Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich über die gemeine Krankheit Krebs überhaupt schreiben möchte. Es gibt so viele Blogger, die aufgrund ihrer Krebserkrankung davon berichten und ihre Gefühle, Sorgen und Ängste, aber auch den Krankheitsverlauf niederschreiben. Warum sollte ich also auch davon schreiben, zumal ich selbst- Gott sei Dank- diesem Krebs nicht täglich die Kämpferfront bieten muss? Dennoch setze ich mich täglich mit dieser Krankheit auseinander. Jeden vedammten Tag!!! Mal kämpferisch, mal sentimental, mal empathisch. Wie ist das möglich? Meine Sis ( meine Follower wissen wovon ich rede) ist daran erkrankt, mein Daddy und eine enge Freundin ebenfalls. Und eigentlich hört man wöchentlich von irgendjemanden, der daran erkrankt ist. Auch ich folge dem ein oder anderen Blogger, die davon berichten. Schaut mal rein bei der lieben Mairose42.de oder bei der lieben Prinzessin_uffm_bersch.de oder bei weg_ins_leben_2.0.de, die sogar ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. „ Rock den Himmel mein Held“- ein sehr lesenswertes Buch, was schonungslos erzählt, was erlebt wurde. Das sind nur einige wenige Menschen, die sich tagtäglich damit auseinandersetzen müssen.

Ich aber möchte euch davon erzählen, wie ich damit umgehe und was in mir vorgeht. Als ich damals die Nachricht von meiner Sis erhielt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, hatte man schon das Gefühl, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Und das tut es eigentlich auch mit jeder neuen Diagnose, die negativ ausfällt. Dieses Hoffen und Bangen, dieses Wechselbad der Gefühle macht soviel mit einem, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Schließlich setze ich mich ja auch nicht alleine damit auseinander. Meine Familie trägt es genauso mit. Wie sage ich es diesmal meinem Mann und den Kindern? Es ist ja nicht so, als ob es das erste mal wäre, dass wir solche Nachrichten bekommen, von Menschen, die tief in unserem Herzen verwurzelt sind.

Ich bin ein überaus optimistisch denkender Mensch und glaube und hoffe immer und immer wieder, dass sich alles zum positiven wendet. Aber was bitte ist daran positiv, wenn man „nicht heilbar“ hört? Nichts, rein gar nichts! Und dennoch weiß ich, das meine Sis alles, verdammt nochmal alles daran setzt, diesen Prozess so weit wie möglich zu verschieben. Und ich versuche alles, aber wirklich alles zu tun, damit sie sich darin unterstützt fühlt. Ich höre ihr zu, wir lachen, weinen, reden, feiern und schweigen zusammen. Es ergibt sich von selbst, was gerade an Gefühlen seinen freien Lauf braucht und wie wir es gemeinsam handhaben. Dabei bedarf es keiner Worte. Wir wohnen einige 100km auseinander, aber die Termine für jede neue Untersuchung trage ich mit. Wenn sie nach Köln in die Klinik muss, versuche ich diese Termine mit wahrzunehmen. Es ist ca die halbe Strecke zwischen uns. Und all die anderen Termine trage ich gedanklich mit. Es gibt Tage , da kann ich da sehr gut mit umgehen. Manchmal ist es ein Gefühl, als ob da gar keine Emotionen sind, ich fühle so nichts, so leer, so als wenn da garnichts ist außer ein gewöhnlicher Termin. Als wenn es schon zum täglichen Ablauf dazu gehört. Dann gibt es Situationen, die mache ich mit tiefem Herzen, weil ich nicht weiß, wie oft kann ich sie noch mit ihr erleben. Wie einen Sog nehme ich es mit, wenn wir gemeinsam ein Konzert besuchen. Im Leben, wo diese Krankheit nicht mitspielen würde, gäb es mit Sicherheit das ein oder andere Mal, wo ich aus finanzieller Sicht absagen würde. Jetzt aber nicht, weil die Zeit eine gewichtige Rolle spielt und ich zu 100% weiß, dass ich ihr nichts abschlagen kann. Es ist ihr verdammtes Leben. Natürlich weiß ich auch nicht, ob ich morgen, übermorgen noch lebe, weil ein Idiot auf der Straße nicht aufpasst, aber das kann ich nicht planen. Aber uns die Zeit geben, die wir haben und erleben möchten, dass kann ich planen. Mit ihr einfach nur da sitzen und ihr zuhören, ihr die Hand zu reichen und den Rücken stärken, damit die Kraft nicht ausgeht, ist mit das Wichtigste, was ich ihr geben kann. Genauso wichtig wie das Lachen über irgendwelche alberne Dinge. Und wehe wir werden losgelassen. Jeder weiß, wie wir zwei Lachen können! Ich möchte die Hälfte Lache , die zu mir gehört nicht vermissen. Ich brauch sie, genauso wie ein anderer die Luft zum Atmen braucht. Und doch weiß ich, dass es vergänglich ist. Und dann kommt diese Wut manchmal in mir hoch. Nur manchmal, aber wenn sie kommt, dann macht sie mich machtlos!

3 Kommentare zu „Krebs hat mehrere Gesichter Teil 1

  1. Ach süße. Was soll ich sagen. Du wunderbarer Herzmensch, Seelenschwester, Sis, meine Hälfte, die mich komplett macht! Danke für deine so offenen und ehrlichen Worte. Genau so sehe ich dich, genau so fühle ich dich! ❤️
    Peter Maffay war schon echt der Hammer. Und wir schauen beide sehr glücklich aus. Das gefällt mir sehr. Ich drück dich aus der Ferne.
    Deine Sis Mary 🌹

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