nie weg war. Für mich war der Urlaub eher ein Besuch bei meinen Geschwistern, die sowohl im Norden als auch im Süden ihre Heimat haben. Es waren immer schöne Zeiten auch eingebunden mit den Gefühlen, die ein Urlaubsfeeling mit sich bringt. Und dennoch wuchs in mir die Sehnsucht nach einem Urlaub mit Unabhängigkeit. Hieß aber auch, dass für mich kein Wohnwagen oder zelten in Frage kam. Mag sein, dass es für den ein oder anderen Leser überheblich klingt, aber ich hatte Sorge, dass ich im Urlaub unter den Umständen, das selbe tu wie zu Hause auch:kochen, einkaufen, aufräumen. Daran wird deutlich, wie sehr ich mich vom Alltag wegsehnte. Warum dann nicht einfach machen und buchen, Koffer packen und weg? Selbst ein Teil meiner Kinder hatte schon diese Auszeiten und das Urlaubsfeeling kennengelernt- es konnte doch dann gar nicht so schwer sein, selber in dieses Feeling einzutauchen. Beruflich ließ sich das nicht immer so vereinen. Da ich im Schulwesen tätig bin, war ich auf die Ferien angewiesen und mein Mann zwischenzeitlich in der Landwirtschaft tätig war, wo genau in dieser Zeit Hochsaison ist, war ein gemeinsamer Urlaub schon gar nicht möglich. Aber das war nicht die einzigste Problematik. Es gab da etwas, was mit Kosten verbunden war. Immer waren andere Dinge wichtiger. Und jetzt sind wir schon beim Knackpunkt des Textes angelangt: über sowas spricht und schreibt man nicht so gerne. Es ist nicht nur sehr persönlich, sondern der Gedanke daran, wie und was andere sagen könnten, steht so fest im Vordergrund, dass man damit sehr sensibel umgehen muss, auch zum Schutz vor sich selber. Allein aus dem Grund, möchte ich dabei auch nicht ins Detail gehen. So viel steht fest, es war für die Thematik Urlaub immer ein Stein im Weg. Was aber ist, wenn der Kopf, die Beine und die Seele nicht mehr können? Wenn man das Gefühl hat, das man aushungert und vertrocknet? Wenn der gewöhnliche Tagesablauf abgespult wird, sich aber die Frage gestellt wird, wofür mache ich das Ganze? Was muss in einem selber erst geschehen, damit man sagt: JETZT, jetzt machen wir es, wir fahren jetzt weg, egal was ist, ? Ich kann das nicht in Worten beschreiben, was in dem Moment des JETZT eintritt. Du reagierst:

Ich habe die halbe Nacht im Internet verbracht. Fünf bis sechs Personen mit Hund sollten sich auf die Reise machen. Am liebsten sollte es an die See gehen. Im Hinterkopf stand immer die Frage, ob es tatsächlich gelingen sollte, dass wir nach 29 Jahren endlich einen Urlaub buchen? Man durfte ja auch nicht vergessen, dass wahrscheinlich ganz viele Menschen gerade an die See wollten, wo Corona doch vorweg einiges abverlangte und immer noch tut. Doch tatsächlich fand sich relativ schnell eine günstige Ferienwohnung, die schön eingerichtet war und für unsere Bedürfnisse mehr als ausreichend war. Ja, auch bei einer Ferienwohnung muss man sich selbst versorgen, aber das habe ich in Kauf genommen, um endlich Urlaub zu haben. Ich hatte gebucht- unglaublich- das erste mal in meinem Leben habe ich einen Urlaub gebucht. Und wieder die Gedanken im Hinterkopf, ob das alles wohl richtig ist? Es gab kein „Nein“ oder „Ja“ als Antwort, kein „Falsch“ oder „Richtig“, sondern nur das eine Gefühl, dass ein langer Traum und eine heimliche Sehnsucht endlich gestillt werden sollte.

Die Anreise und der Einzug in unsere Ferienwohnung verliefen reibungslos. Die Stimmung war gut und gelöst zugleich. Der Ort, indem wir verweilten war ein verträumtes und ruhiges Nest. Alles war sauber und man sah selten jemanden auf den schmalen und verwinkelten Wegen. Aber wenn man jemanden traf, wurde einem immer ein freundliches „Moin“ entgegen gebracht. Das Wetter ließ uns manchmal im Stich und nur an wenigen Tagen kam die Sonne zum Vorschein. Das hinderte uns aber nicht daran, am Deich entlang zu gehen, uns andere Orte anzusehen und unternehmungslustig die Gegend zu erkunden. Mit eingebunden war die ein oder andere Besichtigung oder Shoppingtour. Bedingt durch Corona musste man sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen, die nicht immer schön waren, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Wir hatten ja Zeit. Niemand musste zu festgesetzten Uhrzeiten irgendwo hin. Auch ein Essen musste zu keiner bestimmten Uhrzeit fertig sein. Wir hatten Zeit für Gesellschaftsspiele, ohne das die Zeit im Nacken stand oder man vor Erschöpfung keine Lust dazu hatte. Es fühlte sich so herrlich frei an.

Bei allen Touren und Besichtigungen, gab es für mich jedoch ein ganz besonderes Highlight: das MEER. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass das Meer eine so heilende Wirkung in mir auslöst. Die unendliche Weite des Meeres ließ mich frei sein von allen Gedanken, die mir im Kopf rumschwirrten. Jede Welle, jeder Windstoß schien mir ein Stück Leichtigkeit nahe zu bringen, als wenn es mir sagen wollte, dass ich loslassen soll. Loslassen von all dem was mich belastet und gerade mit mir arbeitet. Es machte so viel mit mir, dass die Tränen liefen. Es waren Tränen des Glücks. Ich war einfach nur glücklich!! Glücklich darüber, dass ich das alles erleben durfte, dass es Menschen gab, die uns das von Herzen gönnten und dass ich es nicht alleine erleben musste. Ein Gefühl der Freiheit entwickelte sich in mir und noch viel mehr machte sich Leichtigkeit in mir breit. Ich wollte gar nicht mehr weg. Auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung spürte ich schon die Sehnsucht nach dem Meer. Ich hätte Stunden dort verweilen können, ohne auch nur etwas zu tun, außer auf das Meer zu schauen und den Wellen bei ihrem Spiel zuzusehen. Wir waren natürlich noch ein zweites mal direkt am Meer und die Magie setze sofort wieder ein. Für manche mag es etwas selbstverständliches sein- nicht so für mich. Ich werde diese Magie des Meeres lange in mir behalten und bin mir sicher, dass es nicht das letzte mal war, dass ich das erleben darf. und werden ganz sicher keine 29 Jahre mehr vergehen. Vielleicht bleiben die Überlegungen und Fragen dieselben wie vor dem Urlaub, aber die Antwort wird sicherlich schnell gefunden sein.

Es war nur eine Woche, aber es war diese eine Woche! Möge jeder urteilen wie er mag und vielleicht hätten andere Dinge im Vordergrund stehen müssen, aber dann ist das jetzt so. -Diese Zeit nimmt mir niemand mehr. Es war ein Anker für die Seele, ein Anker für unserer Hände Arbeit, ein Anker für unsere Familie, ein Anker der sich fest verankert hat mit meinem tiefsten Inneren. Nichts auf dieser Welt ist selbstverständlich. Nimm den Anker, wirf ihn aus und festige dein Seelenleben.

2 Kommentare zu „Anker für die Seele

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